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Evaluierung der Nachhaltigkeit von urbanen Abwassersystemen: Emscher und Berlin Fallstudien

Projekt

Evaluierung der Nachhaltigkeit von urbanen Abwassersystemen: Emscher und Berlin Fallstudien

Das Projekt hatte die Zielsetzung, eine vergleichende Evaluierung der Entwicklung von urbanen Abwassersystemen vor dem Hintergrund der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) durchzuführen. Eine der Kernfragen war, wie aus einem emissionsorientierten Ansatz ein Ansatz des 'guten ökologischen Gewässerzustands' entwickelt werden kann, der technische, ökonomische und institutionelle Aspekte berücksichtigt. Fünf Fallstudien wurden bearbeitet und auf einer internationalen Konferenz in Mailand diskutiert. Ecologic erstellt zwei dieser Fallstudien: eine zur Emscher Region und eine zu Berlin. Die Stadt Mailand hat unlängst ihr Abwasserentsorgungssystem fertiggestellt. Obwohl das neue System den Anforderungen der EU Kommunalabwasserrichtlinie entspricht, bestehen weiterhin erhebliche Probleme mit stark verschmutzten natürlichen und künstlichen Fließgewässern und Grundwasser. Um die Bemühungen der Stadt, diesen Problemen nachzugehen und die Renaturierung der Gewässer in dem Flussgebiet wieder herzustellen, zu unterstützen, untersuchte die Università Bocconi das Abwassermanagementssystem Mailands im Vergleich zu fünf europäischen Großstädten: Paris, Birmingham, Berlin, Porto und der Emscher Region. Ecologic erstellte die zwei deutschen Fallsstudien und präsentierte diese bei der Mailand Konferenz.

Die Emscher Region – Flussgebietsansatz mit beträchtlichen ökologischen Problemen

Das Flussgebiet der Emscher steht vor großen Herausforderungen, wenn es darum geht, den "guten Zustand" in qualitativer und strukturellen Hinsicht bis 2015 zu erreichen. Die Emscher befindet sich in einem industriellen und dicht besiedelten Gebiet und wird teilweise noch als offene Kanalisation genutzt. 1904 wurde die Emschergenossenschaft gegründet, um die Probleme, die mit der raschen Industrialisierung und der daraus resultierenden Übernutzung und Verschmutzung der Wasserressourcen entstanden sind, zu managen. Mitglieder der Genossenschaft sind Vertreter von Kommunen, Industrie und dem Bergbausektor in der Region; die Emscher wird somit schon seit über 100 Jahren entsprechend eines multi-stakeholder und flussgebietsorientierten Ansatz bewirtschaftet. Seit 1990 wird ein umfangreiches Projekt zur Sanierung der Emscher und ihrer Nebenflüsse durchgeführt. Dieses Projekt umfasst den Bau eines dezentralen Abwassersystems sowie die Renaturierung der Gewässer und ist somit ein wichtiges Element zur Umsetzung der WRRL im Flussgebiet Emscher. Das Flussgebiet wird allerdings trotzdem vor immensen Herausforderungen stehen, um den "guten Zustand" bzw. das "gute Potential" bis 2015 zu erreichen.

Berlin – Von einer "Inselperspektive" zu einem Flussgebietsansatz

Ein großer Anteil der Berliner Gewässer, Teil des Koordinierungsraum Havel, wird als künstlich oder stark verändert eingestuft. Die meisten Oberflächen- und Grundwasserkörper werden höchstwahrscheinlich die Ziele der WRRL nicht erreichen. Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich West-Berlin zu einer fast eigenständigen Insel, zumindest was die Wasserversorgung und -bewirtschaftung betraf. Erst nach der Wende wurde die Planung auf die ganze Stadt erweitert und schließlich die Wasserverschmutzung aus Gebieten außerhalb Berlins einbezogen. Zuständig für die Wasserver- und Abwasserentsorgung Berlins sind die Berliner Wasserbetriebe, die 1999 als Anstalt öffentlichen Rechts teilprivatisiert wurde. Das Land Berlin muss jedoch weiterhin in Belange der Wasserversorgungd und Abwasserbeseitigung involviert werden. Obwohl die Kläranlagen die Anforderungen der Kommunalabwasserrichtlinie erfüllen, gibt es noch Probleme mit Verunreinigungen aus dem Abwassersystem, insbesondere durch Regenwasserüberläufe. Das Abwasser wird entweder getrennt (75% der Fläche) oder in einem Mischsystem (hauptsächlich im Zentrum Berlins) gesammelt. Beide Systeme haben starke Auswirkungen auf die Gewässer: das Regenwasser bzw. das gemischte Abwasser (bei starkem Gewitter und Überlauf) werden systematisch in das nächstgelegene Gewässer eingeleitet, was zu signifikanten Belastungen führt. Außerdem kommt es durch diffuse Quellen wie den Bergbau in der Lausitz zu erheblichen Belastungen. Diese Problematik kann nicht Berlin allein nicht lösen, sondern nur in Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Brandenburg.

Die Ergebnisse der Fallstudien wurden am 4. Mai 2006 auf einer Konferenz in Mailand vorgestellt und diskutiert.


Finanzierung
Partner
Universität Leipzig, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Stiftungsprofessur Umwelttechnik und Umweltmanagement, Deutschland
Ecologic Institut, Deutschland
Projektdauer
Februar 2006 bis Mai 2006
Projektnummer
201-12
Schlüsselwörter
Wasser, Wasserrahmenrichtlinie, Abwasser, Kläranlage, Abwassersystem, nachhaltige Bewirtschaftung, ökonomische Analyse, Europa, Deutschland, Emscher Region, Berlin