© Ecologic Institute, 2026
Why Run if You Can’t See the Goal? – Warum wir eine klare Vision für Klimaneutralität brauchen
Horizon Scan
- Veranstaltung
- Datum
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- Ort
- Berlin, Deutschland
- Aktive Rolle
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Jarl Krausing (CONCITO)
Der Klimawandel wird häufig durch alarmierende Daten, besorgniserregende Zukunftsprognosen und damit verbundene dringliche Warnungen vermittelt. Auch wenn wissenschaftliche Erkenntnisse unverzichtbar bleiben, können solche Darstellungen bei vielen Menschen eher ein Gefühl der Überforderung auslösen, als sie zum Handeln zu motivieren. Beim jüngsten Horizon-Scan-Event des Ecologic Instituts beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Frage, wie positive Zukunftsvisionen gesellschaftliche Veränderungen anstoßen und den Weg zu einer nachhaltigen Transformation unterstützen können.
Jarl Krausing vom dänischen Thinktank CONCITO plädierte in seiner Keynote dafür, dass Gesellschaften mehr brauchen als Warnungen davor, was es zu vermeiden gilt. Sie braucht stattdessen ein gemeinsames Bild der Zukunft, die wir gestalten wollen. Ausgehend von einem Projekt in Dänemark und den nordischen Ländern erläuterte er, wie inspirierende Zukunftsvisionen helfen können, Hoffnung zu geben, Orientierung zu schaffen und Menschen für den Wandel zu gewinnen.
Zukunftsbilder, die zum Handeln inspirieren
Lange Zeit war Klimakommunikation von der Vorstellung geprägt, dass mehr Wissen automatisch zu besseren Entscheidungen und mehr Handeln führt. Jarl Krausing stellte diesen „Informationsdefizit-Ansatz“ infrage: Fakten, Zahlen und Grafiken allein reichen häufig nicht aus, um Menschen dauerhaft für Veränderungen zu gewinnen. Was es vielmehr braucht, sind konkrete Vorstellungen davon, wie eine klimaneutrale Zukunft aussehen kann und was sie im Alltag der Menschen bedeutet.
Positive Zukunftsvisionen können dabei eine wichtige motivierende Kraft entfalten. Sie zeigen nicht nur, welchen Beitrag sie zum Klimaschutz leisten, sondern machen auch sichtbar, welche weiteren Verbesserungen mit der Transformation verbunden sein können, etwa für Gesundheit, Sicherheit, Lebensqualität und den Erhalt der Natur.
Jarl Krausing formulierte es so: „Warum loslaufen, wenn man das Ziel nicht sehen kann?“
Diese Idee steht auch im Mittelpunkt eines aktuellen Buches von CONCITO „Det Ender Grønt“ („Es Endet Grün“). Darin entwerfen vierzehn dänische Vordenkerinnen und Vordenker Bilder des Alltags in einer klimapositiven Gesellschaft im Jahr 2050. Anstatt einen einzigen Masterplan vorzulegen, zeigt das Buch verschiedene mögliche Zukunftsszenarien und regt damit den demokratischen Dialog über die grüne Transformation an.
Von den Herausforderungen des Klimawandels zu gemeinsamen Zukunftsvisionen
Jarl Krausings Impuls zeigt auf, wie positive Visionen zu praktischen Werkzeugen für die Politikgestaltung werden können. CONCITO hat Ansätze der Visionsentwicklung in verschiedenen Kontexten genutzt, von nationalen Diskussionen über Netto-Null-Ziele bis hin zu Prozessen der Landnutzungsplanung und dem wegweisenden dänischen Agrarabkommen. Dieses sieht unter anderem die weltweit erste nationale Abgabe auf landwirtschaftliche Treibhausgasemissionen vor, die ab 2030 eingeführt werden soll.
Statt Diskussionen ausschließlich mit einzelnen Maßnahmen zu beginnen, laden solche Prozesse Menschen dazu ein, sich die Zukunft vorzustellen, die sie gemeinsam schaffen möchten. Kreative Methoden wie „Zeitreisen“ helfen dabei, klimaneutrale Zukunftsbilder greifbarer zu machen. Von sauberer Luft und wiederhergestellten Ökosystemen bis hin zu neuen Formen des Lebens und Arbeitens.
Im Plenum wurde auch diskutiert, ob moderne Gesellschaften noch gemeinsame Bilder einer wünschenswerten Zukunft entwickeln können und wie solche Visionen Menschen zusammenbringen und gemeinsames Handeln ermöglichen können. Die Teilnehmenden waren sich einig darüber, dass die grüne Transformation eine überzeugende Erzählung braucht, die an alltägliche Werte wie Gerechtigkeit, Sicherheit und eine gesunde Umwelt anknüpfen kann.
Gleichzeitig entstehen tragfähige Zukunftsbilder nicht automatisch durch politische Vorgaben. Sie müssen in demokratischen Prozessen entwickelt werden und Raum für Beteiligung, lokale Perspektiven und offenen Austausch bieten.
Beispiele aus Dänemark und Deutschland zeigen, dass partizipative Prozesse die langfristige Unterstützung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen stärken können, weil Menschen nicht nur über die Zukunft sprechen, sondern aktiv an ihrer Gestaltung beteiligt sind. Klimakommunikation muss über die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse hinausgehen und auch Geschichten erzählen, die Menschen inspirieren und ihnen zeigen, welche Zukunft möglich ist.
Eine Teilnehmerin drückte es so aus: „Die Darstellung von Risiken und Krisen allein bringt keinen Wandel. Menschen brauchen ein positives Bild von der Zukunft, an deren Gestaltung sie selbst mitwirken können.“
Horizon Scan ist die exklusive Diskussionsreihe des Ecologic Institute, die sich mit Fragen zur Zukunft und unserer Fähigkeit beschäftigt, diese aktiv zu gestalten. In diesen Gesprächen werden grundlegende Themen rund um nachhaltige Entwicklung, Forschung, Umweltpolitik und gesellschaftliche Transformation untersucht.