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Leben auf schmelzendem Eis: die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ureinwohner der Arktis

Leben auf schmelzendem Eis: die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ureinwohner der Arktis

Timeloc
13. Oktober 2004
Berlin
Deutschland

Die Arktis kann als Indikator für den Zustand der globalen Umwelt dienen. Sowohl bei den schwer abbaubaren organischen Verbindungen als auch bei der Erderwärmung sind die Auswirkungen auf die Ureinwohner der Arktis bereits sichtbar - Auswirkungen, die in Zukunft auch in anderen Teilen der Welt spürbar werden. Ein Dinner Dialog mit John Crump hatte die möglichen Auswirkungen und die Reaktion des Arctic Council auf diese Bedrohungen zum Thema. Der Dinner Dialog fand am 13. Oktober 2004 in Berlin statt.

Gastredner

John Crump ist Executive Secretary des Sekretariats für Ureinwohner im Arctic Council. In der Vergangenheit war er als Journalist und als Berater für Nichtregierungsorganisationen und Regierungen tätig. Er beschrieb die Rolle des Arctic Council als ein Forum für den Austausch für gemeinsame politische Aktivitäten der acht Mitgliedsstaaten und der sechs beteiligten Ureinwohnergruppierungen. Der Arctic Council selbst ist ein Ergebnis der veränderten Beziehungen zwischen Ost und West nach dem Ende des kalten Krieges, in einer Weltgegend die Michael Gorbatschow als "Gebiet des Friedens" bezeichnet hatte.

Vortrag von John Crump

Die Ureinwohner der Arktis sind den Auswirkungen der globalen Umweltverschmutzung und des Klimawandels in besonderer Form ausgesetzt, obwohl sie zu beiden Problemen selbst kaum beitragen. Um sich an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen, hat sich die traditionelle Lebensweise der Ureinwohner bereits drastisch verändert, und wird sich in Zukunft noch mehr verändern.
Eine Bedrohung für die Ureinwohner sind die schwer abbaubaren organischen Verbindungen, die sich entlang der Nahrungskette ansammeln. Um dieser Bedrohung zu begegnen, haben die Ureinwohner im Rahmen des Arctic Council einen entscheidenden Einfluss auf die Verabschiedung der Stockholm Convention ausgeübt. In dieser Konvention wurde im Jahr 2001 beschlossen, die zwölf schädlichsten schwer abbaubaren organischen Verbindungen weltweit aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei haben sich die Ureinwohner in den Verhandlungen weniger als Opfer der Industriestaaten dargestellt, sondern als Frühwarnsystem: denn die Auswirkungen auf die Ureinwohner bedrohen auch den Rest der Weltbevölkerung, sie werden nur in der Arktis schneller sichtbar.

Der Arctic Council hat zudem eine der ersten Studien in Auftrag gegeben, die die regionalen Auswirkungen der Erderwärmung untersuchen. Die Studie stellt erhebliche oder sogar katastrophale Folgen für die arktischen Ökosysteme und die Ureinwohner in Aussicht, da die durchschnittliche Temperatur in der Region um bis zu sieben Grad ansteigen könnte.

Dinner Dialog

Die anschließende Diskussion beim Abendessen ging unter anderem darauf ein, dass manche Akteure mit dem Klimawandel in der Arktis sogar positive wirtschaftliche Erwartungen verbinden, da im Zuge der Erwärmung Öl- und Gasreserven erschlossen werden können und Schifffahrtsrouten wie die Nordwestpassage schiffbar werden könnten. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Berechnung der erwarteten Kosten und Nutzen dabei aber nicht auf den reinen wirtschaftlichen Vorteil beschränkt werden kann. Stattdessen müsse auch der Wert einer bedrohten Kultur, der Preis von verlorenen Traditionen, oder die Kosten eines unwiderbringlich zerstörten einmaligen Umwelt berechnet werden.

Der Dinner Dialog von Ecologic wurde mit freundlicher Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung und der kanadischen Botschaft organisiert.


Finanzierung
Veranstalter
Ecologic Institut, Deutschland
Heinrich Böll Stiftung (Böll Stiftung), Deutschland
Sprecher
Datum
13. Oktober 2004
Ort
Berlin, Deutschland
Sprache
Englisch, Deutsch