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Von Städten und Meeren: Humboldt-Stipendiat:innen diskutieren naturbasierte Lösungen und ökosystembasierte Governance

© Ecologic Institut, 2026

Von Städten und Meeren: Humboldt-Stipendiat:innen diskutieren naturbasierte Lösungen und ökosystembasierte Governance

Veranstaltung
Datum
Ort
Berlin, Deutschland
Aktive Rolle

Am 1. Oktober 2026 begrüßte das Ecologic Institut die internationalen Klimaschutzstipendiat:innen der Alexander von Humboldt-Stiftung in seinem Berliner Büro. Die international und interdisziplinär zusammengesetzte Gruppe diskutierte, wie naturbasierte Lösungen und ökosystembasierte Governance dazu beitragen können, komplexe Umweltprobleme in umsetzbare und gemeinsam getragene Lösungsansätze zu übersetzen.

„Der besondere Wert des Besuchs lag im wechselseitigen Austausch: Wir konnten unsere Arbeit vorstellen und zugleich unsere Ansätze mit den Erfahrungen und dem Wissen von Stipendiat:innen aus sehr unterschiedlichen sozialen, ökologischen und institutionellen Kontexten diskutieren.“

Unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen

Christoph Heinrich, Geschäftsführer des Ecologic Instituts, eröffnete den Besuch mit einer Einführung in die Arbeit des Instituts an der Schnittstelle von Umweltforschung, Politik und Praxis. Die Stipendiat:innen brachten Erfahrungen aus unterschiedlichen Regionen, Fachgebieten und Phasen ihrer beruflichen Laufbahn mit – von Biodiversitätsschutz und Klimaanpassung über Stadtentwicklung und Ingenieurwesen bis hin zu naturbasierten Lösungen. Einige waren bereits über verwandte Forschungsthemen, ihre Gastinstitutionen oder die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen aus verschiedenen Teams mit dem Ecologic Institut verbunden. Gerade diese Vielfalt machte aus dem Nachmittag mehr als eine Abfolge von Vorträgen. Sie schuf Raum, um Ansätze miteinander zu vergleichen, Ideen an sehr unterschiedlichen Governance- und geografischen Kontexten zu spiegeln und voneinander zu lernen.

Naturbasierte Lösungen: von guten Ansätzen zu tragfähiger Governance

McKenna Davis, Koordinatorin Naturbasierte Lösungen und Senior Fellow am Ecologic Institut, leitete die erste thematische Session zu naturbasierten Lösungen (NbS) mit Schwerpunkt auf Szenarien und Governance für die urbane Klimaanpassung. Ausgangspunkt war der Urban Governance Atlas (UGA), der mehr als 250 Politikinstrumente zur Förderung naturbasierter Lösungen und zur Wiederherstellung von Ökosystemen zusammenführt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie NbS von einzelnen Projekten in die reguläre Stadtentwicklung und Planung überführt werden können. Diskutiert wurden vier zentrale Governance-Hebel: Koordination, Partizipation, Lernen und Institutionalisierung – ebenso wie die Frage, wie sich unterschiedliche Politikinstrumente zu wirksamen Policy-Mixes verbinden lassen. Anhand urbaner Szenarien identifizierten die Stipendiat:innen geeignete Instrumente und entwickelten Governance-Strategien für unterschiedliche lokale Herausforderungen. Ihre Erfahrungen machten zugleich deutlich, dass erfolgreiche Umsetzung nicht allein von technischen Lösungen abhängt, sondern ebenso von institutionellen Kapazitäten, Beteiligung, Ressourcen und tragfähigen Beziehungen zwischen den beteiligten Akteuren.

Das Meer als sozial-ökologisches System verstehen

Die zweite thematische Session mit Gregory Fuchs, Co-Koordinator Meere und Küsten und Fellow am Ecologic Institut, verlagerte den Blick von Städten auf den marinen Raum. Im Mittelpunkt standen ökosystembasiertes Management (EBM) und das Denken in sozial-ökologischen Systemen (SES). Beide Ansätze helfen dabei, die Verbindungen zwischen marinen Ökosystemen, menschlichen Nutzungen und Governance-Strukturen sichtbar zu machen. Anstatt Belastungen durch Fischerei, Tourismus, Schifffahrt, Küstenentwicklung oder Klimawandel getrennt zu betrachten, fragt EBM danach, wie diese innerhalb eines Gesamtsystems zusammenwirken und wie Management auf kumulative Belastungen, ökologische Vernetzung, Unsicherheit und Wandel reagieren kann. In einer interaktiven Gruppenarbeit übertrugen die Stipendiat:innen diese Ansätze auf unterschiedliche marine Kontexte. Sie kartierten zentrale sozial-ökologische Beziehungen und entwickelten Ideen dafür, wie ein ortsbezogenes „Living Lab“ Akteure dabei unterstützen könnte, Systeme gemeinsam besser zu verstehen, Maßnahmen zu erproben und daraus kontinuierlich zu lernen. Dabei ging es unter anderem darum, welche Akteure und Wissensformen einbezogen werden sollten, welche ökologischen und gesellschaftlichen Ziele wichtig sind und an welchen Stellen Management besonders wirksam ansetzen kann.

Austausch mit Perspektive über den Besuch hinaus

Die Gruppenarbeit führte zu besonders lebhaften Diskussionen. Unterschiedliche fachliche und regionale Hintergründe führten zu unterschiedlichen Annahmen, Prioritäten und Lösungswegen – und ermöglichten damit zugleich einen wertvollen Praxistest für die vorgestellten Konzepte. Darin liegt eine besondere Stärke des jährlichen Besuchs: Aktuelle Forschungs- und Politikansätze des Ecologic Instituts können mit Teilnehmenden diskutiert werden, die Erfahrungen aus sehr unterschiedlichen Ländern und institutionellen Kontexten mitbringen. Gleichzeitig bieten bestehende Verbindungen zwischen Stipendiat:innen, ihren Gastinstitutionen und dem Ecologic Institut – ebenso wie neu entstandene Kontakte – konkrete Anknüpfungspunkte für weiteren Austausch und zukünftige Zusammenarbeit. Klimaanpassung, Biodiversitätsverlust und eine nachhaltige Nutzung der Meere lassen sich nicht innerhalb einzelner Sektoren oder Disziplinen lösen. Der Besuch 2026 bot einen kleinen, aber ausgesprochen lebendigen Raum für genau jene Form des gemeinsamen Lernens und der Zusammenarbeit, die diese Herausforderungen erfordern.

Internationale Klimaschutzstipendiat:innen bringen globale Perspektiven in einen Nachmittag voller Austausch, Systemdenken und gemeinsamer Lösungsentwicklung am Ecologic Institut ein.

Kontakt

Finanzierung
veranstaltet von
Aktive Rolle
Datum
Ort
Berlin, Deutschland
Sprache
Englisch
Projekt-ID
Schlüsselwörter
Alexander von Humboldt-Stiftung, International Climate Protection Fellowship, naturbasierte Lösungen, ökosystembasierte Bewirtschaftung, sozial-ökologische Systeme, Meeresgovernance, Klimaanpassung
Living Labs, Wissensaustausch, internationale Zusammenarbeit