Photo: Pixabay.com
Naturbasierte Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) gelten als zentraler Ansatz, um Biodiversitätsverlust, Klimawandel und gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Sie leisten Beiträge zur EU-Biodiversitätsstrategie, zur EU-Strategie zur Anpassung an den Klimawandel, zur Bonn Challenge sowie zum Global Biodiversity Framework. Damit diese Ziele erreicht werden können, müssen NbS in großem Maßstab und in unterschiedlichen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Kontexten umgesetzt werden. Dabei stellt sich jedoch die Frage der Gerechtigkeit: Wer profitiert von Maßnahmen wie der Wiedervernässung von Mooren, der Renaturierung von Flussauen oder urbaner Begrünung – und wer trägt mögliche Kosten?
Forschungsfrage und Ziele von FairNature
Das Projekt FairNature untersucht, wie naturbasierte Lösungen über größere geografische Räume hinweg gerecht skaliert werden können. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung eines Rahmens, der Akteurinnen und Akteuren auf verschiedenen Ebenen – von lokalen Initiativen bis hin zu politischen Entscheidungsträgern – Orientierung bietet.
Im Mittelpunkt stehen drei wissenschaftliche Ziele:
- werden die Gerechtigkeitsimplikationen der Skalierung von NbS systematisch analysiert,
- identifiziert das Projekt Bedingungen und Anforderungen, unter denen NbS zu einer gerechten transformativen Veränderung beitragen können,
- werden Biodiversität, gesellschaftliche Werte, Governance-Strukturen und Finanzierungsmodelle in konkreten Anwendungsfällen untersucht und hinsichtlich unterschiedlicher Skalierungsansätze bewertet.
Sechs Praxisfälle in Europa
FairNature arbeitet mit sechs NbS-Fallstudien in verschiedenen europäischen Ländern, die unterschiedliche geografische und institutionelle Kontexte abbilden. Diese reichen von lokalen Landschaftsprojekten bis zu überregionalen Initiativen entlang der gesamten Innovationskette, einschließlich privater Investoren und Förderinstrumente. In sogenannten „Reflexive Labs“ entwickeln Forschende gemeinsam mit Praxisakteuren, politischen Entscheidungsträgern und weiteren Stakeholdern geeignete Skalierungsansätze, testen diese und passen sie an. Die beteiligten Praxispartner wirken aktiv an der Entwicklung des Forschungsrahmens, der Fragestellungen und Methoden mit.
Leitfaden für gerechte transformative Veränderung
Zentrales Ergebnis des Projekts wird ein FairNature-Leitfaden sein, der praktische Erfahrungen aus den Fallstudien und die gemeinsam erarbeiteten Forschungsergebnisse bündelt. Er soll zeigen, wie Skalierungsstrategien gestaltet werden können, um Biodiversitätsschutz, gesellschaftliches Wohlbefinden und Gerechtigkeit miteinander zu verbinden. Der Leitfaden stützt sich auf unterschiedliche Wissensformen – wissenschaftliche Analysen ebenso wie Praxis- und Erfahrungswissen. Methodisch kommen unter anderem qualitative Fallbeschreibungen („thick descriptions“), Zielkonfliktanalysen, Politikbewertungen, Szenario-Methoden, Interviews und Experimente zum Einsatz.
Projektüberblick
FairNature ist ein europäisches Forschungsprojekt zur gerechten Skalierung naturbasierter Lösungen. Es verbindet transnationale Praxisfälle mit ko-kreativer Forschung und Wissensaustausch zwischen Projekten. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte und zugleich praxisnahe Empfehlungen zu entwickeln, um NbS in unterschiedlichen Kontexten wirksam und gerecht umzusetzen.