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Analyse und Bewertung von Zertifizierungssystemen für Recycling-Kunststoffe
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- Zitiervorschlag
Heni, Y., Knoblauch, D., Rechlin, A., Spuziak-Salzenberg, D., Wittmaier, M. & Wolff, S. (2026). Analyse und Bewertung von Zertifizierungssystemen für Recycling-Kunststoffe. Umweltbundesamt. https://doi.org/10.60810/openumwelt-8427
Wie lässt sich verlässlich nachweisen, wie viel Recyclingkunststoff ein Produkt enthält und woher das eingesetzte Rezyklat stammt? Ein anerkanntes chemisches oder physikalisches Verfahren, mit dem sich Rezyklatgehalt und -eigenschaften in Kunststoffprodukten präzise bestimmen lassen, gibt es derzeit nicht. Entsprechende Angaben müssen deshalb indirekt über die Rückverfolgung der Materialien entlang der Lieferkette abgesichert werden. Zertifizierungssysteme können dabei helfen – allerdings unterscheiden sie sich erheblich darin, was sie zertifizieren und wie sie die Einhaltung ihrer Anforderungen kontrollieren.
Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes hat 34 Zertifizierungssysteme unterschiedlicher Anbieter aus Deutschland, anderen europäischen Ländern und dem außereuropäischen Raum identifiziert. Zehn Systeme wurden anschließend vertieft untersucht, darunter ISCC PLUS, RecyClass, der Global Recycled Standard (GRS), flustix RECYCLED – DIN-Geprüft sowie Systeme aus Frankreich, Italien, Belgien und den USA.
Unterschiedliche Systeme für unterschiedliche Nachweise
Die untersuchten Zertifizierungssysteme unterscheiden sich bereits darin, was sie erfassen. RecyClass Recycling Process Certification richtet sich beispielsweise an Betriebe, die Rezyklate durch mechanisches Recycling herstellen. Der Global Recycled Standard und der zum Untersuchungszeitpunkt noch als Pilotversion vorliegende Materials Matter Standard (MMS) sind dagegen auf textile Wertschöpfungsketten ausgerichtet und beziehen umfassende Umwelt-, Sozial- und Gesundheitsanforderungen ein.
Noch einmal anders setzt das OBP Recycling Subprogram an. Es konzentriert sich auf „Ocean Bound Plastic“, also nicht fachgerecht entsorgte Kunststoffabfälle, bei denen ein hohes Risiko besteht, dass sie etwa durch Flüsse, Wind oder Gezeiten ins Meer gelangen. Andere untersuchte Systeme zertifizieren den Rezyklatanteil von Endprodukten oder berücksichtigen auch chemische Recyclingverfahren.
Für die Auswahl eines Systems ist deshalb zunächst entscheidend, was nachgewiesen werden soll: der Rezyklatanteil eines Produkts, die Herkunft des eingesetzten Materials, ein bestimmter Recyclingprozess oder darüber hinausgehende Umwelt- und Sozialanforderungen.
RecyClass erreicht bei den gewählten Kriterien die höchste Punktzahl
Für die vergleichende Bewertung entwickelte das Forschungsteam eine Matrix mit 75 Indikatoren. Berücksichtigt wurden unter anderem die Rückverfolgbarkeit der Rezyklatherkunft, Umweltanforderungen im Recyclingprozess, Auditverfahren, Anforderungen an Zertifizierungsstellen, Kontrollmechanismen und der Umgang mit Verstößen. Unter der in der Studie gewählten Gewichtung erreicht RecyClass Recycling Process Certification Level 2 mit 162 Punkten das höchste Ergebnis. Es folgen RecyClass Level 1 mit 141 Punkten, der Global Recycled Standard mit 140, MMS mit 135 und ISCC PLUS mit 130 Punkten. Diese Rangfolge ist jedoch kein allgemeines Qualitätsranking. Die Systeme verfolgen unterschiedliche Ziele und decken unterschiedliche Teile der Wertschöpfungskette ab. Zudem lässt sich die Gewichtung der Bewertungskriterien an verschiedene Fragestellungen anpassen. Welches System geeignet ist, hängt daher vom konkreten Anwendungszweck ab.
Transparenz ist Voraussetzung für eine belastbare Bewertung
Deutliche Unterschiede stellt die Studie auch bei Audits und institutionellen Strukturen fest. Manche Systeme verlangen Vor-Ort-Audits und machen klare Vorgaben zu Prüftiefe und -häufigkeit, andere erlauben auch Fern-Audits oder formulieren weniger eindeutige Anforderungen. Unangekündigte Audits sind nur bei wenigen Systemen vorgesehen.
Eine zentrale Erkenntnis betrifft zudem die Transparenz der Zertifizierungssysteme selbst. Bei ISCC PLUS, OBP Recycling, RecyClass, SCS Recycled Content und LNE waren umfangreiche Unterlagen öffentlich verfügbar oder konnten durch die Zusammenarbeit mit den Systembetreibern ergänzt werden. Bei QA-CER, PSV und flustix RECYCLED war die Informationsgrundlage dagegen deutlich eingeschränkt. Fehlende Informationen wurden in der Bewertung teilweise negativ berücksichtigt.
Damit liefert die Studie weniger die Antwort auf die Frage nach dem „besten“ Zertifikat als eine Grundlage für die gezielte Auswahl: Welche Eigenschaft soll nachgewiesen werden, welche Anforderungen stellt das System dafür und wie wird deren Einhaltung kontrolliert?