Options for Strengthening Natural Carbon Sinks and Reducing Land Use Emissions in the EU
Working paper
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Böttcher, Hannes et. al. 2021: Options for Strengthening Natural Carbon Sinks and Reducing Land Use Emissions in the EU. Working paper. Freiburg, Berlin: Oeko Institute, Ecologic Institute.
Die Europäische Kommission verfolgt das Ziel, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Der Sonderbericht des IPCC zeigt jedoch, dass in vielen Szenarien die atmosphärischen Treibhausgaskonzentrationen die erforderlichen Grenzwerte zur Einhaltung des Temperaturziels zunächst überschreiten. In der Folge sind nicht nur Netto-Null-, sondern Netto-Negativemissionen erforderlich. Kohlenstoffsenken kommt daher eine zentrale Rolle bei der Zielerreichung zu. Der Landnutzungssektor nimmt hierbei eine besondere Stellung ein, da er sowohl Treibhausgasemissionen verursacht als auch CO₂-Entnahmen ermöglicht. Sein Beitrag zur Treibhausgasneutralität erfordert langfristig eine negative Nettobilanz beider Komponenten.
Das Arbeitspapier des Öko-Instituts e.V. und des Ecologic Instituts verdeutlicht die Komplexität bei der Bewertung und Steuerung von Minderungspotenzialen durch Kohlenstoffsenken im Landnutzungssektor der EU. Diese Komplexität führt dazu, dass zahlreiche Politikbereiche und Instrumente direkten Einfluss auf Zustand und zukünftige Entwicklung von Kohlenstoffsenken haben. Das Papier schließt mit vier zentralen Erkenntnissen und daraus abgeleiteten Handlungsschritten zur politischen Umsetzung.
Zur Identifikation und Bewertung von Optionen zur Stärkung natürlicher Kohlenstoffsenken und zur Reduktion von Emissionen im Landnutzungssektor analysiert die Studie EU- und nationale Inventarberichte sowie Common Reporting Framework (CRF)-Tabellen und wissenschaftliche Literatur. Ergänzend wurden ausgewählte Expert:inneninterviews durchgeführt. Die betrachteten Maßnahmen wurden anhand ihres Minderungspotenzials ausgewählt, unter Berücksichtigung verfügbarer großskaliger Bewertungen sowie einer Abdeckung verschiedener Landnutzungskategorien. Dazu zählen sowohl gut untersuchte Optionen wie die Ausweitung von Waldflächen und die Wiederherstellung von Wäldern und organischen Böden als auch neuere Ansätze wie der Schutz und die Wiederherstellung mariner Ökosysteme.
Die sieben untersuchten Minderungsoptionen verdeutlichen die Bandbreite an Möglichkeiten zur Klimaschutzwirkung und zur Erzeugung zusätzlicher ökologischer und gesellschaftlicher Vorteile. Gleichzeitig erfordern alle Maßnahmen in gewissem Maße erhebliche Veränderungen in der Bewirtschaftung und stehen in direkten oder indirekten Nutzungskonflikten, etwa mit Siedlungsentwicklung oder anderen Flächennutzungen.
Die Studie unterstreicht insgesamt die hohe Komplexität bei der Bewertung und Steuerung von Kohlenstoffsenken im Landnutzungssektor der EU. Umwelt- und sozioökonomische Zusatznutzen sind bislang in Bewertungen häufig unzureichend berücksichtigt. Zudem hängt das zukünftige Senkenpotenzial stark von der Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimarisiken ab. Politische Maßnahmen zur Sicherung und Stärkung von Kohlenstoffsenken sollten daher mit Vorsicht gestaltet werden, um Überschätzungen des Minderungspotenzials zu vermeiden und eine übermäßige Abhängigkeit von Kohlenstoffsenken als Klimaschutzstrategie zu verhindern.