Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay, Abbildung des Kommentars: Nature Reviews Biodiversity (Springer Nature), 2026
Implementation of the EU Nature Restoration Regulation Requires a Shift from Restoration Targets to Restoration Landscapes
- Publikation
- Zitiervorschlag
Hering, D., Kupilas, B. & Schinegger, R. Implementation of the EU Nature Restoration Regulation requires a shift from restoration targets to restoration landscapes. Nat. Rev. Biodivers. (2026). https://doi.org/10.1038/s44358-026-00186-6
Mit der EU Nature Restoration Regulation (NRR) hat die Europäische Union erstmals rechtsverbindliche Ziele für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme verabschiedet. Bis 2030 sollen mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen der EU renaturiert werden, langfristig sollen alle Ökosysteme mit Wiederherstellungsbedarf einbezogen werden. Ein aktueller Kommentar in Nature Reviews Biodiversity macht jedoch deutlich, dass der Erfolg der Verordnung nicht allein von den festgelegten Zielen abhängen wird. Entscheidend ist vielmehr, wie Renaturierungsmaßnahmen künftig geplant und umgesetzt werden.
Renaturierung muss ganze Landschaften in den Blick nehmen
Die Autorinnen und Autoren plädieren für einen grundlegenden Perspektivwechsel: Statt einzelne Renaturierungsprojekte isoliert zu betrachten, sollten zusammenhängende „Restoration Landscapes“ im Mittelpunkt stehen. Ökologische Prozesse orientieren sich nicht an Verwaltungsgrenzen oder Projektflächen. Flüsse, Moore, Wälder und Agrarlandschaften sind funktional miteinander vernetzt und beeinflussen sich gegenseitig. Eine räumlich koordinierte Planung kann daher die Wirksamkeit von Renaturierungsmaßnahmen deutlich erhöhen und Zielkonflikte zwischen Naturschutz, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Infrastruktur frühzeitig berücksichtigen.
Governance und Finanzierung werden zum Schlüsselfaktor
Nach Auffassung der Forschenden stellt die Umsetzung der Verordnung weniger eine ökologische als vielmehr eine organisatorische Herausforderung dar. Erfolgreiche Renaturierung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden verschiedener Verwaltungsebenen, langfristige Finanzierungsmodelle sowie die Einbindung von Landnutzenden und weiteren gesellschaftlichen Akteuren. Da viele Maßnahmen über Jahrzehnte wirken und häufig private Flächen betreffen, reichen kurzfristige Projektförderungen allein nicht aus. Nur wenn Planung, Finanzierung und Beteiligung dauerhaft miteinander verknüpft werden, können großräumige Wiederherstellungsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt werden.
Ein neuer Orientierungsrahmen für Europas Renaturierungspolitik
Der Beitrag liefert keine neuen experimentellen Ergebnisse, sondern ordnet die Umsetzung der Nature Restoration Regulation wissenschaftlich ein und entwickelt einen konzeptionellen Rahmen für die Praxis. Die Autorinnen und Autoren argumentieren, dass die Verordnung einen Wandel von einer projektbezogenen zu einer landschaftsweiten Renaturierungsplanung erfordert. Gelingt dieser Perspektivwechsel, könnte die europäische Renaturierungspolitik nicht nur Biodiversität und Ökosystemleistungen stärken, sondern auch Beiträge zum Klimaschutz, zur Klimaanpassung sowie zum Hochwasser- und Wassermanagement leisten.