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Chinas Kohlewende: Ein Gespräch mit Greenpeace China Campaigner Li Shuo

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Chinas Kohlewende: Ein Gespräch mit Greenpeace China Campaigner Li Shuo

Veranstaltung
Datum
Ort
Berlin, Deutschland
Aktive Rolle
Li Shuo Campaigner "Klima & Energie", Greenpeace China

Ist China Kohlesüchtig? Neue Daten deuten auf ein mögliches Ende des Kohlebooms der letzten Jahre hin. In einem Meinungsaustausch mit dem Klima & Energieteam des Ecologic Instituts am 16. April 2014 erklärte Li Shuo, Klima- und Energiecampaigner für Greenpeace China, den Hintergrund für diese positive Entwicklung. Chinas neue 'Kohlewende' mag vielleicht noch nicht so dynamisch wie die deutsche Energiewende sein, aber auch nur eine graduelle Veränderung des chinesischen Kohleverbrauchs würde globale Folgen haben.

Li Shuo teilte die Ergebnisse aus einer neuen Veröffentlichung von Greenpeace China ("The End of China’s Coal Boom – 6 Facts You Should Know") und seine Meinung zu politischen Entwicklungen in China mit. In seinen Bemerkungen konzentrierte sich Li Shuo insbesondere auf den im September vom chinesischen Staatsrat gebilligten Luftverschmutzungsaktionsplan und Chinas Bemühungen die mit dem Kohleverbrauch verbundenen gesundheits- und umweltschädigenden Auswirkungen zu begrenzen.

Bisher haben sich zwölf Provinzen Chinas zu strengeren Kohlekontrollmaßnahmen verpflichtet, u.a. sechs, die sich absolute Kohleverbrauchreduktionsziele gesetzt haben. Weitere 17 Provinzen haben die Absicht erklärt ihren Kohleverbrauch zu deckeln oder zu reduzieren. Zudem hat sich Chinas jährlicher Zuwachs an Kohlverbrauch im letzten Jahr auf 2.8% verlangsamt, deutlich unter die 19.2% Wachstumsrate von 2003.

Greenpeace China folgt diese Bemühungen mit der Absicht die Luft-, Wasser- und Klimaauswirkungen, die mit der Verbrennung von Kohle als Energieträger einhergehen, zu begrenzen. Nach Schätzungen von Greenpeace China könnte eine massive Verlangsamung des zunehmenden Kohleverbrauchs Chinas Emissionen beinah mit dem Zwei-Grad-Ziel in Einklang bringen. Erste Schätzungen zufolge wäre solch eine Entwicklung als Maßnahme zur Minderung des Klimawandels auch vergleichbar mit oder sogar ambitionierter als die Bemühungen der EU und den USA.

Im letzten Jahrzehnt ist China zum weltgrößten Energieverbraucher und zum weltführenden Emittent von Treibhausgasen aufgestiegen. Chinas Kohleverbrauch ist ein signifikanter Grund für diese Entwicklung. Der Kohleverbrauch und die Emissionen Chinas stiegen von 2000-2010 im Durschnitt um 9%. Kohle machte 2013 65% des chinesischen Energieverbrauchs aus. Dieser Kohleverbrauch hat große Konsequenzen für den Klimawandel, Chinas Energiesicherheit und die Gesundheit der chinesischen Bevölkerung.

Das anschließende Gespräch mit R. Andreas Kraemer, Benjamin Görlach und Matthias Duwe vom Ecologic Institut beschäftigte sich hauptsächlich mit den möglichen Auswirkungen solcher Regulierungen auf der zukünftigen Funktionsfähigkeit der chinesischen Emissionshandels-Pilotsysteme, mit Rückbesinnung auf Erfahrungen aus dem Emissionshandelssystem der EU (EU-EHS) und weiteren Emissionshandelssysteme. Wenn die Kohlewende effektiv implementiert werden sollte, würde dies zu einem erheblichen Rückgang der Kohlendioxidemissionen führen. Diese Veränderung müsste in der Obergrenze für Emissionen reflektiert werden, da dieser Rückgang sonst zu einem signifikanten Überschuss an Emissionsberechtigungen führen würde.

Weitere Diskussion beschäftigte sich mit dem Stand der deutschen Energiewende und der Entwicklung der europäischen Klima- und Energiepolitik, einschließlich der zukünftigen Rolle von Stadt- und Bauplanung, Verkehr, dezentralem Energieversorgungssystem, Besteuerung und Subventionsreform, sowie der Einführung eines neuen sektoralen Zieles als Korrektivmaßnahme für den EU-EHS.

Li Shuo war in zu Besuch Berlin, um als Beobachter an der Plenarsitzung der dritten Arbeitsgruppe des Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderung (IPCC) teilzunehmen. Das IPCC-Treffen fand vom 7-11 April 2014 in Berlin statt und verabschiedete den dritten Teil des Fünften IPCC-Sachstandberichts.

2011 nahm Li Shuo an einem von Michael Mehling, Benjamin Görlach (beide Ecologic Institut) und Miriam Schröder geleitetem ICAP Trainingkurs zu Emissionshandel in Peking teil.

Kontakt

R. Andreas Kraemer
Founder and Director Emeritus, Ecologic Institute
Visiting Assistant Professor and Adjunct Professor, Duke University
Initiator and Convenor, Arctic Summer College
veranstaltet von
Aktive Rolle
Li Shuo Campaigner "Klima & Energie", Greenpeace China
Team
Andreas Graf
Datum
Ort
Berlin, Deutschland
Sprache
Englisch
Schlüsselwörter
Kohle, Kohleverbrauch, Klimawandel, Emissionshandel, Energie, Energiewende, Luftverschmutzung, Greenpeace
China, Asien