Ecologic Institut Newsletter Nr. 284 – Mai 2026
- Ecologic Institut Newsletter
Wie Europa systemische Umweltkrisen steuern kann – Bericht
Dürren, der Verlust der biologischen Vielfalt und extreme Wetterereignisse lösen zunehmend Kettenreaktionen in Europas Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialsystemen aus. Der Bericht "Systemic and Complex Risk Governance for Europe’s Preparedness and Sustainability" untersucht, wie miteinander verknüpfte Umweltkrisen Europas Resilienz und Handlungsfähigkeit beeinträchtigen. Dafür entwickelten unsere Expert:innen Methoden, mit denen Behörden und politische Entscheidungstragende komplexe Risiken systematischer bewerten und politische Prioritäten klarer bestimmen können. Eine zentrale Empfehlung ist Umweltabhängigkeiten stärker in Industrie-, Energie- und Ernährungspolitik einzubeziehen und die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Politikfeldern auszubauen. Die Empfehlungen unterstützen Politik und Verwaltung dabei, besser auf Unsicherheit, Krisendynamiken und langfristige Umweltveränderungen zu reagieren.
Umsetzung der Klima- und Energieziele der EU für 2030 – Briefing
Das 2026er ECNO-Update analysiert die finalen Nationalen Energie- und Klimapläne aller 27 EU-Mitgliedstaaten und zeigt auf, dass die EU in mehreren zentralen Bereichen ihrer Klimaziele für 2030 weiterhin nicht auf Kurs ist. Das Briefing identifiziert Lücken bei Beiträgen und politischen Maßnahmen in den Bereichen Emissionen unter der Klimaschutzverordnung (ESR), natürliche Kohlenstoffsenken, erneuerbare Energien, Energieverbrauch und Subventionsabbau für fossile Energieträger. Besonders bei Energieeffizienz, LULUCF und dem Subventionsabbau für fossile Energieträger verfehlen die bisherigen Maßnahmen die Ziele deutlich. Die Publikation hilft Politik, Verwaltung und Forschung, nationale Planungen besser einzuordnen und zusätzlichen Umsetzungsbedarf zu erkennen.
Naturbasierte Lösungen im Landschaftsmaßstab: Herausforderungen bei Bewertung und Umsetzung – Artikel
Die Umsetzung naturbasierter Lösungen (NbS) im Landschaftsmaßstab bleibt aufgrund fragmentierter Governance-Strukturen, begrenzter Finanzierungsmöglichkeiten, unzureichender Datengrundlagen und unterschiedlicher Interessenlagen der beteiligten Akteur:innen eine große Herausforderung. Am Beispiel vernetzter Kleingewässer („Pondscapes“) untersucht der Artikel, wie sich NbS im größeren Landschaftszusammenhang bewerten und umsetzen lassen. Er identifiziert konkrete Hürden in Bezug auf Governance- und Politikrahmen, Finanzierungsmechanismen, Datenverfügbarkeit sowie den Interessenausgleich zwischen verschiedenen Akteur:innen. Zudem zeigen die Autor:innen, warum kontextspezifische Bewertungsansätze und partizipative Verfahren notwendig sind, um die ökologischen und sozioökonomischen Funktionen und Vorteile naturbasierter Lösungen verlässlich zu erfassen. Die Ergebnisse bieten praxisnahe Orientierung für Politik und Planung, die NbS systematisch in landschaftsbezogene Planungs- und Governanceprozesse integrieren wollen.
Marktbasierte Instrumente zur Reduktion landwirtschaftlicher Emissionen – Bericht
Die Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft gehört weiterhin zu den größten Herausforderungen der EU-Klimapolitik. Die Fortschritte bleiben bislang hinter denen anderer Wirtschaftsbereiche zurück. Der Bericht untersucht, wie marktbasierte Politikinstrumente – darunter Emissionshandelssysteme und verpflichtende Klimastandards – Emissionen wirksamer senken könnten. Durch den Vergleich von drei Politikoptionen analysiert die Studie Zielkonflikte zwischen ökologischer Wirksamkeit, praktischer Umsetzbarkeit und ökonomischer Effizienz. Die Ergebnisse formulieren Hinweise für die Weiterentwicklung der EU-Klimapolitik im Agrarsektor.
