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#FromVisionToAction! – Berliner Grüne diskutieren Klimaneutralität und Minderungsmaßnahmen

#FromVisionToAction! – Berliner Grüne diskutieren Klimaneutralität und Minderungsmaßnahmen

TimeLoc
30. November 2019
Berlin
Deutschland
Um Klimaneutralität zu erreichen, brauchen wir einen grundlegenden Wandel und das Engagement sowohl der Politik als auch der Zivilgesellschaft.

Geleitet von der Vision einer klimaneutralen Gesellschaft diskutierten grüne Aktivisten aus den Berliner Bezirken auf der Konferenz "#FromVisionToAction!" über lokalen Klimaschutz. In ihrem einleitenden Vortrag erläuterte Dr. Camilla Bausch die aktuellen weltpolitischen Trends sowie die Bedeutung von Klimaneutralität. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten sie und Regine Günther (Berliner Senatorin), Sascha Müller-Kraenner (DUH) sowie Clara Herrmann (Bezirksstadträtin) über lokale Handlungsoptionen.

In ihrem Vortrag ging Camilla Bausch zunächst auf das Ziel des Pariser Klimaübereinkommens (PA) ein, "den Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau [zu halten] und Anstrengungen [zu unternehmen], um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C … zu begrenzen" (Art. 2 PA). Um dieses Ziel zu erreichen, strebt das PA an, "in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen den anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen aus Quellen und dem Abbau solcher Gase durch Senken" zu erreichen (Art. 4 PA). Diese Zielsetzung verlangt ambitionierte Maßnahmen.

Im vergangenen Jahr haben WissenschaftlerInnen und politische Entscheidungsträger häufig auf die Notwendigkeit einer langfristigen Klimaneutralität hingewiesen. 92% der EuropäerInnen wollen Klimaneutralität bis 2050. Die deutsche Fridays for Future-Bewegung hat ein klimaneutrales Deutschland bis 2035. Das deutsche Klimaschutzgesetz verankert Klimaneutralität bis 2050. Vereinfacht ausgedrückt stellt der IPCC fest, dass der Grenzwert von 1,5 °C nur dann eingehalten werden kann, wenn Netto-Null-Emissionen in weniger als 15 Jahren erreicht werden. Diese Hypothese setzt dabei ein optimistisches Szenario mit Blick auf die Risiken möglicher Kipppunkte voraus. Klar ist jedenfalls: Je später gehandelt wird, desto schwieriger sind die Herausforderungen und erforderlichen Maßnahmen.

Die Wissenschaft hat analysiert, dass Klimaneutralität zu erreichen ist, wenn der Energieverbrauch gesenkt, Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernt (CDR) und weniger Energie verbraucht wird, wenn der Stromsektor und Brennstoffe dekarbonisiert und Emissionen aus der Landwirtschaft reduziert werden. Zudem braucht es, einen hohen CO2-Preis und eine klimafreundliche Investitionskultur. Doch trotz des politischen Rückenwinds und der wissenschaftlichen Erkenntnisse heißt es im jüngsten UNEP-Gap-Bericht: "Wenn wir uns nur auf die aktuellen Klimaverpflichtungen des Pariser Abkommens verlassen, ist in diesem Jahrhundert ein Anstieg der Temperaturen auf 3,2 °C zu erwarten. Die Temperaturen sind bereits um 1,1 °C gestiegen und haben Familien, Häuser und Gemeinden verwüstet". Einige Schlüsselakteure, wie der US-Präsident, sprechen sich sogar offen gegen angemessene Klimaschutzmaßnahmen aus.

Angesichts dessen haben das Europäische Parlament sowie viele Städte (z. B. London, Basel, Los Angeles und Köln) und Bezirke (z. B. Pankow und Potsdam) nun den "Klimanotstand" ausgerufen. Die Zivilgesellschaft hat eine beispiellose Präsenz auf den Straßen gezeigt, die – auch in Berlin – mutigeres Handeln fordert, während die Politik zunehmend die Bedeutung nichtstaatlicher Akteure für die Erreichung der Klimaschutzziele anerkennt.

Ein weiteres ermutigendes Zeichen ist die Agenda der neuen EU-Präsidentschaft mit dem europäischen Grünen Deal. Auch wenn sich dieses politische Groß-Vorhaben derzeit noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet, weist der Deal auf Ehrgeiz und Handlungswillen unter einer verbesserten Governance hin. Der europäischer Grüne Deal hat das Potenzial, den klimafreundlichen Wandel zu beschleunigen und Impulse für die Transformation etwa des Finanzsystems zu geben.

Berlin kann eine wichtige Rolle spielen, indem es zum Klimaschutz beiträgt und Beispiel für andere Städte ist – z. B. im Rahmen seiner bestehenden Städtepartnerschaften und -netzwerke. Berlin kann auch ein Ort des Experimentierens mit innovativen Ansätzen sein. Der Weg zur Klimaneutralität erfordert einen systemischen und kulturellen Wandel und die Beteiligung aller gesellschaftlichen Akteure. Die vielen Berliner Akteure, die auf lokaler Ebene auf Veränderungen drängen, teilen die Erfahrung der damit verbundenen Herausforderungen und Hürden. Dennoch gibt bereits viele vielversprechende Beispiele und Initiativen. Die zivilgesellschaftliche Bereitschaft zum Engagement braucht dabei auch institutionelle Unterstützung durch den Berliner Senat, um Ambitionen und Maßnahmen zu ermöglichen, zu stärken und zu verbreiten.

Nachdem Dr. Camilla Bausch beispielhaft einige Aktionen in den Berliner Bezirken genannt hatte, folgte eine lebhafte Podiumsdiskussion. Auf dem Podium saßen neben Dr. Camilla Bausch auch Regine Günther (Senatorin für Umwelt, Mobilität und Klimaschutz von Bündnis 90/die Grünen), Sascha Müller-Kraenner (Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe) und Clara Herrmann (Bezirksstadträtin für Finanzen, Umwelt, Kultur und Bildung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg). Moderiert wurde das Panel von Sabine Drewes (Leiterin der Abteilung Kommunalpolitik & Stadtentwicklung der Heinrich-Böll-Stiftung).

In verschiedenen Workshops und Diskussionsrunden wurden auf der Konferenz auch Themen wie Ernährungssysteme, Digitalisierung, Energiewende, Bausektor, Mobilität und Transformation der Städte beleuchtet. Die Konferenz "#FromVisionToAction!" wurde von Bündnis 90/Die Grünen organisiert.