From left to right: Dr Grit Martinez, Ecologic Institute, César Bordehore, University Alicante, Ellen Johannesen, NIVA.
|Foto by César Bordehore
Stakeholderwissen im Zentrum von Innovationen für die Fischerei
- Präsentation
- Datum
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- Ort
- Brest, Frankreich
- Vortrag
Die Forschung zum ökologischen Wissen von Fischern hat in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Sie zeigt, wie wertvoll dieses Wissen für das Verständnis mariner Ökosysteme und für ein nachhaltiges Fischereimanagement ist – und wie wichtig es ist, unterschiedliche Wissensformen zusammenzubringen.
In SEA4FUTURE geht die Einbindung von Stakeholdern über die reine Frage hinaus, wer beteiligt ist oder welche Beobachtungsdaten von Fischern erhoben werden können. Stattdessen tauchen wir ethnografisch tief in die Welt der Fischerei ein und untersuchen soziale Beziehungen, Praktiken und Entscheidungsprozesse, die beeinflussen, wie Menschen handeln und zusammenarbeiten.
Dabei geht es nicht nur um Menschen. Auch politische Vorgaben, Dokumente, Technologien, Fanggeräte und institutionelle Verfahren können Handlungen beeinflussen und mitgestalten. Diese Zusammenhänge zu verstehen, hilft uns dabei, Lösungen für die Fischerei zu entwickeln, die nicht nur auf dem Papier funktionieren, sondern auch in der Praxis.
Von der Stakeholder-Einbindung zu echter Zusammenarbeit
Auf der ICES Annual Science Conference stellte Dr. Grit Martinez vom Ecologic Institut den SEA4FUTURE-Ansatz zur Stakeholder-Einbindung bei der Reduzierung von Beifang vor und diskutierte Erfahrungen und Erkenntnisse mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Projekten in Europa und Nordamerika.
Der SEA4FUTURE (S4F)-Ansatz bringt Fischerinnen, Wissenschaftler, politische Entscheidungsträgerinnen, Vertreter der Industrie und Küstengemeinden zusammen, um gemeinsam praxisnahe Lösungen für eine nachhaltigere Fischerei zu entwickeln, zu testen und weiterzuentwickeln. Ein Grundprinzip ist dabei ganz einfach: Das Wissen und die Erfahrung von Fischer:innen sind nicht nur Daten, die gesammelt werden – sie sind eine wichtige Form von Evidenz. Lösungen wie beispielsweise Veränderungen an Fanggeräten werden gemeinsam mit Stakeholdern entwickelt, an den Realitäten des Fischereialltags ausgerichtet und anschließend in sechs Fallstudien im Mittelmeer auf See getestet.
Die Erfahrungen zeigen vier wichtige Bausteine für eine erfolgreiche Zusammenarbeit:
- Von Anfang an einbinden
Erfolgreiche Zusammenarbeit beginnt mit einer frühen und ernsthaften Beteiligung. Vertrauen entsteht durch klare Kommunikation und durch Ansätze, die es ermöglichen, Wissen gemeinsam zu erfassen, zu verstehen, zu interpretieren und zu validieren. - Unterschiedliche Wissensformen verbinden
SEA4FUTURE bringt die Sozial- und Geisteswissenschaften (SSH) und die Naturwissenschaften (NS) zusammen. Der ethnografische Ansatz greift unter anderem auf die Arbeiten von Lévi-Strauss, Geertz und Latour zurück. Dabei wird untersucht, wie Interessen, Wissen und die Bereitschaft von Fischern zur Zusammenarbeit durch gesellschaftliche und politische Strukturen, lokale Kontexte, Interaktionen und kulturelle Praktiken geprägt werden.
Inspiriert von Latours Actor-Network-Theory betrachtet SEA4FUTURE außerdem die Verbindungen zwischen Menschen, Wissen, Technologien, Praktiken und Institutionen. Eine Fischereiregelung, ein neues Fanggerät oder ein institutionelles Verfahren kann ebenso beeinflussen, was in der Praxis geschieht, wie die beteiligten Menschen selbst. - Gemeinsamkeiten und Schnittstellen finden
Unterschiedliche Stakeholder bringen naturgemäß unterschiedliche Erfahrungen, Prioritäten und Ideen mit. Diese Perspektiven für ein gemeinsames Ziel zusammenzubringen, schafft Möglichkeiten für „Konvergenz“ – und stellt gleichzeitig sicher, dass das Wissen der Fischer anerkannt, respektiert und gemeinsam mit anderen Formen von Evidenz berücksichtigt wird. - Lösungen für die Praxis entwickeln
Eine Lösung kann in einem Bericht oder im Labor vielversprechend aussehen. Aber funktioniert sie auch an Bord eines Fischereifahrzeugs? Passt sie zu den lokalen Fischereipraktiken? Wird sie von Fischern akzeptiert und tatsächlich genutzt?
SEA4FUTURE stellt diese Fragen in den Mittelpunkt und trägt so dazu bei, Technologien, Fischereipraktiken und Managementmaßnahmen zu entwickeln, die lokal relevant, praxistauglich und gesellschaftlich akzeptiert sind.
SEA4FUTURE zeigt, dass Stakeholder-Einbindung weit mehr sein kann als reine Konsultation. Wenn unterschiedliche Wissensformen zusammenkommen und Menschen tatsächlich an der Entwicklung von Lösungen beteiligt sind, kann Zusammenarbeit Vertrauen stärken, Entscheidungsprozesse verbessern und zu nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Fischereien beitragen. Indem SEA4FUTURE Forschung mit den Realitäten von Fischereigemeinschaften verbindet, hilft das Projekt dabei, Wissen und Zusammenarbeit in konkretes Handeln auf See zu übersetzen.