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Unkonventionelle Ölvorkommen - Chancen und Risiken

Unkonventionelle Ölvorkommen - Chancen und Risiken
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Unkonventionelle Ölvorkommen - Chancen und Risiken

Veranstaltung
Datum
Ort
Berlin, Deutschland
Aktive Rolle

Bei einem Transatlantic Breakfast im Ecologic Institut Berlin am 12. September 2012 sprach Deborah Gordon über unkonventionelles Öl und Gas und die mit ihrer Förderung verbundenen Auswirkungen auf Klima und Versorgungssicherheit. Deborah Gordon ist Nonresident Senior Associate im Energie- und Klima Programm beim Carnegie Endowment for International Peace. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der US-Botschaft in Berlin statt.

Während des Besuches von Deborah Gordon in Berlin wurde außerdem ein 5-minütiges Video erstellt, in dem sie zum Thema unkonventionelle Ölvorkommen spricht.

Deborah Gordon gab einen umfangreichen Einblick in die Typenvielfalt der Öle, die Unsicherheit hinsichtlich ihrer chemischen Beschaffenheit und die mit ihrer Förderung verbundenen Umweltrisiken sowie möglichen Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte.

Deborah Gordon präsentierte die jüngsten Entwicklungen bei der Ausbeute neuer Ölvorkommen, die vor allem durch steigende Preise fossiler Energieträger ausgelöst wurden. Sie erklärte die Probleme, die mit der Definition und Unterscheidung verschiedener Öl- und Gastypen verbunden sind, und verwies in diesem Zusammenhang auf den Mangel öffentlich zugänglicher und verifizierbarer Informationen sowie auf mögliche Konsequenzen des Informationsungleichgewichts.

Unkonventionelle Öl- und Gasvorkommen führten auf der Angebotsseite in der letzten Dekade zu unerwarteten Veränderungen bei fossilen Ressourcen. Die USA konnten ihre Energieimporte durch die Nutzung lokaler Schiefergases reduzieren. Darüber hinaus könnten kanadische Ölsande eine wichtige Rolle dabei spielen, die Rohölnachfrage in Nordamerika zu senken.

Die Auswirkungen, die unkonventionelle Ressourcen auf die Treibhausgasemissionen haben, sind ein zentraler Teil der Debatte über ihre Förderung. Schiefergas kann Kohle bei der Stromgewinnung ersetzen und dabei helfen, Treibhausgasemissionen zu verringern – gleichzeitig würden dadurch jedoch Investitionen in erneuerbare Energien weniger dringlich erscheinen. Im Gegensatz dazu haben schwerere Ölsorten, die aus bisher ungenutzten geologischen Gesteinsformationen gewonnen werden, einen höheren Kohlenstoffanteil. Dadurch kommt es bei der Verbrennung zu einem höheren CO2-Ausstoß.

Die technologischen Prozesse, die zum Abbau der unkonventionellen Öle angewendet werden, führen auch zu politischen und öffentlichen Kontroversen. Die Rohstoffgewinnung aus Teer- und Ölsanden benötigt beispielsweise einen sehr hohen Energieinsatz. Vorschläge innerhalb Europas zur Kennzeichnung derartig gewonnener Rohstoffe als extrem umweltschädlich führten bereits zu politischen Kontroversen zwischen Kanada und der EU. Ähnliche Bedenken gibt es zum “Fracking“, einer Technologie, die geologische Tiefbohrungen durch Einpressen chemischer Flüssigkeiten ergänzt. In den durch die Bohrung erreichten Erdkrustenschichten werden Risse erzeugt und damit die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit in der Gesteinsschicht soweit erhöht, dass ein wirtschaftlicher Abbau von Erdöl oder Erdgas ermöglicht wird. In Europa konnte sich diese Methode aufgrund der befürchteten Umweltauswirkungen jedoch (bisher) nicht durchsetzen.

Allerdings deuten einige jüngere Entwicklungen darauf hin, dass bereits bestimmte Pfade geebnet wurden, von denen ohne gezielte und konzertierte politische Interventionen schwer abzukommen ist. Deborah Gordon wies beispielsweise darauf hin, dass US-amerikanische Raffinerien bedeutende Investitionen in die Aufbereitung von Schweröl zu Diesel getätigt haben, aber nicht dafür ausgerüstet seien, leichtere Rohöle, die derzeit gewonnen werden (und klimafreundlicher wären), zu raffinieren. Die existierende Infrastruktur sei deshalb tendenziell auf das Raffinieren von kohlenstoffreichem Schweröl ausgelegt, wodurch mehr Treibhausgasemissionen entstünden.

Deborah Gordon merkte außerdem an, dass der neue amerikanische Öl-Boom vor allem zur Produktion von Diesel und Ölkoks als Endprodukte (letztere sind Neben- bzw. Abfallprodukte, die verbrannt oder verflüssigt werden können) führe – beides Produkte, die anschließend exportiert werden. Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung verringert sich die Importabhängigkeit der USA bei Erdöl de facto dadurch kaum.

Zu unkonventionellen Öl- und Gasvorkommen mangelt es an öffentlich zugänglichen und verifizierbaren Informationen.

Kontakt

veranstaltet von
Partner
Aktive Rolle
Team
Jana Siemonsmeier
Datum
Ort
Berlin, Deutschland
Sprache
Englisch
Participants
20
Schlüsselwörter
Öl, Gas, Klimawandel, Energie, Treibhausgasemissionen, Fracking