Dicklyon, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, Cover: Ecologic Institute, 2025
Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren
Gutachten
- Publikation
- Zitiervorschlag
Hinzmann, Mandy; Knoblauch, Doris; Schritt, Hannes; Kraemer, R. Andreas (2025): Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren. Gutachten. Ecologic Institut, Berlin.
Lässt sich Plastikmüll effizient aus Gewässern zurückholen, bevor er im Meer landet, selbst wenn er bereits ins Meer eingetragen wurde? Welche Technologien sind dafür geeignet, und wo kommen sie am effektivsten zum Einsatz? Das vorliegende Gutachten untersucht verschiedene Ansätze zur Entfernung von Kunststoffabfällen aus Abwässern, Flüssen, Häfen, Küstengebieten und dem offenen Meer. Dabei werden sowohl wissenschaftliche Studien als auch aktuelle Berichte, Informationen von Technologieanbietern und Expert:inneninterviews berücksichtigt.
Ein großer Teil des Plastikmülls in der Umwelt gelangt über Flüsse in die Meere und in den Ozean, die damit eine zentrale Senke für Abfälle aus dem Inland darstellen. Gleichzeitig wird ein Teil des Plastiks wieder an Küsten und Strände zurückgespült. In der Umwelt – v. a. in den empfindlichen aquatischen Ökosystemen – richtet der Plastikmüll Schäden für Flora und Fauna sowie das gesamte Ökosystem an. Verschiedene Unternehmen, Vereine oder Organisationen versuchen, den Müll wieder aus den Meeren und dem Ozean herauszuholen oder aus Abwässern oder Flüssen abzufangen, noch bevor er ins Meer gelangen kann. Zu diesem Zweck wurden unterschiedliche Technologien entwickelt.
Die Analyse zeigt: Eine Vielzahl solcher Technologien ist bereits in der Anwendung. Das Gutachten beleuchtet ihre Effizienz, ökologischen Risiken, geeignete Einsatzbedingungen sowie die Verwertung des geborgenen Mülls. Darauf aufbauend werden mögliche Einsatzszenarien für diese Technologien skizziert und deren Wirksamkeit ins Verhältnis zu Vermeidungsstrategien gesetzt.
Das Gutachten kommt zu folgenden Erkenntnissen:
- Eine Kombination aus vorbeugenden Maßnahmen und der gezielten Anwendung von Technologien zur Entfernung von Kunststoffen bietet das größte Potenzial, die Belastung der Gewässer nachhaltig zu reduzieren.
- Dabei sollte der Fokus insbesondere auf Abwasser, Flüssen, Flussmündungen und Häfen liegen, wo Plastikmüll effizienter gesammelt und größere ökologische Schäden vermieden werden können.
- Die Entfernung von Plastikmüll aus dem offenen Meer sollte aufgrund der geringen Effizienz und potenziell schädlichen Auswirkungen nur in Ausnahmefällen erfolgen, z. B. zur Bergung von Geisternetzen oder im Falle von Havarien.
- Bislang fehlt es weitgehend an wissenschaftlich fundierten Informationen zur Wirksamkeit der Technologien. Einheitliche Monitoring-Standards sind erforderlich, um unbeabsichtigte ökologische Folgen, die wirtschaftliche Effizienz und sinnvolle Einsatzmöglichkeiten abschätzen zu können.
Zugleich gilt: Technische Lösungen können vorhandenen Müll zwar entfernen, lösen aber nicht die Ursachen der Meeresverschmutzung. Ohne eine systemische Änderung wird weiterhin Plastik in die Meere gelangen, die Mengen werden sogar zunehmen.
Das Gutachten wurde im Auftrag des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) erstellt. Es ist eingeflossen in die TA-Kompaktstudie Nr. 5 (doi:10.5445/IR/1000191167).