© Josselin Rouillard, 2026
Der MERLIN-Finanzierungsansatz zur Skalierung der Süßwasserrestaurierung in Europa
- Präsentation
- Datum
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- Ort
- Brussels, Belgien
- Vortrag
Mit der bevorstehenden Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie kann die Wiederherstellung von Süßwasserökosystemen in großem Maßstab finanziert werden? Auf einer gemeinsamen Policy-Veranstaltung in Brüssel stellte Dr. Josselin Rouillard den Ansatz des MERLIN-Projekts vor, der praktische Instrumente, politikrelevante Analysen und finanzielle Innovationen miteinander verbindet, um die Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen vor Ort zu unterstützen.
Von fragmentierter Förderung zu strukturierten Finanzierungsansätzen
Ein zentraler Beitrag von MERLIN ist die Entwicklung eines strukturierten Finanzierungsrahmens zur Unterstützung der Skalierung von Renaturierungsmaßnahmen. Dieser umfasst vier zentrale Bausteine:
- einen Workflow zur strategischen Planung von Förder- und Finanzierungsoptionen für die Wiederherstellung von Süßwasserökosystemen,
- einen Katalog potenzieller Einnahmequellen,
- ein Verzeichnis relevanter Finanzierungsmechanismen und -instrumente sowie
- sogenannte „Off-the-Shelf“-Finanzierungsinstrumente (OTSI), die eine vertiefte Orientierung zu konkreten Förder- und Finanzierungsoptionen bieten.
Diese Elemente unterstützen Praktikerinnen und Praktiker dabei, sich in der komplexen Landschaft unterschiedlicher Finanzierungsquellen zurechtzufinden und tragfähige Finanzierungsstrategien zu entwickeln.
Diversifizierung der Finanzierung – Chancen und Herausforderungen
Ein zentrales Thema des Vortrags war die Diversifizierung von Finanzierungsquellen, insbesondere durch die stärkere Einbindung privater Investitionen. Dieser Ansatz ist jedoch mit Herausforderungen verbunden. Dr. Rouillard betonte, dass hohe Transaktionskosten nach wie vor ein wesentliches Hindernis für private Investitionen in Renaturierungsmaßnahmen darstellen. Die Entwicklung finanziell tragfähiger Projekte erfordert häufig erhebliche Vorleistungen, Koordination und Risikomanagement – Faktoren, die die Skalierbarkeit begrenzen können. Gleichzeitig hob er die weiterhin zentrale Rolle öffentlicher Finanzierung hervor. Viele der mit Renaturierung verbundenen Leistungen lassen sich nur schwer monetarisieren. Öffentliche Mittel sind daher entscheidend, um bestehende und zukünftige Maßnahmen zu ermöglichen, Risiken für private Akteure zu reduzieren und deren Engagement zu fördern. Zudem sind sie unerlässlich, um die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie und der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur zu erreichen.
Finanzierung zugänglich machen: Instrumente und Kapazitätsaufbau
Um diese Herausforderungen zu adressieren, arbeitete MERLIN mit 18 Fallstudien und entwickelte Ansätze zur Unterstützung einer diversifizierten Finanzierung, insbesondere durch:
- die Identifikation von Finanzierungs- und Geschäftsmöglichkeiten im Austausch mit relevanten Sektoren,
- gezielten Kapazitätsaufbau, einschließlich Trainings- und Beratungsangeboten, sowie
- technische Unterstützung zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle im Bereich der Süßwasserrestaurierung.
Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Lücke zwischen Renaturierungspraxis, Wirtschaft und Finanzsektor zu überbrücken und die Beteiligung weiterer Akteursgruppen zu ermöglichen.
Die Rolle der Agrarpolitik
Öffentliche Finanzierung bleibt ein zentraler Pfeiler der Süßwasserrestaurierung – insbesondere im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).
Im Vortrag wurden mehrere Ansatzpunkte zur Verbesserung hervorgehoben:
- eine stärkere Förderung von Feuchtgebiets- und Auenrenaturierung,
- eine strategischere Ausrichtung von Fördermitteln sowie
- der Abbau umweltschädlicher Subventionen.
Eine bessere Verzahnung der Agrarpolitik mit Renaturierungszielen ist entscheidend, um Wirkungen im großen Maßstab zu erzielen.
Finanzierung als Schlüssel zur Skalierung
Die Diskussionen in Brüssel wurden durch Beiträge von Christoph Heinrich, der die Notwendigkeit steigender Investitionen in die Süßwasserrestaurierung betonte, sowie von Gerardo Anzaldua ergänzt, der Ansätze zur Entwicklung von Wertschöpfungsketten und Einnahmemodellen im Rahmen der MERLIN-Skalierungsstrategie vorstellte.
Gemeinsam verdeutlichen diese Perspektiven: Die Skalierung von Renaturierungsmaßnahmen in Europa erfordert nicht nur politischen Willen, sondern auch robuste, zugängliche und diversifizierte Finanzierungsmodelle.