Official logo, no reproduction allowed.
Faire und emotional intelligente Transformationen hin zu zirkulären Ernährungssystemen fördern (FOODWISE)
- Projekt
- Forschungsprogramm
- Dauer
-
-
Lebensmittelverschwendung stellt in Europa nach wie vor eine zentrale Herausforderung dar, trotz wachsender politischer Aufmerksamkeit, zahlreicher Initiativen und eines gestiegenen öffentlichen Bewusstseins. Die Folgen sind nicht nur ethischer und wirtschaftlicher, sondern auch ökologischer Natur: Rund 16 % der Treibhausgasemissionen des europäischen Lebensmittelsystems stehen Schätzungen zufolge mit Lebensmittelverschwendung in Verbindung. Gleichzeitig werden dafür auf vermeidbare Weise wertvolle Ressourcen wie Flächen, Wasser und Energie in Anspruch genommen. Besonders viel wird am Ende der Wertschöpfungskette entsorgt. Mehr als die Hälfte der Lebensmittelabfälle in der EU entsteht in privaten Haushalten; gemeinsam mit Einzelhandel und Außer-Haus-Verpflegung entfallen auf diese Bereiche rund 70 % des gesamten Aufkommens.
Dabei lässt sich Lebensmittelverschwendung in Haushalten nicht allein auf individuelle Entscheidungen zurückführen. Was Menschen kaufen, wie viel sie konsumieren und was am Ende im Müll landet, hängt auch stark davon ab, in welchem Umfeld diese Entscheidungen getroffen werden. Supermärkte, Restaurants, Kantinen, aber auch Städte und Gemeinden prägen mit ihren Angeboten, Strukturen und Rahmenbedingungen das Konsumverhalten. FOODWISE setzt genau hier an: Das Projekt untersucht, wie solche Lebensmittelumgebungen so gestaltet werden können, dass ressourcenschonender und kreislauforientierter Konsum einfacher und attraktiver wird. Und betont damit, dass die Verantwortung nicht allein bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern verortet werden darf.
Für diese Arbeit ist der politische Zeitpunkt besonders günstig. Seit Oktober 2025 verpflichtet die überarbeitete EU-Abfallrahmenrichtlinie die Mitgliedstaaten dazu, Lebensmittelabfälle im Einzelhandel und sonstigen Lebensmittelvertrieb, in Restaurants und Verpflegungsdiensten sowie in privaten Haushalten bis 2030 um 30 % pro Kopf gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2023 zu senken. Nun kommt es darauf an, diese europäischen Vorgaben in wirksame nationale Maßnahmen und Programme zu übersetzen. FOODWISE unterstützt diesen Prozess, indem es erprobt, welche Interventionen tatsächlich Wirkung entfalten und wie erfolgreiche Ansätze dauerhaft in Politik und Praxis verankert werden können.
Hauptziele
FOODWISE bringt 13 Partner aus sechs europäischen Ländern zusammen. Gemeinsam verfolgen sie drei zentrale Ziele:
- Wirksame Ansatzpunkte identifizieren: FOODWISE baut auf bestehenden Forschungsergebnissen und Praxiserfahrungen auf und untersucht Konsummuster, Verhaltensfaktoren und Hindernisse für kreislauforientierten Konsum in unterschiedlichen europäischen Kontexten. So lässt sich gezielt bestimmen, wo Interventionen besonders viel bewirken können.
- Lösungen in der Praxis erproben: Gemeinsam mit Akteuren aus Einzelhandel und Außer-Haus-Verpflegung in Portugal und Tschechien werden Interventionen entwickelt und getestet. Parallel arbeitet das Projekt mit Kommunen an der Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern und unterstützt kleine und mittlere Unternehmen in Italien bei der Umsetzung stärker kreislauforientierter Ansätze.
- Erfolgreiche Ansätze verbreiten und verankern: Die Projektergebnisse werden in praktische Instrumente, Übertragungsleitfäden und politische Empfehlungen überführt. Damit soll FOODWISE Kommunen, Unternehmen und politische Entscheidungsträgerinnen und -träger dabei unterstützen, wirksame Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen und für einen stärker kreislauforientierten Konsum auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene zu etablieren.
Rolle des Ecologic Institut
Das Ecologic Institut verantwortet in FOODWISE die Arbeitsbereiche Politik und Governance. Ziel ist es, Erkenntnisse aus den verschiedenen Arbeitspaketen in konkrete und umsetzbare politische Empfehlungen für kreislauforientierte Lebensmittelsysteme und die Vermeidung von Lebensmittelabfällen zu überführen.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit ist der kontinuierliche Austausch mit Akteuren aus Kommunen, Unternehmen, Zivilgesellschaft, Forschung und Politik. In Roundtables, Workshops und Praxistests werden Erfahrungen und Perspektiven aus der Praxis systematisch einbezogen. Diese Erkenntnisse werden mit einer Analyse des bestehenden politischen und regulatorischen Rahmens verknüpft. So lässt sich herausarbeiten, welche Regelungen bereits gut funktionieren, wo Hindernisse bestehen und an welchen Stellen politische Rahmenbedingungen weiterentwickelt oder angepasst werden sollten.
Gleichzeitig ordnet das Ecologic Institut die Ergebnisse von FOODWISE in die europäische Politiklandschaft ein. Dazu werden relevante politische Entwicklungen verfolgt, der Austausch mit EU-Institutionen und politischen Netzwerken gepflegt und Projektergebnisse in bestehende Initiativen und Debatten eingebracht, unter anderem in die Circular Cities and Regions Initiative (CCRI) und das New European Bauhaus (NEB). Erkenntnisse aus diesen Prozessen fließen wiederum zurück in das Projekt und tragen dazu bei, die Empfehlungen kontinuierlich weiterzuentwickeln und an aktuelle politische Entwicklungen anzupassen.
Dabei greift das Ecologic Institut auf Erfahrungen aus früheren Projekten zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung zurück, darunter REFRESH und das Dialogforum zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung in privaten Haushalten in Deutschland.