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Delegation aus Ecuador präsentiert Initiative zum Schutz von Biodiversität und Klima

Delegation aus Ecuador präsentiert Initiative zum Schutz von Biodiversität und Klima

TimeLoc
26. Mai 2011
Berlin
Deutschland

Ecuador will zum Schutz von unberührtem Regenwald im Yasuni Nationalpark auf Ölförderung und damit auf Einnahmen in Milliardenhöhe verzichten. Am 26. Mai präsentierte eine ecuadorianische Delegation am Ecologic Institut die Yasuni-ITT-Initiative Ecuadors.

Jorge Jurado, Botschafter von Ecuador in Deutschland, und Ivonne Baki, Verhandlungsführerin Ecuadors für die Yasuni-ITT-Intiative, präsentierten am Ecologic Institut Ecuadors Vorschlag zum Klima- und Biodiversitätsschutz.

Dr. Camilla Bausch, Senior Fellow des Ecologic Instituts, begrüßte die hochrangige Delegation sowie weitere angesehene Diskussionsteilnehmer, während Loni Gardner, Transatlantic Fellow des Ecologic Instituts, die anschließende Diskussion moderierte.

Die Veranstaltung bot den Teilnehmern die Gelegenheit sich über Ecuadors Vorschlag, auf Öleinnahmen in Höhe von sieben Milliarden Dollar zu verzichten, um die katastrophalen Auswirkungen der Ölgewinnung auf einer 200.000 ha großen Landfläche unberührten Regenwaldes im Yasuni Nationalpark zu vermeiden, zu informieren und ihn zu diskutieren.

Die Delegation betonte, dass Zuwendungen von internationalen Partnern wie Deutschland erforderlich sind, um das Ziel dieser Initiative zu realisieren. Podiumsteilnehmerin Ute Koczy, Mitglied des Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen und Jürgen Maier, Direktor des Forums Umwelt und Entwicklung, stellten die deutsche Perspektive auf die Initiative dar. Der ecuadorianische Ökonom Carlos Carlos Larrea erklärte die technischen Details des Vorschlags. Bisrat Aklilu, Exekutiv-Koordinator des UNDP Multi Donor Trust Fund Office, erklärte wie sein Amt den Yasuni-ITT-Initiative-Fonds verwalten soll und erklärte den Finanzierungsmechanismus.

Die Yasuni-ITT-Initiative schlägt vor, ungefähr 846 Millionen Barrel Öl, die unter den im Park befindlichen ITT-Ölfeldern liegen, permanent unter der Erde zu lassen. Sollte das Öl gewonnen und verbrannt werden, führte dies zu 407 Millionen Tonnen CO2-Emissionen samt der einhergehenden Entwaldung, die schätzungsweise in 800 Millionen Tonne C02 resultierte. Der Verzicht auf die Ölgewinnung der ITT-Felder würde allerdings zu einem Verlust von Öleinnahmen in der Höhe von ungefähr fünf Milliarden Dollar führen.

Die Veranstaltung bot den Teilnehmern die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Ecuadors innovativen Vorschlag zu diskutieren, der für einen Zeitraum von 13 Jahren nach 3,6 Milliarden Dollar Zuwendung von internationalen Partnern und Spendern sucht. Im Gegenzug wird das Land Garantiezertifikate ausstellen, die versprechen, das Öl permanent unter der Erde in den ITT-Feldern zu behalten. Für den Fall, dass das Land sich dafür entscheidet, die ITT-Ölfeldern in der Zukunft zu nutzen, würden die Zertifikatsinhaber erstattet werden.

Herr Aklilu erklärte, dass die gewonnenen Finanzmittel vom UNDP verwalten werden und dafür angewendet werden, Projekte zu erneuerbaren Energien in Ecuador zu finanzieren und Aufforstung- und Schutzprogramme zu finanzieren sowie soziale Entwicklung (Bildung, Gesundheit, Ausbildung, technische Hilfe  und Arbeitsbeschaffung in nachhaltigen Aktivitäten) zu fördern. Herr Larrea fügte hinzu, dass das Land versucht sein Energie-Portfolio durch die Investitionen in erneuerbare Energien zu diversifizieren und Ecuador auf den Weg hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu bringen.

Herr Maier und Frau Koczy ergänzten die Diskussion mit einer deutschen Perspektive. Frau Koczy erklärte, dass Parlamentsmitglieder, die sich letzten Herbst bereit erklärten, die Initiative zu unterstützen, erneut überzeugt werden müssten, nachdem Deutschlands Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Förderung für die Initiative letzten Herbst ablehnte. Frau Koczy glaubt, dass generelle Unterstützung unter den Parlamentären fortbesteht, da viele von ihnen stark an die Initiative glauben. Herr Maier, der die resultierende Naturerhaltung und soziale Entwicklung der Initiative unterstützt, glaubt, dass der Schutz der Biodiversität ein zwingender Grund wäre, internationale Partnerschaften und Beiträge zu sammeln. Er würde es vorziehen, die Initiative nicht mit verlorenen Öleinnahmen in Verbindung zu bringen. Dies könne zu Ansprüchen anderer Nationen führen, die ihre Kohle oder ihr Öl unter der Erde lassen. Es wäre schwierig, solche Ansprüche abzulehnen.

Andere Zuschauer äußerten Bedenken über den Erstattungsmechanismus, sollte das Land seine Meinung später einmal ändern und die ITT-Ölfelder in Zukunft doch abbauen. Als Antwort erklärte Frau Koczy, dass die zukünftige Regierung mehrere Hürden überwinden müsste, um das Öl zu gewinnen. Dazu gehören die Tatsache, dass mehr als 78% der Bevölkerung will, dass diese Gegend permanent unter Schutz steht, und dass eine Zweidrittelmehrheit im Kongress nötig wäre, um die Gewinnung politisch zu genehmigen. Dies führte jedoch zu einer Diskussion, ob die Ölgewinnung ohnehin nicht politisch unmöglich wäre – mit oder ohne internationale Finanzierung.

Der Yasuni-Nationalpark befindet sich am westlichen Rand des Amazonas, eingebettet neben den Anden, und bietet eine unglaubliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Er ist einer der artenreichsten Orte der Erde. Hunderte von Vogel-, Reptilien- und Amphibienarten, Tausende von Pflanzenarten und zwei einheimische Stämme, die in freiwilliger Isolation im Park leben, haben hier ihre Heimat.

Weiterführende Links:


Sprecher
Bisrat Aklilu
Carlos Larrea
Ivonne Baki
Jorge Jurado
Jürgen Maier
Ute Koczy
Veranstalter
Ecoscholars, Deutschland
Datum
26. Mai 2011
Ort
Berlin, Deutschland
Schlüsselwörter
CO2, Klima, Klimaschutz, Biodiversität, Öl, Öl-Extraktion, Yasuni ITT, Ecuador, Yasuni, Yasuni Nationalpark, Amazonas, Anden, Lateinamerika, Südamerika