Carbon Farming finanzieren: Empfehlungen für einen EU-Buyers’ Club – Policy Brief
Mit dem Aufbau des EU-Rahmens für Carbon Removals and Carbon Farming (CRCF) gewinnt die Finanzierung von Carbon Farming zunehmend an Bedeutung. Ein neuer Policy Brief des Ecologic Instituts aus dem Horizon-Europe-Projekt CAFAMORE formuliert Empfehlungen für die Ausgestaltung eines möglichen EU-Buyers’ Club. Der Bericht untersucht, wie ein solcher Mechanismus die frühe Marktentwicklung unterstützen kann, ohne Umweltintegrität und praktikable Bedingungen für landwirtschaftliche Betriebe zu vernachlässigen. Die Empfehlungen bieten Orientierung für Politik und Marktakteur:innen, die verlässliche Nachfrage und glaubwürdige Rahmenbedingungen für Carbon Farming schaffen wollen.
Stadtnatur – Europäischer Vernetzungsworkshop
Moderation: McKenna Davis, Teresa Spantzel und Fenja Kroos
Am 5. und 6. Mai 2026 kamen in Bonn Fachleute aus Behörden, Städten, Wissenschaft, EU-Institutionen und Netzwerken zum European Urban Nature Networking Workshop zusammen. Die Teilnehmenden diskutierten Planung, Umsetzung, Governance, Finanzierung, Monitoring und Kapazitätsaufbau für urbane Natur und Biodiversität in Europa. Ein Schwerpunkt lag auf Artikel 8 der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur. Teilnehmende verglichen Erfahrungen aus EU- und Nicht-EU-Ländern und entwickelten praktische Ansätze für Städte und nationale Verwaltungen.
Wirtschaftliche Folgen des Klimawandels und Anpassungsstrategien – ACCREU-Workshop
Wie teuer Klimafolgen werden und welche Anpassungsmaßnahmen wirtschaftlich tragfähig sind, stand im Mittelpunkt eines ACCREU-Workshops am 29. April 2026 in Brüssel. Vertreter:innen aus Wirtschaft, Politik, Finanzsektor und Zivilgesellschaft diskutierten neue Forschungsergebnisse zu sektoralen Klimarisiken, Anpassungskosten und makroökonomischen Auswirkungen in Europa. Präsentationen und Fallstudien analysierten unter anderem Waldbrände, Gesundheit, Energie, Küstenregionen sowie Verteilungsfragen und fiskalische Folgen für Regionen und Haushalte. Ergänzend stellte das Projektteam ein digitales Handbuch und einen webbasierten Scenario Explorer vor, die Entscheidungen zur europäischen Klimaanpassung unterstützen.
Neue Forschungsagenda zur ökonomischen Bewertung transformativer Klimaanpassung – Reflexionsforum
Am 28. April 2026 diskutierten Fachleute aus Industrie, Politik, Finanzsektor und Wissenschaft in Brüssel die ökonomische Bewertung transformativer Klimaanpassung. Das Reflexionsforum des ACCREU-Projekts diskutierte, wie sich tiefgreifende Veränderungen sozial-ökologischer Systeme wirtschaftlich bewerten lassen und wo bestehende Bewertungsansätze nicht ausreichen. Beiträge und Workshops befassten sich unter anderem mit systemischem Wandel, Gerechtigkeit, Investitionsentscheidungen und den Folgen von Extremereignissen. Die Ergebnisse fließen in eine neue Forschungsagenda ein und sollen als Policy Brief sowie wissenschaftlicher Artikel veröffentlicht werden, um öffentliche Strategien und private Investitionen in Klimaanpassung fundierter zu bewerten.
