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Blaue Transformation der Mittelmeer-Fischerei

© Grit Martinez, 2026

Blaue Transformation der Mittelmeer-Fischerei

Zwischen Dock und Daten: Lokales Wissen stärkt die blaue Transformation

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Datum
Ort
Berlin, Deutschland

Im neuen Horizont-Europa-Projekt SEA4FUTURE leitet das Ecologic Institut die sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung zur Integration von Wissen und Expertise der Fischer in neue Überwachungsprozesse für Fanggeräte sowie zur Definition neuer Meeresschutzgebiete im Mittelmeer. Offiziell gestartet am 1. Januar 2026, verfolgt SEA4FUTURE das Ziel, eine blaue Transformation des mediterranen Meeresfrüchtesektors anzustoßen. Das Projekt widmet sich zentralen Herausforderungen der Region, darunter Umweltzerstörung, überfischte Bestände und die sozioökonomische Verwundbarkeit von Küstengemeinschaften in sieben Regionen.

Innovation durch Einbindung der Fischer

SEA4FUTURE stellt die Fischer in den Mittelpunkt der Innovation – sie werden zu aktiven Datensammlern, Mitgestaltern neuer Fanggeräte und Mitverantwortlichen lokaler Maßnahmen. Das Projekt kombiniert Bürgerwissenschaftsansätze – einschließlich eDNA- und Genomik-Untersuchungen – mit Praxistests auf See, bei denen selektivere Schleppnetze und Fanggeräte sowie Vorrichtungen zur Vermeidung von Beifang (Haie, Rochen, Meeresschildkröten und Delfine) erprobt werden. Diese technischen Innovationen werden durch Entscheidungsunterstützungsmodelle ergänzt, die es Wissenschaftlern, Entscheidungsträgern und Fischern ermöglichen, gemeinsam Managementszenarien zu testen. Parallel dazu bewertet und verbessert das Projekt Zertifizierungssysteme und unterstützt den Aufbau neuer Märkte für nachhaltige Meeresfrüchte, einschließlich Produkten aus invasiven Arten.

Sozialwissenschaftliche Forschung und Einbindung von Interessengruppen

Das Ecologic Institut leitet die sozialwissenschaftliche Forschung mit Fokus auf die Integration des Wissens und der Erfahrungen der Fischer in neue nachhaltige Fischerei-Monitoringprozesse. Zudem entwickelt und implementiert es eine Strategie zur Einbindung von Interessengruppen, um die gesellschaftliche Akzeptanz und Unterstützung für nachhaltige Produkte und Praktiken der Fischerei zu stärken. Darüber hinaus koordiniert das Institut die Entwicklung umsetzbarer politischer Empfehlungen und fördert Kapazitätsaufbau für Entscheidungsträger, um die Einführung eines ökosystembasierten Fischereimanagements innerhalb und außerhalb der EU zu unterstützen.

Ethnografische Feldforschung in Spanien

Vor Kurzem führte Dr. Grit Martinez Feldforschung in der spanischen Fallstudie durch – in einem Forschungsumfeld, das nicht nur von Daten und Instrumenten, sondern auch von Gesprächen an den Docks und vom gelebten Wissen lokaler Fischergemeinschaften geprägt war. Gastgeber waren Kolleginnen und Kollegen eines nahegelegenen Meeresforschungslabors der Universität Alicante in Dénia. Der Aufenthalt entwickelte sich rasch zu einer ethnografischen Felderfahrung. Das lokale Team stellte Dr. Grit Martinez der Fischereigenossenschaft der Region vor und ermöglichte Interviews, die aufzeigten, wie sich Wissenschaft und Praxis fernab von Konferenzräumen treffen. Viele der tiefsten Erkenntnisse entstanden nicht durch formale Umfragen, sondern beim Beobachten alltäglicher Routinen – beim Reparieren der Netze, Entladen des Fangs und in Diskussionen der Fischer über Gezeiten, Jahreszeiten oder nachhaltige Fanggeräte zum Schutz von Jungfischen.

Veränderungen im Mittelmeerraum

Die Fischer sprachen offen über die Veränderungen, die sie über Jahrzehnte erlebt haben – Schwankungen der Bestände, veränderte Wanderungsmuster und die wachsende Unsicherheit durch Klimawandel und Marktdruck. Einige berichteten über Arten, die seltener geworden sind, andere über neue, unerwartete Arten, die nun in ihren Gewässern auftauchen. Diese Erfahrungen, gestützt auf jahrelange Praxis, bieten eine nuancierte Perspektive, die wissenschaftliche Mentoringprogramme hervorragend ergänzt.

Offenheit für Innovation und Ko-Kreation

Ebenso aufschlussreich waren Gespräche über Fangmethoden. Während traditionelle Geräte zentral für die lokale Identität bleiben, zeigten viele Fischer Offenheit für Innovationen – vor allem, wenn Veränderungen gemeinsam entwickelt statt auferlegt werden. Die Idee, im Rahmen von SEA4FUTURE als Bürgerwissenschaftler mitzuwirken – neue Geräte zu testen, Beobachtungsdaten beizutragen und Meeresschutzgebiete mitzugestalten – weckte großes Interesse. Zugleich trat eine wichtige Botschaft hervor: Echter Dialog setzt die Anerkennung von lokalem Wissen voraus. Die Fischer äußerten den Wunsch, dass die EU-Meerespolitik über reine Konsultation hinaus zu echter Ko-Kreation übergeht. Politische Maßnahmen finden stärkeren Rückhalt, wenn lokale Stimmen an der Formulierung der Fragen beteiligt sind – nicht nur an den Antworten.

Ausblick auf weitere Konsultationen

Die während dieser ersten ethnografischen Feldphase gesammelten Informationen werden die partizipativen Ansätze von SEA4FUTURE prägen – etwa bei der Entwicklung von Bürgerwissenschaftsprotokollen, Strategien zur Interessengruppenbeteiligung, politischen Empfehlungen und beim Kapazitätsaufbau für Entscheidungsträger, um die Umsetzung des ökosystembasierten Fischereimanagements in der EU und darüber hinaus zu fördern. Weitere Konsultationen werden in anderen Mittelmeerregionen von SEA4FUTURE wiederholt, darunter in Frankreich, Italien, Griechenland, Kreta und der Türkei.

SEA4FUTURE bindet das Erfahrungswissen von Fischern systematisch in Monitoring und nachhaltiges Fischereimanagement im Mittelmeer ein.

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Projekt-ID
Schlüsselwörter
Fischbestände, Fischerei, Fischereisektor, sozioökonomische Vulnerabilität, Küstengemeinden, blaue Transformation, Hotspot-Kartierung, eDNA, selektive Schleppnetze und Netze, Vorrichtungen zur Reduzierung von Beifängen
Spanien, Frankreich, Sizilien, Kreta, die türkische Ägäis- und Mittelmeerküste, die Insel Madeira, Ägypten, die Mittelmeerküste
Regionaler Kapazitätsaufbau, Living Labs, Bürgerwissenschaft, Citizen Science, Strategie zur Einbindung von Interessengruppen