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Alle an Bord? – Anpassung an den Klimawandel als ganzheitliche gesellschaftliche Aufgabe

Alle an Bord? – Anpassung an den Klimawandel als ganzheitliche gesellschaftliche Aufgabe

TimeLoc
23. September 2015
Hamburg
Deutschland

In ihrer Rede während der 10. Deutschen Klimatagung stellte Dr. Grit Martinez (Ecologic Institut) die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Folgen des Klimawandels in den letzten Jahrzehnte dar. Während sich die Aufmerksamkeit bis Ende der 1990er Jahre stark auf Maßnahmen zum Klimaschutz konzentrierte, rückte das Thema Anpassung um die Jahrtausendwende immer stärker in den Fokus und wurde als Herausforderung auch für die hochentwickelten Industriestaaten begriffen. Inzwischen herrscht weitgehend Einigkeit, dass weder auf tiefgreifende Klimaschutzanstrengungen noch auf Anpassungsmaßnahmen verzichtet werden kann, wenn ein Klimawandel mit unbeherrschbaren Folgen verhindert werden soll. Die Präsentation steht als Download zur Verfügung.

Der Impuls zur ersten deutschen Klimatagung geht auf die Zeit des Mauerfalls im Jahr 1989 zurück, als ein Forum zum Austausch zwischen deutschen Klimaforschern aus Ost und West geschaffen werden sollte. Die diesjährige 10. Deutsche Klimatagung wurde von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft zusammen mit dem KlimaCampus Hamburg an der HafenCity Universität Hamburg veranstaltet. Sie behandelte sowohl naturwissenschaftliche Aspekte des Klimawandels und seiner lokalen Auswirkungen als auch Fragen der Wissensbereitstellung und Kommunikation sowie konkrete Maßnahmen für Klimaanpassung und Klimaschutz. Letzteres bildete das Thema des Veranstaltungsblocks "Klimaanpassung und Mitigation – Climate Smart" am 23. September 2015, zu dem Grit Martinez als Eröffnungsrednerin geladen war.

In ihrem Vortrag stellte Grit Martinez die Entwicklung des Themas Klimaanpassung auf globaler Ebene, in Europa und in Deutschland dar. Während die Anpassung an den Klimawandel während der 1990er Jahre noch eine untergeordnete Rolle auf der Agenda unter der UN-Klimarahmenkonvention spielte, änderte sich dies um die Jahrtausendwende mit fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Ausmaß des Klimawandels sowie politischen Schwierigkeiten, die Zweifel an einer rechtzeitigen Einigung über wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz weckten. Außerdem wurde die Anpassung an den Klimawandel zunehmend als Herausforderung auch für hochentwickelte Industriestaaten anerkannt, während sie zunächst in erster Linie als Thema für Entwicklungsländer wahrgenommen worden war.

Herrschten zunächst Befürchtungen, dass eine Diskussion über Anpassung von den Bemühungen ablenken würde, den menschengemachten Klimawandel in seinen Ursachen zu bekämpfen, setzte sich später die Wahrnehmung durch, dass Klimaschutz und Anpassung "zwei Seiten derselben Medaille" seien. So betonte auch Frau Martinez, dass Anpassung und Klimaschutz in keiner Richtung gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Dass heute schon Anpassungsmaßnahmen in Angriff genommen werden müssen, zeige nur umso deutlicher, wie dringlich es ist, effektive Maßnahmen durchzusetzen, um den Klimawandel in seinem Ausmaß zu begrenzen.

Weiter ging Frau Martinez auf die besonderen Herausforderungen für Deutschland ein, wie sie in der kürzlich im Entwurf veröffentlichten nationalen Vulnerabilitätsstudie im Zuge der Weiterentwicklung der Deutschen Anpassungsstrategie benannt wurden. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Wahrnehmung des Klimawandels durch die Bevölkerung und kommunale Entscheidungsträger. Schon der Aktionsplan Anpassung der Bundesregierung von 2011 hob die Rolle der lokalen Ebene und der Kommunen bei der Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen hervor. Frau Martinez betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig es ist, Sichtweisen, Präferenzen und soziokulturelle Hintergründe unterschiedlicher Akteure bei der Entwicklung von Anpassungsstrategien zu berücksichtigen. Aus diesem Grund müssen natur- und sozialwissenschaftliche Forschung im Anpassungsbereich stets Hand in Hand gehen.

Die Vielzahl von parallel entwickelten Forschungsprojekten, Akteursbefragungen und Informationsangeboten im Anpassungsbereich hat in den letzten Jahren allerdings teilweise auch zu Problemen geführt. Die vielfachen Bemühungen, Schlüsselakteure einzubinden, können auf die Dauer zu einem "Stakeholder Burnout" führen; eine verbesserte Koordination und Bündelung der Aktvitäten erscheint daher erforderlich.

Ein weiterer Vortrag des Veranstaltungsblocks zu "Reallaboren" [pdf, 212 KB,Deutsch] untersuchte an einem Beispiel in der deutsch-niederländischen Grenzregion, wie Akteure der lokalen Klimaanpassung in den besagten "Reallaboren" konkret zusammenarbeiten können und wie mit Zielkonflikten und unterschiedlichen Wahrnehmungen umgegangen werden kann. In der Diskussion sahen es die Teilnehmenden als wichtige Frage, inwieweit das Thema Klimawandel in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands im Bewusstsein "angekommen" ist und welche Rolle die Wissenschaft spielen kann, um das Problemverständnis der Akteure sowohl zu erforschen als auch zu verbessern. Die Präsentation [pdf, 1.1 MB, Deutsch] steht als Download zur Verfügung.


Veranstalter
KlimaCampus Hamburg (KlimaCampus Hamburg), Deutschland
Datum
23. September 2015
Ort
Hamburg, Deutschland
Sprache
Deutsch
Schlüsselwörter
Klimawandel, Anpassung, Anpassungsstrategien, Forschung, sozialwissenschaftlich, soziokulturell, Klimarahmenkonvention, Bewusstsein, Beteiligung, Einbindung, Akteure, Stakeholder, Europa, Deutschland