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Potentiale und Kernergebnisse der Simulationen von Ressourcenschonung(spolitik)

| UBA TEXTE 48/2018
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Potentiale und Kernergebnisse der Simulationen von Ressourcenschonung(spolitik)

Endbericht des Projekts Sim-Ress

Publikation
Zitiervorschlag

Martin Hirschnitz-Garbers et. al., 2018: Potentiale und Kernergebnisse der Simulationen von Ressourcenschonung(spolitik). Endbericht des Projekts "Modelle, Potentiale und Langfristszenarien für Ressourceneffizienz" (Sim-Ress). UBA Texte 48/2018. Umweltbundesamt: Dessau-Roßlau.

Im Projekt SimRess wurden die potentiellen Auswirkungen zukünftiger ressourcenpolitisch relevanter Entwicklungen und Strategien auf wichtige Umwelt- und Wirtschaftsindikatoren getestet. Die Studie fasst die wichtigsten Projektergebnisse des Projekts "Modelle, Potenziale und langfristige Szenarien zur Ressourceneffizienz" zusammen und steht als Download zur Verfügung.

Mittels einer Trendanalyse wurden zunächst Entwicklungen identifiziert, die zukünftig positiv wie negativ Einfluss auf die Nutzung natürlich Ressourcen in Deutschland und global nehmen könnten. Diese Entwicklungen wurden dann in unterschiedliche Szenarien eingebettet, die als Rahmen für die Simulation potentieller Auswirkungen im ökonometrischen Modell GINFORS3 und im systemdynamischen Modell WORLD6 sowie in einem soft-link beider Modelle dienten.

Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Ressourcennutzung des Menschen stark erhöht: allein in den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich der Verbrauch auf über 80 Mrd. t nahezu vervierfacht. Der pro Kopf Verbrauch in Deutschland liegt nach unterschiedlichen Abschätzungen bei rund 16t bis 24t Primärrohstoff/Jahr und damit weit über einem global übertragbaren Maß angesichts planetarer Grenzen und von globaler Verteilungsgerechtigkeit.

Eine Reihe globaler Megatrends wird in den kommenden Jahrzehnten den Ressourcenverbrauch weiter steigern. Dazu zählen vor allem die Bevölkerungszunahme und die Übernahme westlicher Konsum- und Lebensmodelle in Schwellenländern. Andere Trends – wie Urbanisierung oder weitere Digitalisierung und Vernetzung – können sich positiv oder negativ auf den Ressourcenverbrauch auswirken. Insgesamt muss man jedoch davon ausgehen, dass zukünftig die Ressourceninanspruchnahme weiter deutlich ansteigt: UNEP schätzt, dass im Jahr 2050 die dann rund 10 Mrd. Menschen bis zu ca. 186 Mrd. t Mineralien, Erze, fossile Brennstoffe und Biomasse verbrauchen. Damit gehen auf globaler Ebene deutliche Risiken für Umweltauswirkungen einher, die bestehende planetare Grenzen entweder bereits überschreiten oder zu überschreiten drohen.

Mit der wirtschaftlichen Verflechtung sowie ein- und ausgehenden Waren- bzw. Stoffströmen fällt ein großer Teil des deutschen Ressourcenverbrauchs in anderen Ländern an. Die "indirekten Materialströme" der Einfuhren – und damit die Umweltwirkungen, die mit diesen Entnahmen im Ausland verbunden sind – sind (noch) nicht in allen in der politischen Diskussion relevanten Indikatoren mit enthalten. Und selbst wenn über das Monitoring der Indikatoren Effizienzfortschritte erkennbar sind, so können Rebound-Effekte deren Nutzen für die Umwelt aufzehren.

Diese Komplexitäten sowie die Vielzahl ressourcenrelevanter Akteure und Aktivitäten in Multi-Akteur- und Mehrebenensystemen machen Ressourcenschonungspolitik zu einem vielschichtigen und hochgradig vernetzten Politikfeld mit vielfältigen Querverbindungen in andere Politikbereiche. Weiterhin weist Ressourcenschonungspolitik unterschiedliche Begründungsperspektiven auf, die von der Sicherung eines dauerhaften nachhaltigen Zugangs zu Ressourcen über die Steigerung der Ressourceneffizienz von Prozessen und Produkten, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen und Abhängigkeiten von potentiell knappen Ressourcen bzw. Importen zu reduzieren bis hin zur Wahrung bestehender Tragfähigkeiten sozial-ökologischer Systeme und Einhaltung planetarer Grenzen reicht.

Damit ist nur die Entnahme vielfältiger natürlicher Ressourcen als Input für Produktions- und Entwicklungsprozesse sowie für assoziierte Infrastrukturen Gegenstand von Ressourcenschonungspolitik, sondern auch die Inanspruchnahme von Umweltraum für die Entsorgung und Absorption unerwünschter bzw. nicht mehr benötigter Stoffströme (Emissionen, Abfälle).

Kontakt

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Sprache
Deutsch
Autorenschaft
Martin Distelkamp (Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS))
Deniz Koca (Lund University)
Mark Meyer (Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS))
Harald Sverdrup (Iceland University)
Finanzierung
Veröffentlicht in
TEXTE 48/2018
Verlag
Jahr
Umfang
85 S.
ISSN
1862- 4359
Projekt
Projekt-ID
Inhaltsverzeichnis
Schlüsselwörter
Ressourcenpolitik, Ressourceninanspruchnahme, Verfügbarkeiten
ökonometrische Modellierung, systemische Modellierung, Tendanalyse, Szenarien