© Grit Martinez, 2026
Co-Produktion von Klimadienstleistungen
Von der Politik zur praktischen Umsetzung – Erkenntnisse und Erfahrungen
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Die fünfte Ausgabe des Climateurope2-Webfestivals brachte erneut eine vielfältige Gemeinschaft aus Expert:innen, Praktiker:innen und politischen Entscheidungsträger:innen zusammen, um die Weiterentwicklung von Klimadienstleistungen in Europa zu diskutieren. Ein zentrales Highlight war die Session zur Co-Produktion von Klimadienstleistungen am 15. April 2026. Dr. Martinez eröffnete sie mit einem Impulsvortrag unter dem Titel „Co-production of Climate Services: Lessons from Policy to Practical Actions“.
Klimadienstleistungen zwischen Wissenschaft und Politik
Klimadienstleistungen stehen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik. Sie sind grundlegend wissenschaftsbasiert – aufgebaut auf Disziplinen wie Klimaforschung und Meteorologie sowie auf Beobachtungen, Modellen und Datenanalysen. Gleichzeitig werden sie stark durch politische Rahmenbedingungen geprägt, die bestimmen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Anwendungen überführt werden. Wissenschaft und Politik wirken dabei komplementär und können ihre Wirkung nur im Zusammenspiel entfalten.
Standards als Verbindung zwischen Wissen und Umsetzung
Auch die Standardisierung von Klimadienstleistungen spiegelt dieses Zusammenspiel wider. Sie wird überwiegend durch wissenschaftliche Prozesse entwickelt, jedoch durch politische Instrumente formalisiert und umgesetzt. Politik fungiert dabei als Brücke zwischen Wissen und praktischem Handeln, indem sie Leitlinien, Regeln und Prinzipien für Entscheidungen vorgibt. Eine zentrale Herausforderung besteht jedoch darin, Standards so zu gestalten, dass sie in unterschiedlichen politischen Kontexten und lokalen Entscheidungssituationen relevant bleiben.
Warum Co-Produktion entscheidend ist
Dr. Martinez betonte, dass Co-Produktion ein entscheidender Ansatz ist, um dieser Herausforderung zu begegnen. Co-Produktion ist kontextsensitiv: Sie geht über die reine Bereitstellung von Daten hinaus und zielt darauf ab, Wissen an reale Entscheidungsprozesse und Governance-Strukturen anzupassen. Dabei sind verschiedene Akteure eingebunden – von Wissenschaft und Politik über Stakeholder bis hin zu Endnutzer:innen. Entscheidend ist ein governance-sensitives Design, das rechtliche, institutionelle und soziale Rahmenbedingungen berücksichtigt, damit Klimawissen tatsächlich Anwendung findet.
Einblicke aus der Praxis: Ergebnisse der Umfrage
Einblicke in die Praxis lieferte eine Umfrage aus dem Jahr 2024 in 13 europäischen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien und Schweden. Die Ergebnisse zeigen: Klimainformationen werden bereits genutzt – häufiger „oft“ oder „gelegentlich“ als gar nicht. Gleichzeitig deuten viele fehlende Antworten auf Unsicherheiten und Wissenslücken hin.
Viele Akteure sind bereits an der Nutzung und Entwicklung von Klimadienstleistungen beteiligt, was auf aktive Co-Produktionsprozesse hindeutet. Zentrale Beweggründe für die Beteiligung sind:
- Training und Kapazitätsaufbau,
- Co-Kreation,
- Entwicklung konkreter Produkte und Werkzeuge.
Standards in der Anwendung
Auch die Bedeutung von Standards wird klar erkannt. Rund die Hälfte der Befragten ist sich standardisierter Ansätze im eigenen Arbeitsumfeld bewusst. Die konkrete Kenntnis und Anwendung spezifischer Standards – etwa ISO 14091:2021 und ISO 14092:2020 – ist jedoch deutlich geringer. Dies weist auf eine Lücke zwischen grundsätzlichem Bewusstsein und praktischer Umsetzung hin.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Session
- Klimainformationen werden bereits aktiv genutzt.
- Es bestehen weiterhin Wissenslücken und Unsicherheiten.
- Standards werden als relevant wahrgenommen.
- Zentrale Akteure sind in Co-Produktionsprozesse eingebunden.
- Co-Produktion stärkt Vertrauen, gemeinsames Verständnis und Nutzbarkeit.
Eine interaktive Diskussion mit Teilnehmenden aus Wissenschaft, Politik und europäischen Behörden vertiefte diese Punkte und unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit.