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Umwelt Think Tanks als Akteure und Forschungsgegenstand – US- und EU-Perspektiven im Vergleich

Umwelt Think Tanks als Akteure und Forschungsgegenstand – US- und EU-Perspektiven im Vergleich

Timeloc
12. Oktober 2009
Berlin
Deutschland

Am 12. Oktober 2009 fand in Berlin ein transatlantischer Dinner Dialog zu Ehren von James G. McGann statt, der das „Think Tanks and Foreign Policy Program“ des Foreign Policy Research Instituts an der Universität Pennsylvania leitet. In seinem Kurzbeitrag präsentierte James G. McGann die Ergebnisse seiner neuesten Forschungen zu Umwelt Think Tanks und stellte die Unterschiede zwischen den Umwelt Think Tanks in den USA und in der EU vor. Seiner Meinung nach unterscheiden sich die politischen Kulturen der beiden Regionen zentral.

James G. McGanns Präsentation...

Laut James G. McGann gibt es weltweit derzeit 6.976 Think Tanks, 917 davon sind Umwelt Think Tanks. Die 217 Umwelt Think Tanks in Nordamerika konzentrieren sich hauptsächlich auf Klimawandel, nachhaltige Entwicklung, Wasserver- und -entsorgung und Wassermanagement sowie Umweltpolitik und -management. Defizite bei den Agenden Nordamerikanischer Think Tanks sind Umweltkatastrophen, Handel und Umwelt sowie Armut und Umweltzerstörung. Im Gegensatz dazu konzentrieren sich die 252 Umwelt Think Tanks in der EU hauptsächlich auf nachhaltige Entwicklung, alternative Energiequellen und Rohstoffe. Das Manko Osteuropäischer Think Tanks ist, dass Umweltforschung eng mit ökonomischen Entwicklungszielen verbunden ist. Deshalb bevorzugen viele Osteuropäische Think Tanks keine Regierungs- sondern technokratische Lösungen für Umweltprobleme. Sowohl in den USA als auch in der EU geht die Zahl neu gegründeter Umwelt Think Tanks seit dem Jahr 2000 zurück. Während dieser Trend in den USA dramatisch ist, ist er in der EU jedoch weniger drastisch.

In seinem abschließenden Vergleich zwischen der EU und den USA hat James G. McGann herausgestellt, dass es wichtige Unterschiede zwischen den politischen Kulturen gibt. Die Folgenden sind seiner Meinung nach die Wichtigsten:

 

USEU
Mehr Think Tanks.Weniger Think Tanks.
Mehr Mitarbeiter/innen und größere Budgets.Weniger Mitarbeiter/innen und kleinere Budgets.
Größere Sichtbarkeit und mehr Einfluss.Weniger einflussreich bei Politikentscheidungen.
Signifikante Unabhängigkeit.Größere Abhängigkeit von Regierungsmitteln und Mangel an Transparenz.

 

In seinem Kurzbeitrag skizzierte James G. McGann den Think Tank Kontext, indem er zunächst einen globalen Überblick über Think Tanks gegeben hat, bevor er auf Umwelt Think Tanks eingegangen ist und die USA mit der EU verglichen hat. Seiner Meinung nach haben Think Tanks fünf Hauptmerkmale.

  1. Sie sind Wissens-basierte und Politik-orientierte Institutionen.
  2. Sie helfen Regierungen, intergouvernementale Organisationen und die Zivilgesellschaft.
  3. Sie erarbeiten Politik-orientierte Forschung, Analysen und Beratung zu innenpolitischen und internationalen Themen.
  4. Sie beziehen Politiker, die Medien und die Öffentlichkeit in politische Schlüsselthemen mit ein.
  5. Sie ermöglichen es Politikern und der Öffentlichkeit, informierte Entscheidungen zu gesellschaftlichen, politischen Themen zu treffen.

Danach stellte James G. McGann jüngste Trends bei den Think Tanks vor. Während der 1960er und 1970er wurden Think Tanks vermehrt gegründet, vor allem in OECD-Ländern. Während der 1980er begannen Think Tanks, sich global zu verbreiten. Außerdem erschienen zu dieser Zeit die ersten Studien zum Thema Think Tanks in der Literatur. Die 1990er waren durch einen explosiven Anstieg bei der weltweiten Anzahl der Think Tanks gekennzeichnet. Seit den 2000ern bilden globale Think Tank-Netzwerke die umfangreichsten Informationsquellen für Politiker, die international erhältlich sind.

