Wie lässt sich Nachhaltigkeit dauerhaft in der Ausbildung von Ärztinnen, Ärzten und pharmazeutischem Fachpersonal verankern? Dieser Frage geht ein Fachartikel im International Journal of Sustainability in Higher Education am Beispiel Deutschlands nach. Die Autorinnen und Autoren zeigen auf, welche strukturellen Hürden einer stärkeren Berücksichtigung von Nachhaltigkeit bislang entgegenstehen, und legen eine politische Roadmap für Hochschulstudium, Ausbildung und berufliche Fortbildung vor.
Obwohl Medikamente unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung sind, werden ihre Umweltauswirkungen bislang nur selten bei der Verordnung oder Abgabe berücksichtigt. Ein Forschungsteam hat deshalb ein Konzept für einen „Environmental Pharmaceutical Index“ (EPI) entwickelt, das Umweltinformationen systematisch in medizinische und pharmazeutische Entscheidungen integrieren soll. Ziel ist es, therapeutisch gleichwertige Arzneimittel mit geringeren Umweltwirkungen bevorzugt einzusetzen, ohne die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu beeinträchtigen.
Der Policy Brief leitet daraus konkrete Empfehlungen für eine wirksamere Umsetzung der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 ab. Dazu gehören die Aktualisierung der EFSA-Leitlinien und der Datenanforderungen gemäß den Verordnungen (EU) Nr. 283/2013 und 284/2013, die stärkere Einbeziehung empfindlicher Arten und Endpunkte, verbesserte Bewertungen von Pestizidmischungen und ihres Umweltverhaltens sowie die bessere Berücksichtigung nicht ernährungsbedingter Expositionen und vulnerabler Lebensphasen in regulatorischen Prüfverfahren. Viele dieser Verbesserungen könnten innerhalb des bestehenden EU-Zulassungsrahmens umgesetzt werden.
Die Europäische Kommission verfolgt mit dem vorgeschlagenen Omnibus Simplification Package das Ziel, Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel zu vereinfachen und regulatorische Belastungen innerhalb der Europäischen Union zu reduzieren. Ein im Fachjournal Science veröffentlichtes Policy Forum warnt jedoch davor, dass die vorgeschlagenen Änderungen zentrale Elemente der bestehenden Umweltrisikobewertung schwächen und dadurch Risiken für Biodiversität, Umwelt und menschliche Gesundheit erhöhen könnten. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren weist der aktuelle europäische Rechtsrahmen bereits erhebliche Defizite auf.
Researchers at Ecologic Institute have developed a new tool to help governments to produce socially just climate adaptation strategies. The Just2Adapt tool allows the user to analyse the justice dimensions of Heat Action Plans at the strategic level as well as at the level of individual measures. It is important that heat adaptation strategies integrate social justice considerations because of the unequal way in which the heat-health effects of climate change are distributed across the population.
In der Verschreibung und Abgabe von Arzneimitteln spielen bislang vor allem ihre Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Eine aktuelle Machbarkeitsstudie zeigt nun, wie künftig auch Umweltinformationen systematisch in diese Entscheidungsprozesse einbezogen werden könnten. Im Mittelpunkt steht das Konzept eines „Arzneimittelindex Umwelt“ für Deutschland, der ökologische Informationen zu Wirkstoffen standardisiert bereitstellen und für die medizinische Praxis nutzbar machen soll.
Die Publikation dokumentiert die im Projekt entstandenen Informations- und Lehrmaterialien für Medizin, Pharmazie und Gesundheitskommunikation. Ziel des Projekts war es, den Eintrag von Arzneistoffen in die Umwelt zu verringern und Umweltwissen stärker in Ausbildung, Lehre und Praxis zu verankern. Entstanden sind frei verfügbare Materialien für Hochschulen, Berufsschulen, Fortbildungen, Apotheken und die interessierte Öffentlichkeit. Ergänzend wurde ein Onlineportal aufgebaut, das wissenschaftliche Hintergründe, Infografiken und Unterrichtsmaterialien bündelt.
