Photo: Canva.com
Persönlichkeitsrecht für Meereis?
Ein Interview mit Arne Riedel über neue Ansätze im Schutz der Arktis
- Präsentation
- Datum
-
- Ort
- Berlin, Deutschland
- Interview
-
Rebecca Stegmann (FAZ)
Das arktische Meereis verschwindet rapide – mit Folgen für Ökosysteme, globale Klimaprozesse und die Menschen in der Region. Gleichzeitig wird die Arktis zunehmend wirtschaftlich genutzt, etwa durch Schifffahrt, Fischerei und Rohstoffabbau.
Im Wissenschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wurde Arne Riedel, Jurist am Ecologic Institute und Experte für Arktis-Governance, zu aktuellen Debatten über den Schutz des arktischen Meereises befragt. Der Beitrag beleuchtet neue rechtliche Ideen zum Schutz der Arktis – darunter auch die Diskussion, ob Natur wie das arktische Meereis eigene Rechte erhalten könnte.
Neue Ideen für den Schutz der Arktis
Die Debatte knüpft an internationale Entwicklungen an, bei denen Naturgebiete als Rechtssubjekte anerkannt wurden. In einigen Ländern besitzen bereits Flüsse, Wälder oder Lagunen eigene Rechte und können so stärker geschützt werden. Die Überlegung dahinter: Wenn Natur als Rechtssubjekt anerkannt wird, kann sie ihre Interessen – etwa den Schutz ihres Ökosystems – rechtlich besser vertreten lassen.
Ein „Patchwork“ aus bestehenden Regelungen
Arne Riedel ordnet im Artikel ein, wie der Schutz der Arktis derzeit rechtlich geregelt ist. Die bestehenden Regelungen bezeichnet er als ein „Patchwork aus internationalen und nationalen Ansätzen“. Dazu zählen etwa der Polar Code der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation, der seit 2017 Sicherheitsvorgaben für die Schifffahrt in Polarregionen festlegt, sowie internationale Vereinbarungen zur Verhinderung unregulierter Fischerei im zentralen Arktischen Ozean. Auch nationale Maßnahmen spielen eine Rolle, etwa Schutzgebiete für besonders empfindliche Meereisregionen.
Neue internationale Instrumente
Weitere Fortschritte könnten durch neue internationale Abkommen entstehen. So ist Anfang 2025 das UN-Hochseeschutzabkommen in Kraft getreten. Es ermöglicht erstmals die Einrichtung von Schutzgebieten in internationalen Gewässern – also auch im zentralen Arktischen Ozean. Wie solche Schutzgebiete künftig beschlossen werden, muss allerdings noch konkret ausgearbeitet werden.
Offene Fragen bei den Rechten der Natur
Ob das arktische Meereis tatsächlich einmal eigene Rechte erhalten könnte, bleibt offen. Neben politischen Herausforderungen stellen sich auch praktische Fragen, etwa wer solche Rechte vertreten würde und vor welchen Gerichten sie geltend gemacht werden könnten.
Klimaschutz bleibt entscheidend
Unabhängig von neuen rechtlichen Ansätzen bleibt der globale Klimaschutz zentral für die Zukunft des arktischen Meereises. Denn steigende Temperaturen lassen das Eis zunehmend schrumpfen – mit weitreichenden Folgen für das Ökosystem der Arktis und darüber hinaus.