© Ecologic Institut, 2026
Just2Adapt Tool: Unterstützung von Regierungen bei einer sozial gerechten Klimaanpassung
- Publikation
- Zitiervorschlag
McGlade, Katriona; Tröltzsch, Jenny and Flora Dicke (2026): Just2Adapt Tool: Supporting governments with socially just climate adaptation. Berlin: Ecologic Institute.
Researcher des Ecologic Instituts haben ein neues Tool entwickelt, das Regierungen dabei helfen soll, sozial gerechte Strategien zur Anpassung an den Klimawandel zu erarbeiten. Das „Just2Adapt“-Tool ermöglicht es den Nutzenden, die Gerechtigkeitsaspekte von Hitzeschutzplänen sowohl auf strategischer Ebene als auch auf der Ebene einzelner Maßnahmen zu analysieren. Da sich die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit bei Hitze ungleichmäßig auf die Bevölkerung verteilen, ist es wichtig, dass Strategien zur Anpassung an Hitze soziale Gerechtigkeitsaspekte berücksichtigen.
Soziale Gerechtigkeit als Schlüssel wirksamer Hitzeanpassung
Zahlreiche sich überschneidende Faktoren beeinflussen die Gesundheitsrisiken, die von zunehmenden Hitzeextremen ausgehen. Alter, Geschlecht, bestehender Gesundheitszustand, Mobilität, soziale Netzwerke, Einkommen sowie Lebens- und Arbeitsbedingungen wirken sich alle darauf aus, wie sich die zunehmende Hitze auf Individuen auswirkt. Um wirksam zu sein, müssen Anpassungsmaßnahmen diese Unterschiede berücksichtigen. Die Wirksamkeit von Hitzeschutzplänen gewinnt in Europa zunehmend an Bedeutung, wo zunehmende Hitze Gesundheitsprobleme hervorrufen oder verschlimmern und damit die Krankheitslast einer Bevölkerung erhöhen kann. Starker Hitzestress kann zudem tödliche Folgen haben. Neun von zehn Todesfällen infolge extremer Wetterereignisse in Europa sind auf Hitze zurückzuführen, und in Deutschland war Hitzestress im Jahr 2025 für rund 2.500 zusätzliche Todesfälle verantwortlich (EEA 2024; RKI 2025).
Just2Adapt: Ein Instrument für sozial gerechte Klimaanpassung
Das Just2Adapt-Tool wurde gemeinsam mit der Landesregierung des Landes Bremen getestet und wird derzeit auf andere Regionen und Städte in Europa und darüber hinaus angewendet. Die Arbeit wurde von Katriona McGlade und Jenny Tröltzsch im Rahmen des ACCREU-Projekts geleitet.
Der Hitzeaktionsplan Bremen: Hitzerisiken und soziale Verwundbarkeit gemeinsam betrachten
Die Analyse hat Beispiele für Best-Practices in Hitzeschutzplänen sowie Lücken in der Berücksichtigung der sozialen Gerechtigkeit bei den Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit aufgezeigt. So führte Bremen beispielsweise eine räumliche Kartierung durch, um zu verstehen, wo sich städtische Wärmeinseleffekte mit den Standorten sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen überschneiden. Der Bremer Hitzeschutzplan berücksichtigt diese Aspekte bei der Kommunikation und Bewältigung von Hitzewellen. Allerdings sind Aspekte der sozialen Gerechtigkeit noch nicht eindeutig in die Stadtplanung oder in das Monitoring und die Auswertung von Maßnahmen zur Anpassung an die Hitze integriert.
Städtische Begrünung zwischen Klimaanpassung und Green Gentrification
Die Einbeziehung sozialer Gerechtigkeit in die Stadtplanung ist ein wichtiger Aspekt bei Maßnahmen zur Verbesserung der Kühlung in Städten. Das Pflanzen von Bäumen oder die Begrünung von Gebäudefassaden und Dächern kann den Stadtbewohner:innen eine Reihe von Ökosystemleistungen bieten. Es muss jedoch darauf geachtet werden, welche Stadtteile und Bevölkerungsgruppen davon profitieren. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Maßnahmen Ungleichheiten verschärfen und zu ausgrenzenden Formen der „grünen Gentrifizierung“ führen.
Unterstützung für Kommunen und Regionen bei einer gerechten Hitzevorsorge
Die Europäische Umweltagentur hat die Entwicklung von Aktionsplänen zum Schutz der Gesundheit vor Hitze als dringende Priorität für Europa identifiziert. Das neue Just2Adapt-Tool bietet politischen Entscheidungstragenden und ausführenden Stellen wichtige Unterstützung, um sicherzustellen, dass bei Strategien zur Bewältigung der Auswirkungen extremer Hitze niemand zurückgelassen wird.