Nachhaltige Bewirtschaftung des Landschaftswasserhaushaltes zur Erhöhung der Klimaresilienz
Management und Werkzeuge
- Publikation
- Zitiervorschlag
Sommerhäuser, M. et al. (2025). Sachbericht zum Verwendungsnachweis: Verbundprojekt KliMaWerk – Nachhaltige Bewirtschaftung des Landschaftswasserhaushaltes zur Erhöhung der Klimaresilienz: Management und Werkzeuge (Fördermaßnahme WaX – Wasser-Extremereignisse). Projektbericht.
Der Klimawandel verschärft Trockenheit, Niedrigwasser und Starkregen in deutschen Flusseinzugsgebieten und stellt Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Ökosysteme sowie kommunale Planungen vor neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund untersuchte das Verbundprojekt KliMaWerk – Nachhaltige Bewirtschaftung des Landschaftswasserhaushaltes zur Erhöhung der Klimaresilienz im Lippe-Einzugsgebiet in Nordrhein-Westfalen, wie der Landschaftswasserhaushalt durch integrierte, praxisnahe Strategien und Maßnahmen klimaresilient gestaltet werden kann.
Ein besonderes Merkmal von KliMaWerk war die Kombination verschiedener Methoden: physiko-chemische und biologische Messungen lieferten belastbare Daten zum Gewässerzustand, während gekoppelte Oberflächen- und Grundwassermodelle hydrologische Prozesse im Ist-Zustand und unter zukünftigen Klimaszenarien abbildeten. Ergänzend wurden in multi-sektoralen Workshops gemeinsam mit lokalen Akteuren Maßnahmen entwickelt und mithilfe der Cross-Impact-Bilanzanalyse ihre Synergien und Wechselwirkungen unter unterschiedlichen sozio-ökonomischen und klimatischen Rahmenbedingungen bewertet.
Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist ein modularer Werkzeugkasten inklusive Entscheidungshilfen, der als praxisnahes Planungsinstrument die gezielte Auswahl und Priorisierung von Maßnahmen zur Erhöhung der Klimaresilienz des Landschaftswasserhaushalts unterstützt. Ergänzend wurden 18 konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt, die von Gewässer- und Regenwassermanagement über Landnutzungsanpassungen bis hin zu Governance-Ansätzen reichen und als Orientierung für Planung und Umsetzung dienen können.
Zentrale wissenschaftliche Erkenntnisse und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen aus dem KliMaWerk-Abschlussbericht sind unter anderem:
- Maßnahmen, die ausschließlich auf Hochwasserschutz oder auf Niedrigwasserabfluss abzielen, zeigen nur begrenzte Wirkung. Modellierungen belegen, dass erst kombinierte Maßnahmen, die Wasserrückhalt in nassen Perioden mit verzögertem Abfluss in Trockenphasen verbinden können, den Landschaftswasserhaushalt auf Einzugsgebietsebene stabilisieren.
- Flächenwirksame, naturbasierte Maßnahmen sind technischen Lösungen deutlich überlegen. Während technische Ansätze kurzfristig Abflussspitzen dämpfen, erzielen Maßnahmen wie Auenentwicklung, Entsiegelung oder Landnutzungsänderungen stabile Effekte auf Grundwasserneubildung sowie Hoch- und Niedrigwasserregime. Eine punktuelle Umsetzung ist dabei nicht ausreichend. Es sind flächenwirksame Maßnahmen in substanziellem Ausmaß notwendig, um klimaresiliente Zustände zu erreichen.
- Ökologische Resilienz hängt maßgeblich von lokaler Gewässerstruktur ab. Ufergehölze, Tiefenvariabilität und hydromorphologische Vielfalt senken Temperaturspitzen und schaffen Refugien für aquatische Lebewesen bei Extremereignissen.
- Die Cross-Impact-Bilanz-Analyse zeigt, dass Klimaresilienz nicht primär eine technische, sondern eine Governance-Frage ist: Nachhaltige Entwicklungspfade mit integrierter Landnutzung und intersektoraler Koordination entfalten höhere Synergien. Urbane Zielkonflikte, z. B. zwischen Wasserspeicherung und Versickerung, erfordern eine strategische Priorisierung und räumliche Differenzierung von Maßnahmen.
KliMaWerk liefert somit nicht nur Instrumente für den Landschaftswasserhaushalt, sondern auch eine klare strategische Botschaft: Ohne einen Paradigmenwechsel in Landnutzung, Gewässermanagement und Governance lassen sich die Folgen des Klimawandels im Wassersektor nicht nachhaltig bewältigen.
Das Projekt wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme WaX des Bundesprogramms Wasser: N.