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Die Ölpreis-Hausse und globaler Klimawandel – Implikationen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland

Die Ölpreis-Hausse und globaler Klimawandel – Implikationen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland

Timeloc
3. April 2006
Berlin
Deutschland

meadowsDie weltweite Energiepolitik im Zeichen stetig steigender Erdölpreise und deren Implikationen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland war das Thema des Dinner Dialoges mit Dennis Meadows, Mitherausgeber des Buches "Grenzen des Wachstums". Aus Anlaß der bald auch in Deutschland erscheinenden Neuauflage dieses Weltbestsellers von 1972 wurden mögliche Lösungsstrategien aus der energiepolitischen Misere am 3. April 2006 in Berlin diskutiert.

Dennis Meadows, emeritierter Leiter des Instituts für Politik und sozialwissenschaftliche Forschung an der University of New Hampshire, der ebenfalls am MIT und dem Dartmouth Collage tätig war, wurde mit "Grenzen des Wachstums" 1972 schlagartig berühmt. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist er international als Mitglied von Vorständen und Berater für Regierungen, Industrie und gemeinnützige Organisationen tätig gewesen. Zur Zeit ist der Präsident der Balaton Group. einem Netzwerk von 300 Experten aus Wissenschaft, Politik und Nachhaltiger Entwicklung aus über 30 Nationen. 

Bevor es in die eigentliche Diskussion ging, berichtete Dennis Meadows, wie er als ausgebildeter Ingenieur zum Vordenker in Sachen Nachhaltigkeit wurde. Wie häufig im Leben war der Zufall stark beteiligt. Eine längere Indienreise haben ihm einen offeneren Blickwinkel und einen leeren Schreibtisch beschert, so dass er das Projekt vom Club of Rome angenommen hat. Den Wert des Buches "Grenzen des Wachstums" und des 30-Jahres-Update sieht er in der Beeinflussung der öffentlichen Diskussion. Nachdem zuerst reiner Fortschrittsglaube bestand ohne jede Problemwahrnehmung setzte sich in den 80iger Jahren die Erkenntnis durch, dass Grenzen des Wachstums existieren, der Markt diese aber lösen würde. Nach einer Phase einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Problemen in den 90iger Jahren fürchtet Meadows, dass in absehbarer Zeit die Argumentationskette vieler Regierungen so aussehen wird, dass z.B. der Klimawandel nicht mehr geleugnet wird, aber behauptet wird, es sei zu spät für Handlungen dagegen.

Hinsichtlich der Grenzen des Wachstums führt Meadows aus, dass es weniger das Problem sein wird, dass bestimmte Ressourcen aufgebraucht sein werden als dass immer größere finanzielle Anstrengungen notwendig sind, um bestehende Systeme, wie z.B. die landwirtschaftliche Produktion am Laufen zu halten. Ähnliches zeigt sich bei der Ölförderung. Zwar sind dank technischem Fortschritt immer neue Energievorkommen erschlossen worden, die notwendigen Investitionsvolumina haben sich in den letzen 30 Jahren aber vervielfacht. Diese immer höheren finanziellen Belastungen führen, so Meadows, in Zukunft unweigerlich zu negativen Feedbackschleifen hinsichtlich des wirtschaftlichen Wohlstandes. Letzeres könne schon in mehreren Ländern beobachtet werden.

Um aus dieser Negativentwicklung herauszukommen, fordert Dennis Meadows die richtigen Fragen zu stellen. Diese zielen weniger auf technische Lösungen, sondern auf eine neue Ethik ab. Einzig letztere entwickelt Ziele und Visionen, wohingegen technische Lösungen nur das Werkzeug zur Erreichung dieser Ziele darstellen.

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurden u.a. folgende Punkte erörtert:

  • Können neue und alternative Energieträger wie Ethanol das Dilemma lösen und geht mit diesen eine regionale Wohlstandsverschiebung einher? Wird Brasilien das Saudi-Arabien der Zukunft werden? 
  • Wie können wir die von Herrn Meadows skizzierten negativen Feedback-Schleifen abschwächen? 
  • Wie gehen wir mit den langen Reaktionszeiten der Politik um? Schließlich hat es beim Klimawandel von den ersten wissenschaftlichen Studien in den 80iger Jahren bis zum Umsetzung des Kyoto-Protokolls gut 20 Jahre gedauert. 
  • Was versteht ein Systemforscher wie Dennis Meadows unter einem Kollaps. Hier wurde deutlich, dass im Gegensatz zur europäischen Interpretation eines totalen Zusammenbruchs im anglo-amerikanischen Raum mehr der tiefgreifende Wandel bzw. Umbruch bisheriger Systeme gemeint ist.

Trotz der vielen Probleme ermutigte Dennis Meadows in seinem Abschlussstatement die Diskussionsteilnehmer mit einem Zitat von Herman Daly die Hoffnung nicht aufzugeben. Danach ist es nicht notwendig die gesamte Reise zu kennen, um den ersten Schritt zu unternehmen. Dies trifft nach Meadows Meinung um so mehr zu, da wir keine Vorstellung davon haben wie unsere Gesellschaft in 50 oder 100 Jahren aussieht. Schließlich hätte man zu Zeiten der vorindustriellen Revolution auch keine Konzepte für Gesellschaften des 20. oder 21. Jahrhunderts entwickeln können.

Dieser Dinner Dialog wurde von Ecologic organisiert und durch die Aachener-Stiftung unterstützt.

Weiterführende Links:


Sprecher
Dennis Meadows
Datum
3. April 2006
Ort
Berlin, Deutschland