© European Commission, 2025
Scaling up Freshwater Restoration and Nature-based Solutions in Europe
An evidence-informed workflow
- Publikation
- Zitiervorschlag
Baattrup-Pedersen, A., et al. 2025. Scaling up freshwater restoration and Nature-based Solutions in Europe: an evidence-informed workflow. MERLIN Deliverable D3.7. https://project-merlin.eu/deliverables.html
Süßwasserökosysteme in ganz Europa – darunter Flüsse, Seen, Feuchtgebiete und Auen – stehen zunehmend unter Druck durch Verschmutzung, Fragmentierung, übermäßige Wasserentnahme und den Klimawandel. Trotz bestehender EU-Politikrahmen erreichen die meisten dieser Ökosysteme die ökologischen Zielvorgaben nicht.
Methodischer Rahmen zur räumlichen Priorisierung von Renaturierungsmaßnahmen
Der vorliegende Bericht stellt einen strategischen, evidenzbasierten Ansatz vor, um die Ausweitung von Maßnahmen zur Wiederherstellung von Süßwasserökosystemen und die Umsetzung naturbasierter Lösungen in Europa zu unterstützen. Im Zentrum steht der MERLIN-Upscaling-Workflow, ein flexibles Instrument zur Entscheidungsunterstützung, das europaweite Datensätze nutzt, um Gebiete mit besonders hoher Wirkung für Renaturierungsmaßnahmen zu identifizieren.
Simulation ökologischer und gesellschaftlicher Wirkungen auf europäischer Ebene
Der MERLIN-Upscaling-Workflow kann europaweit angewendet werden, um ökologische und gesellschaftliche Nutzen von Renaturierungsinitiativen zu simulieren und kosteneffiziente Umsetzungsstrategien zu entwickeln. Er richtet sich an Verwaltungen, Behörden und Fachleute, die an der Entwicklung von Wiederherstellungsmaßnahmen mitwirken, beispielsweise im Rahmen der Verordnung zur Wiederherstellung der Natur. Ebenso kann er von Behörden im Naturschutz und im Flussgebietsmanagement genutzt werden, um abgestimmte Maßnahmen zu planen, die sowohl die Naturschutzrichtlinien als auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie unterstützen.
Quantifizierung und monetäre Bewertung ausgewählter Ökosystemleistungen
Der Upscaling-Workflow wurde in fünf ausgewählten Fallstudien angewendet, um seine Anwendbarkeit und seinen Nutzen bei der Quantifizierung von Ökosystemleistungen sowie bei deren Bewertung im Rahmen von Kosten-Nutzen-Analysen zu demonstrieren. Dabei wurden unter anderem Effekte wie Nährstoffrückhalt, Minderung von Hochwasserrisiken und Klimaregulation betrachtet.
Modellgestützte Bewertung von Ökosystemleistungen und Biodiversitäts-Wiederherstellungspotenzial
Auf Grundlage datenbasierter Modellierungen zu Standortbedingungen, Landnutzung, Hydrologie und Vernetzung wurde das Wiederherstellungspotenzial für Süßwasserlebensräume abgeschätzt, mit besonderem Fokus auf See- und Fließgewässerlebensräume innerhalb von Natura-2000-Gebieten.
Der Bericht beleuchtet zudem Finanzierungswege und betont eine effektivere Nutzung von EU-Instrumenten, nationalen Förderprogrammen und privaten Finanzierungsquellen.
Finanzierungswege und diversifizierte Finanzierungsstrategien für die Renaturierung
Um Renaturierungsmaßnahmen in großem Maßstab umzusetzen, reicht es nicht aus, lediglich geeignete Standorte für Maßnahmen zu identifizieren – ebenso entscheidend ist die finanzielle Tragfähigkeit der Projekte. Der MERLIN Upscaling Workflow umfasst daher eine eigene Komponente zur Finanzplanung, die Renaturierungsteams dabei unterstützt, integrierte Finanzierungsstrategien zu entwickeln. Dieser Ansatz verknüpft ökologische Modellierung, die Bewertung von Ökosystemleistungen sowie Kosten-Nutzen-Analysen mit der Identifizierung geeigneter Finanzierungsquellen und Einnahmeströme.
Mehrzieloptimierung bei überlappenden Rechts- und Politikrahmen
Der Bericht wird EU-Institutionen und Mitgliedstaaten dabei unterstützen, Wiederherstellungsverpflichtungen in konkrete Maßnahmen und tragfähige Finanzierungsmodelle zu überführen, die messbare ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ergebnisse erzielen. Wir empfehlen den MERLIN-Upscaling-Workflow als evidenzbasiertes Instrument, um Renaturierungsmaßnahmen im Süßwasserbereich europaweit zu priorisieren und auszuweiten. Durch die frühzeitige Identifizierung standortspezifischer Potenziale und die Quantifizierung von Ökosystemleistungen bereits in der Planungs- und Entwurfsphase ermöglicht der Workflow eine strategische und kosteneffiziente Umsetzung auf regionaler und lokaler Ebene.
Angesichts der Schwere der aktuellen Biodiversitätskrise empfehlen wir, Wiederherstellungsmaßnahmen darauf auszurichten, das volle Potenzial der biologischen Vielfalt von Ökosystemen zu erschließen. Dabei sollten Synergien und Zielkonflikte ausdrücklich berücksichtigt werden, insbesondere dort, wo mehrere politische Zielsetzungen und rechtliche Schutzvorgaben zusammenwirken. Nur so lässt sich der wirksame Schutz bedrohter und geschützter Arten, Lebensräume und Ökosysteme sicherstellen.