Die planetare Dreifachkrise ist eine systemische Herausforderung und nicht die Summe dreier isolierter Problemlagen: Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Verschmutzung verstärken sich gegenseitig durch gemeinsame Treiber und Rückkopplungen und gefährden sowohl planetare als auch menschliche Lebensgrundlagen. Sie wird angetrieben durch die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, nicht nachhaltige Produktions- und Konsummuster, die Übernutzung von Land und natürlichen Ressourcen sowie durch strukturelle Ungleichheiten. Sieben der neun planetaren Belastungsgrenzen sind bereits überschritten, wodurch Ökosysteme an Kipppunkte geraten. Gleichzeitig verstärken sektorale Dynamiken – etwa der Energiesektor mit hohen Treibhausgasemissionen, Landdegradation und Schadstoffeinträgen; die Landwirtschaft mit Plastik- und Nährstoffverschmutzung, Biodiversitätsverlust und Klimawirkungen; sowie der Bausektor mit hohem Land-, Material- und Energiebedarf und entsprechenden Emissionen und Lebensraumverlusten – den Druck auf Umwelt und Gesellschaft. Die Auswirkungen sind ungleich verteilt: Indigene Gemeinschaften, einkommensarme Bevölkerungsgruppen und Länder, Frauen und Jugendliche tragen die größten Belastungen, verfügen jedoch über die geringsten Entscheidungsbefugnisse und Ressourcen zur Anpassung.
Dieses Fact sheet fasst die zentralen Inhalte der Publikation von Burgos Cuevas et al. (2025): Moving from interconnected crises to systemic solutions. Resource efficiency, nature-based solutions, and systemic transformation as responses to the complexity of the triple planetary crisis. Interim report, Climate Change 83/2025. Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau. https://doi.org/10.60810/openumwelt-8108 zusammen.
Diese lösungsorientierte Infografik stellt naturbasierte Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) als systemische Antworten auf die dreifache planetare Krise vor. Sie veranschaulicht, wie Maßnahmen wie die Wiederherstellung von Feuchtgebieten, der Schutz von Mangroven oder grüne Infrastrukturen im urbanen Raum gleichzeitig dem Klimawandel, dem Verlust der biologischen Vielfalt und der Umweltverschmutzung entgegenwirken können und dabei zusätzliche Vorteile für Gesundheit, Resilienz und Lebensgrundlagen schaffen.
Pharmazeutische Wirkstoffe aus Cremes und Gels können ins Abwasser gelangen, wenn sie nach der Anwendung abgewaschen werden. Dies lässt sich jedoch verringern, indem man die Hände zunächst mit einem Papiertuch abwischt, dieses im Hausmüll entsorgt und erst dann die Hände wäscht.
Die Online-Plattform "Humanarzneimittel und Umwelt" des Umweltbundesamtes informiert über die Umweltauswirkungen von Humanarzneimitteln und gibt Empfehlungen für einen umweltbewussten Umgang. Ziel ist es, die Freisetzung von Arzneimittelrückständen in die Umwelt zu minimieren und so Gewässer und Böden zu schützen.
Kemper, Melanie 2025: Verbreitung von Informations- und Lehrmaterialien für einen umweltbewussten Umgang mit Humanarzneimitteln - Konzept und Plan für eine Kampagne. Ecologic Institut, Berlin. Unveröffentlicht.
Arzneistoffe in der Umwelt sind ein wachsendes Problem. Das UBA-Internetportal "Humanarzneimittel und Umwelt" bietet frei verfügbare, wissenschaftlich geprüfte Lehrmaterialien für medizinische und pharmazeutische Lehrpersonen an. Mit dem Basisfoliensatz und den Begleittexten kann das Thema trotz enger Lehrpläne umfassend und praxisnah vermittelt werden.
Flüssige Arzneimittelreste werden häufiger falsch über das Abwasser entsorgt als feste. Deshalb wurde zu diesem Thema eine deutschsprachige Postkarte in DIN A6 (10 x 15 cm) entwickelt, die der Kundschaft bei Abgabe von flüssigen Medikamenten in der Apotheke mitgegeben werden kann.
Die Apotheke ist ein naheliegender Ort für Gespräche über Arzneimittel und deren Wirkung auf Mensch und Umwelt sowie über die Entsorgung von Altmedikamenten. Das Infopaket für Apotheken bietet dem Apothekenpersonal vertiefte Hintergrundinformationen für solche Gespräche.