Innovationen und neue Kulturen für Brandenburgs Bio-Markt – Marktinformationsgespräch 2026
Sonder- und Nischenkulturen wie Hirse, Buchweizen, Quinoa oder Sanddorn gewinnen für Brandenburgs Bio-Markt an Bedeutung. Das Marktinformationsgespräch 2026 am 12. Juni in Oranienburgbehandelt aktuelle Entwicklungen in Anbau, Verarbeitung und Vermarktung. Praxisbeiträge aus Landwirtschaft und Produktentwicklung behandeln Marktpotenziale, Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette und neue Ansätze für regionale Bio-Produkte. Die Veranstaltung richtet sich an Akteur:innen aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Produktentwicklung.
Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ)
Ab dem 1. September 2026 stehen zwei Plätze für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in Berlin zur Verfügung. Die Einsatzbereiche sind Organisation sowie Kommunikation und Veranstaltungen. Das FÖJ richtet sich an Schulabgänger:innen mit Interesse an Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen, die praktische Erfahrungen in Wissenschaft, Politikberatung und Projektarbeit sammeln wollen. Bewerbungen sind bis zum 15. August 2026 möglich.
Studentische:r Mitarbeiter:in im Bereich Biodiversität
Wir suchen eine:n studentische:n Mitarbeiter:in im Bereich Biodiversität am Standort Berlin. Die Tätigkeit umfasst Recherchen zu Biodiversität, Naturschutz und Wiederherstellung der Natur in Deutschland und der EU sowie die Unterstützung bei Projektmanagement, Workshops und wissenschaftlicher Aufbereitung fachlicher Inhalte. Gesucht werden Masterstudierende aus umweltbezogenen Fachrichtungen mit Kenntnissen oder Interesse an EU-Umweltpolitik und wissenschaftlichem Arbeiten. Interessierte können sich bis zum 31. Mai 2026 bewerben.
Studentische:r Mitarbeiter:in im Bereich Finanzen
Zum nächstmöglichen Zeitpunkt suchen wir Unterstützung für unser Finanzteam in Berlin. Die Aufgaben umfassen unter anderem Rechnungsprüfung, Buchhaltung, Controlling sowie die Mitarbeit an digitalen Prozessen und internen Abläufen. Bewerbungen sind bis zum 15. Juni 2026 möglich.
Ecologic Institut organisiert Sessions beim internationalen NbS-Kongress – reichen Sie Ihre Forschung ein
Forscher:innen und Praktiker:innen im Bereich naturbasierter Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) sind eingeladen, Beiträge für drei vom Ecologic Institut mitorganisierte Sessions beim internationalen NbS-Kongress in Paris (2.–6. November 2026) einzureichen. Die Sessions wurden aus mehr als 100 internationalen Vorschlägen für das wissenschaftliche Konferenzprogramm ausgewählt und befassen sich mit partizipativer Governance, sozio-ökologischer Gerechtigkeit sowie "Sponge Landscapes" als Ansatz zur Stärkung der Klimaresilienz. Der Call for Abstracts und Posterbeiträge ist ab sofort geöffnet und bietet die Möglichkeit, sich mit der internationalen NbS-Forschungsgemeinschaft auszutauschen und aktiv am wissenschaftlichen Programm mitzuwirken.
Inhalte
- Veröffentlichungen
- Wie Europa systemische Umweltkrisen steuern kann – Bericht
- Umsetzung der Klima- und Energieziele der EU für 2030 – Briefing
- Naturbasierte Lösungen im Landschaftsmaßstab: Herausforderungen bei Bewertung und Umsetzung – Artikel
- Marktbasierte Instrumente zur Reduktion landwirtschaftlicher Emissionen – Bericht
- Carbon Farming finanzieren: Empfehlungen für einen EU-Buyers’ Club – Policy Brief
- Rückblick: Veranstaltungen
- Stadtnatur – Europäischer Vernetzungsworkshop
- Wirtschaftliche Folgen des Klimawandels und Anpassungsstrategien – ACCREU-Workshop
- Neue Forschungsagenda zur ökonomischen Bewertung transformativer Klimaanpassung – Reflexionsforum
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- Innovationen und neue Kulturen für Brandenburgs Bio-Markt – Marktinformationsgespräch 2026
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