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Transitioning Away from Pesticide Dependency

 

Photo: Canva.com, Cover: SPRINT project, 2026

Transitioning Away from Pesticide Dependency

EU policy recommendations

Publikation
Zitiervorschlag

Riedel, Antonia & Bibu, Teodora (2026): Policy brief: Transition to pesticide-free agriculture. Policy Brief des Horizon-2020-Projekts „SPRINT“. Verfügbar unter: https://sprint-h2020.eu

Trotz jahrzehntelanger politischer Bemühungen für einen nachhaltigeren Pflanzenschutz bleibt die europäische Landwirtschaft strukturell von synthetischen Pestiziden abhängig. Ergebnisse des SPRINT-Projekts zeigen, dass ihr Einsatz in vielen Betrieben zur Routine geworden ist. Dazu tragen unter anderem Beratungssysteme bei, die eng mit dem Verkauf von Betriebsmitteln verknüpft sind, sowie Marktanreize, die kurzfristige Erträge begünstigen. Auch politische Rahmenbedingungen greifen bislang zu kurz, da sie die grundlegenden Ursachen dieser Abhängigkeit nur unzureichend adressieren.

Ansätze wie präzisere Ausbringungstechniken oder das Ersetzen einzelner Wirkstoffe können zwar bestimmte Risiken verringern, lösen jedoch nicht die strukturellen Verfestigungen der Pestizidabhängigkeit. Eine echte Transformation erfordert stattdessen, landwirtschaftliche Systeme konsequent an ökologischen Prozessen auszurichten und gleichzeitig Politik, Märkte und Wissenssysteme entsprechend neu zu justieren.

Der Policy Brief zeigt, dass ein solcher Wandel nur gelingt, wenn landwirtschaftliche Systeme grundlegend neu gedacht werden, anstatt den chemischen Einsatz weiter zu optimieren. Es benennt konkrete politische Maßnahmen auf EU-Ebene, um diesen Übergang zu unterstützen. Dazu zählen verbindliche Reduktionsziele für Pestizide, eine stärkere Förderung agroökologischer Ansätze, unabhängige Beratungsstrukturen, gerechtere Wertschöpfungsketten sowie mehr Transparenz beim Pestizideinsatz.

Der Policy Brief bietet einen Überblick über zentrale politische Handlungsoptionen für den Übergang zu einer pestizidfreien Landwirtschaft. 

Zentrale Empfehlungen:

  • Ökologische Innovationen auf Betriebsebene fördern: Ökologische Praktiken wie Landschaftsstrukturelemente, vielfältige Anbausysteme und lokal angepasste Sorten gezielt fördern. Dafür ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit sichern und die Anwendung gezielt unterstützen.  
  • Faire Wertschöpfungsketten und Märkte stärken Regulatorische Rahmen und politische Instrumente so gestalten, dass ökologische Produktion besser honoriert wird. Dazu gehören Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung, gemeinsame Infrastrukturen für Produzierende sowie mehr Transparenz im Handel.
  • Governance für den systemischen Wandel weiterentwickeln: Einen kohärenten Rahmen schaffen, mit verbindlichen EU-Zielen zur Pestizidreduktion und pestizidarmen Praktiken als Standard. Gleichzeitig partizipative Steuerungsansätze und leicht zugängliche Unterstützungsstrukturen für den Übergang ausbauen.
  • Transparenz und gesellschaftliche Beteiligung fördern: Vertrauen und Zusammenarbeit stärken, indem zivilgesellschaftliche Beteiligung in politische Prozesse eingebettet und Daten zu Pestizideinsatz, Rückständen und Exposition transparent zugänglich gemacht werden.
  • Wissens- und Beratungssysteme reformieren: Unabhängige Beratung und aktuelles Wissen für alle zugänglich machen. Agrarökologische Ansätze in die Aus- und Weiterbildung integrieren, Experimentierräume (z. B. Living Labs) ausbauen und den Austausch zwischen Forschung, Beratung und landwirtschaftlicher Praxis gezielt intensivieren.
  • Finanzielle und wirtschaftliche Anreize an der Agrarökologie ausrichten: Förderinstrumente und öffentliche Beschaffung so anpassen, dass sie den Ausstieg aus Pestiziden ermöglichen. Ergänzend Instrumente wie Übergangszahlungen, Risikoteilung und ergebnisbasierte Vergütung von Ökosystemleistungen einsetzen. 
Ein grundlegender Wandel im Umgang mit Pestiziden ist erforderlich ist: Statt den chemischen Einsatz weiter zu optimieren, müssen landwirtschaftliche Systeme insgesamt neu ausgerichtet werden.

Kontakt

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Sprache
Englisch
Autorenschaft
Finanzierung
Jahr
Umfang
11 S.
Projekt
Projekt-ID
Schlüsselwörter
EU-Pestizidpolitik, EU-Agrarpolitik, Europäischer Green Deal, Farm-to-Fork-Strategie, EU-Biodiversitätsstrategie für 2030, EU-Bodenstrategie für 2030, EU-Klimagesetz, GAP, Renaturierungsgesetz, Mission Soil, Politik, Umsetzung der GAP, Integration von Umweltpolitik, Europa, Europäische Union, EU-Mitgliedstaaten, Pestizide, pestizidfreie Landwirtschaft, Pestizidreduktion, nachhaltiger Pflanzenschutz, integrierter Pflanzenschutz, Pflanzenschutzmittel, ökologische Schädlingsregulierung, Reduktion von Betriebsmitteln in der Landwirtschaft, resiliente Agrarsysteme, Ökosystemleistungen, Systemresilienz, biologische Schädlingsbekämpfung, Agrarökologie, Biodiversität, Landschaftsvielfalt in der Landwirtschaft, Diversifizierung von Agrarsystemen, Governance, Verfestigungen, Transformationspfade, Transformation, Theorie nachhaltiger Transformationen, Living Labs, Innovation, Austausch zwischen Landwirtinnen und Landwirten, partizipative Governance, Wertschöpfungskette, öffentliche Lebensmittelbeschaffung
Europa
Qualitative partizipative Forschung, Co-Kreation