Der Workshop und der Dinner Dialogue boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, die Rolle von Think Tanks generell und insbesondere die Charakteristika deutscher Think Tanks zu diskutieren. Dieser Austausch bot den Umwelt Think Tanks nicht nur die Möglichkeit, Input für ihre zukünftige Arbeit zu erhalten, sondern ermöglichte James G. McGann außerdem Einblicke, wie deutsche Umwelt Think Tanks funktionieren. Darüber hinaus wurden vergangene und zukünftige Trends mit einem Fokus darauf, ob Think Tanks von den verschiedenen Administrationen unterschiedlich wahrgenommen werden und ob Administrationen offener für externe Expertise werden, diskutiert.

…wurde gefolgt von einer lebhaften Diskussion.

Die Diskussion, die sich der Präsentation von James G. McGann anschloss, thematisierte verschiedene Aspekte bezüglich Umwelt Think Tanks, Unterschiede zwischen der EU und den USA sowie methodische Fragen.

Ein viel diskutiertes Thema war die Frage, wie die Wirkung von (Umwelt) Think Tanks gemessen werden kann. Die Teilnehmenden diskutierten beispielsweise, was gute Indikatoren sein könnten, um diese Wirkung zu messen, etwa die Anzahl der Konferenzen, Medienaufmerksamkeit, Anzahl der Publikationen oder Anzahl der Zitierungen. Die Herausforderung liegt darin, Indikatoren zu entwickeln, die nicht einfach nur das Ergebnis (output) messen, sondern die Wirkung (impact) bewerten.

Eng verknüpft mit der Frage nach Wirkung ist außerdem das Thema Einfluss. Während der Diskussion wurde klar, dass in den USA sichtbarer Einfluss erwartet wird, während in der EU unsichtbarer Einfluss erwartet wird. Die lebhafte Diskussion zeigte, dass eine Debatte darüber, wie die Arbeit von Think Tanks und die Politikberatung generell besser bewertet werden kann, längst überfällig ist.
Als Ergebnis dieses Workshops und Dinner Dialogs kann festgehalten werden, dass Think Tanks in der EU oftmals aus Regierungsmitteln finanziert sind, während sie in den USA typischer Weise durch Spenden finanziert werden. Beide betrachten sich jedoch als unabhängig und würden dies nicht mehr tun, wenn sie auf die jeweils andere Art finanziert wären.

Think Tanks im Kontext

Es gibt immer mehr Think Tanks – und dementsprechend auch Forschung über Think Tanks. Während diese Institutsform in den USA gut etabliert ist und dort eine lange Geschichte hat, ist dieses Format in Europa noch recht neu, wobei es regionale Unterschiede gibt. Im angelsächsischen Raum ist die Idee, einen Think Tank damit zu betrauen, Ideen in den politischen Prozess zu bringen, beispielsweise viel besser akzeptiert, als in Deutschland.

FPRI kann als Think Tank der Think Tanks bezeichnet werden, d.h., FPRI ist der führende Think Tank, der diese spezielle Institutsform analysiert und James G. McGann forscht umfangreich zum Thema Think Tanks. Das Hauptziel des Dinner Dialogs und eines vorangegangenen Workshops war es, nicht nur die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema Umwelt Think Tanks zu erfahren, sondern auch, den Dialog zwischen dem Think Tank Forscher und Repräsentanten zumeist deutscher Umwelt Think Tanks zu ermöglichen.

Die Präsentation [pdf, 1,993 KB, Englisch] von James G. McGann zum Thema „The Earthly Truth: Analyzing the Nature of Environmental Think Tanks“ steht zum Download bereit. Sie basiert auf einem Forschungsbericht, der noch in diesem Herbst veröffentlicht wird.

Weiterführende Links:


Sprecher
James G. McGann
Datum
12. Oktober 2009
Ort
Berlin, Deutschland