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Environmental Pharmaceutical Index – a practical information, classification and dissemination system for medication in Germany

Photo: Canva.com, Cover: Elsevier, 2026

Environmental Pharmaceutical Index – a practical information, classification and dissemination system for medication in Germany

Publikation
Zitiervorschlag

Woitaske-Proske, C., Hein, A., Vidaurre, R., Heni, Y., Peifer, C., Gassner, U., & Maack, G. (2026). Environmental Pharmaceutical Index – a practical information, classification and dissemination system for medication in Germany. Sustainable Chemistry and Pharmacy, 52, 102439. https://doi.org/10.1016/j.scp.2026.102439

Arzneimittelrückstände gelangen weltweit über Ausscheidungen oder unsachgemäße Entsorgung in Gewässer und können dort Ökosysteme sowie langfristig auch die Trinkwasserqualität beeinträchtigen. Obwohl Medikamente unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung sind, werden ihre Umweltauswirkungen bislang nur selten bei der Verordnung oder Abgabe berücksichtigt. Ein Forschungsteam hat deshalb ein Konzept für einen „Environmental Pharmaceutical Index“ (EPI) entwickelt, das Umweltinformationen systematisch in medizinische und pharmazeutische Entscheidungen integrieren soll. Ziel ist es, therapeutisch gleichwertige Arzneimittel mit geringeren Umweltwirkungen bevorzugt einzusetzen, ohne die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu beeinträchtigen.

Ampelsystem erleichtert den Vergleich von Wirkstoffen

Kern des vorgeschlagenen Systems ist eine leicht verständliche Umweltklassifizierung für Arzneimittelwirkstoffe. Aufbauend auf den Ergebnissen der Umwelt-Risikobewertung (Environmental Risk Assessment, ERA) schlagen die Autorinnen und Autoren ein Ampelsystem vor: Rot kennzeichnet Wirkstoffe mit hohem Umweltrisiko oder besonders problematischen Eigenschaften, Gelb weist auf potenzielle Risiken hin, Grün steht für Wirkstoffe mit geringem Risiko, während Grau fehlende Bewertungsdaten signalisiert. Die Umweltinformationen sollen in einer zentralen Datenbank des Umweltbundesamtes bereitgestellt und anschließend in Arzt- und Apothekensoftware, Leitlinien sowie weitere Informationssysteme integriert werden. Dadurch könnten Umweltaspekte bereits bei der Auswahl eines geeigneten Arzneimittels berücksichtigt werden.

Internationale Erfahrungen dienen als Vorbild

Für die Entwicklung des Konzepts analysierte das Forschungsteam bestehende Modelle aus Schweden, Finnland und Schottland. Ergänzend wurden Literaturauswertungen, qualitative Interviews mit internationalen und deutschen Fachleuten sowie Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus Medizin, Pharmazie, Behörden, Krankenkassen und Wissenschaft durchgeführt. Die Untersuchungen zeigen, dass Umweltinformationen dann besonders wirksam sind, wenn sie direkt in bestehende Entscheidungsprozesse integriert werden und nicht separat recherchiert werden müssen. Als Vorbild gilt insbesondere die schwedische „Wise List“, deren Empfehlungen von Ärztinnen und Ärzten in hohem Maße berücksichtigt werden.

Umweltaspekte sollen Versorgung ergänzen – nicht ersetzen

Nach Einschätzung der Forschenden soll die Umweltklassifizierung ausschließlich dort zum Einsatz kommen, wo mehrere therapeutisch gleichwertige Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Die medizinische Wirksamkeit und Patientensicherheit behalten dabei stets Vorrang. Langfristig sehen die Autorinnen und Autoren Potenzial, Umweltinformationen zusätzlich in Therapieempfehlungen, Erstattungsregelungen, Rabattverträge der Krankenkassen und Zulassungsverfahren einzubinden. Begleitende Informationskampagnen sowie die Verankerung des Themas in der Aus- und Weiterbildung medizinischer Berufe könnten die Akzeptanz und Wirksamkeit des Systems weiter erhöhen.

Das Projekt „Arzneimittelindex Umwelt – Machbarkeitsstudie zur Etablierung eines pharmazeutischen Umweltinformations- und -klassifikationssystems in Deutschland“ wurde von Forschenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, des Umweltbundesamtes, des Ecologic Instituts und der Universität Augsburg durchgeführt. Das Projekt wurde vom Umweltbundesamt (UBA) gefördert und entwickelte einen Vorschlag für ein bundesweites Informations-, Klassifikations- und Verbreitungssystem, das Umweltaspekte künftig stärker in die Arzneimittelversorgung integrieren soll.

Ein standardisierter Umweltindex für Arzneimittel könnte Umweltinformationen künftig direkt in Verschreibungs- und Abgabeprozesse integrieren und so bei gleicher therapeutischer Wirksamkeit umweltverträglichere Behandlungsoptionen fördern.

Kontakt

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Sprache
Englisch
Autorenschaft
Yannick Heni
Clemens Woitaske-Proske (CAU)
Arne Hein (UBA)
Christian Peifer (CAU)
Ulrich Gassner (uniA)
Gerd Maack (UBA)
Finanzierung
Veröffentlicht in
Sustainable Chemistry and Pharmacy
Verlag
Jahr
ISSN
2352-5541
DOI
Projekt
Projekt-ID
Inhaltsverzeichnis
Schlüsselwörter
Pharmazeutika in der Umwelt, nachhaltige Apotheke, nachhaltige Verschreibung, Umweltklassifizierungssystem, Arzneimittel in der Umwelt, Umweltpharmakologie, Umwelt-Risikobewertung, Arzneimittelrückstände, Gewässerschutz, Nachhaltige Gesundheitsversorgung, Umweltklassifizierung von Arzneimitteln
Deutschland
Scoping Review, Literaturrecherche, qualitative Interviews, Stakeholderanalyse, Machbarkeitsstudie, Konzeptentwicklung, Environmental Risk Assessment (ERA)