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Sozio-kulturelle Aspekte im RISC-Kit Projekt und ein Beispiel aus der Kieler Bucht

Sozio-kulturelle Aspekte im RISC-Kit Projekt und ein Beispiel aus der Kieler Bucht

TimeLoc
20 May 2014
Bremen
Deutschland
Dr. Grit Martinez: "Risikowahrnehmung und Risikomanagement sind nicht überall vergleichbar, sondern finden sich vielmehr in einer sozio-kulturellen Matrix und sind eingebettet in Institutionen."

Dr. Grit Martinez, Senior Fellow am Ecologic Institut, präsentierte auf dem Europäischen Tag der Meere (EMD) in Bremen am 20. Mai 2014 erste Ergebnisse eines multidisziplinären Forschungsvorhaben über sozio-kulturelle Aspekte in Bezug auf Resilienz, Vorsorge und Risikomaßnahmen an europäischen Küsten. Die Forschungsarbeit ist eingebettet in das europäische RP7-Vorhaben RISC-KIT (Resilienzsteigernde Strategien für Küsten –ToolKIT).

Der innovative Ansatz untersucht regionale Besonderheiten in Bezug auf die Geschichte, rechtliche und politische Traditionen, sozio-ökonomische Muster, Governance-Strukturen und Gerechtigkeitskonzepte. Damit wird eine empirische Evidenz über kulturelle Unterschiede in Risikobewertung und -management von Küstenregionen in Nord-, West-, Süd-und Osteuropa geliefert.

Der Workshop auf dem EMD trug den Titel Coasts and Ports at Threat (Küsten und Häfen in Gefahr) und unterstrich die Bedeutung der interdisziplinären Wissenschaft in Bezug auf die Reduzierung der Küstenrisiken. RP7-Projekte RISC-KIT und PEARL wurden vorgestellt und demonstrierten wie wissenschaftliche Arbeiten mit realen Beispielen aus Hafen- und Küstengebieten aus Kiel, Hamburg und Bremen verknüpft werden können.

Forschungsansatz in RISC-KIT

Für das RISC-KIT-Projekt präsentierte Dr. Martinez die multidisziplinär-empirische Forschung über sozio-kulturellen und sozio-ökonomischen Voraussetzungen zur Risikoprävention, Mitigation und Vorsorge. Das im Dezember 2013 begonnene Forschungsvorhaben vereint Forscher aus den Geisteswissenschaften, den Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften aus verschiedenen Forschungseinrichtungen in Europa und der USA. Anhand von mehr als 150 qualitativen Interviews mit lokalen Entscheidungsträgern, Anwohnern und Wissenschaftlern in elf Fallstudien von den Küsten Europas und darüber hinaus sowie einer umfassenden Recherche der Sekundärliteratur konnte Dr. Martinez zeigen, dass die meisten Hochwasserkatastrophen, obwohl gemeinhin als Naturkatastrophen bezeichnet, nicht allein Ergebnisse naturbezogenen Prozesse sind. Vielmehr sind sie im immer stärkeren Maße unmittelbar an verschiedene sozio-kulturelle, historische, wirtschaftliche und politische Aspekte verknüpft.

Marina in Kiel als Fallstudie

Veranschaulicht an dem Beispiel von Deutschland, zeigte die Präsentation wie das Wohlfahrtssystem "von der Wiege bis zur Bahre", eingeführt von Bismarck im späten 19. Jahrhundert, zu der öffentlichen Wahrnehmung und den politischen Aktivitäten des Risikomanagement beigetragen hat. Unter der Führung von Bismarck wurde erstmals eine enorme finanzielle Unterstützung für Deichbau und Vorsorgemaßnahme für Kommunen an der Ostsee geleistet, die nach dem Hochwasser 1872 große Verluste hinnehmen mussten. Zusammen mit anderen historischen und ökonomischen Gegebenheiten wurde bald danach ein Risikomanagement in den deutschen Küstenbundesländern als gesellschaftliche Aufgabe betrachtet. Bis heute sind sich Menschen in Küstengemeinden in der Regel über das Hochwasserrisiko bewusst und zeigen hohes Vertrauen in die nationale, regionale und lokale Entscheidungsfindung. Kaum überraschend führt das nicht per se zu einer starken Motivation, Vorsorgemaßnahmen auf lokaler Ebene durchzuführen, wie das Beispiel aus dem Kieler Yachthafen zeigt.

Kernaussagen

Die Kernaussagen der Präsentation sind nachfolgend dargestellt.

  • Risiko Wahrnehmung und Risikomanagement sind nicht überall gleich, sondern befinden sich vielmehr in einer sozio-kulturellen Matrix und sind eingebettet in Institutionen, die zu konkurrierenden Prioritäten beim Umgang mit Risiken führen können
  • Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen werden nicht erfolgreich sein, wenn sie nicht ohne ein genaues Verständnis vom regionalem und sozio-kulturellen Kontext umgesetzt werden.
  • Technische Lösungen zur Risikominderung und –vorsorge werden ohne den sozio-kulturellen Kontext nicht möglich sein.
  • Der gängige Kosten-Nutzen Ansatz zeigt Defizite, wenn Aspekte wie Ethik oder Kultur berücksichtigt werden sollen.
  • Eine ganzheitliche Sicht des Risikos sollten darauf abzielen, sektorübergreifende Mehrzweck-Maßnahmen zu entwickeln, die die tatsächlichen Ursachen des Risikos reduzieren und die Möglichkeiten für eine sozial-gerechte und nachhaltige Hochwasservorsorge und Anpassung bieten.

Organizer
Date
20 May 2014
Location
Bremen, Deutschland
Language
English
Keywords
Kultur, Geschichte, Risikominderungsmaßnahmen, Küstenregionen, Sozial- und Humanwissenschaften, Governance, Anpassung
 
 , multidisziplinäre empirische Forschung, Qualitative Interviews
 , Bremen, Kiel, Hamburg, Deutschland, Europa