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Ecologic Institut Newsletter Nr. 285 – Juni 2026

Ecologic Institut Newsletter Nr. 285 – Juni 2026

Strategische Entwicklung des Ecologic Instituts

Ecologic Institut Newsletter
Three colleagues stand together in an office and hold a cube featuring the Ecologic Institute logo. The group smiles at the camera in a bright meeting space, symbolising leadership, collaboration, and teamwork within the organisation.

Vier Programme für integrierte Umweltforschung

Liebe Leserinnen und Leser,

die ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit sind zunehmend miteinander verflochten. Wirksame Lösungen entstehen heute nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel unterschiedlicher Governance-Ebenen, Politikfelder und wissenschaftlicher Perspektiven.

Um diesen komplexen Dynamiken mit größerer Wirkung zu begegnen, schärft das Ecologic Institut sein strategisches Profil.

Wir bündeln und integrieren unsere vielfältigen wissenschaftlichen Kompetenzen in vier neue Programme: Klima, Ressourcen, Wasser sowie Menschen & Natur. Die Programme sind dabei mehr als organisatorische Einheiten. Sie dienen als dynamische Foren für transdisziplinäre Zusammenarbeit, Innovation und wissenschaftliche Vertiefung. Für unsere Partnerinnen und Partner bedeutet diese Weiterentwicklung ein klareres Profil, bessere Ansprechbarkeit und weitere Möglichkeiten zur gemeinsamen Entwicklung zukunftsweisender Lösungen.

Geleitet werden die Programme von Direktorinnen und Direktoren, die den strategischen Kurs des Instituts mitgestalten und unsere Expertise auf höchster Ebene nach außen vertreten. Die gemeinsame Leitung des neuen Klimaprogramms durch Eike Karola Velten und Matthias Duwe spiegelt unseren integrativen Ansatz wider. Sie vereinen Expertise in Klima-Governance, Politikimplementierung, Ökonomie, datenbasierter Analyse und internationaler Klimadiplomatie – zentrale Bausteine für die Bewältigung der ökologischen Herausforderungen unserer Zeit.

Gleichzeitig übernimmt Doris Knoblauch als Direktorin die Leitung des Ressourcenprogramms. In dessen Mittelpunkt steht eine der entscheidenden Fragen zukünftiger Entwicklung: Wie können Gesellschaften ihren Ressourcenverbrauch reduzieren und gleichzeitig Wohlstand sowie soziale Lebensqualität sichern? Unter ihrer Leitung wird sich das Programm auf die Förderung nachhaltiger Ressourcennutzung, die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft, die Bioökonomie und den Lebensmittelsektor sowie die Unterstützung systemischer Veränderungen hin zu nachhaltigeren Produktions- und Konsummustern konzentrieren.

Die strategische Ausrichtung und Besetzung der Programme Wasser sowie Menschen & Natur wird im Verlauf des Jahres erfolgen. Wir freuen uns darauf, die Zusammenarbeit mit Ihnen in dieser neuen, gestärkten Struktur fortzusetzen.

Eine vergnügliche Lektüre wünscht

Christoph Heinrich 
Executive Director 

Veröffentlichungen

Die EU-Umweltstrafrechtsrichtlinie: Der Schlüssel zur konsequenten Verfolgung von Wasserkriminalität? – Artikel

Die neue EU-Umweltstrafrechtsrichtlinie soll Umweltverstöße wirksamer verfolgen und sanktionieren. Dieser Fachaufsatz gibt einen Überblick über die Richtlinie mit dem Schwerpunkt auf Gewässerschutzdelikten und bewertet anhand der geplanten Umsetzung in Deutschland, inwieweit die Richtlinie die Verfolgung von Wasserkriminalität erleichtert.

Artikel 27 der EU-Methanverordnung: Argumente gegen eine Schonfrist – Bericht

Laut einem durchgesickerten Entwurf erwägt die Europäische Kommission eine dreijährige Schonfrist, während der Verstöße gegen die Anforderungen der EU-Methanverordnung für importierte fossile Brennstoffe nicht sanktioniert würden. Der Bericht spricht sich gegen eine solche Schonfrist für Verstöße gegen die Berichtspflichten nach Artikel 27 aus. Für diese Anforderungen gefährdet das reguläre Durchsetzungsregime die Energiesicherheit der EU nicht und enthält bereits Schutzmechanismen für Importeure, die sich ernsthaft um die Einhaltung der Vorschriften bemühen. Eine Schonfrist würde hingegen die Compliance-Anreize schwächen und sowohl die Klimaziele der Verordnung als auch die regulatorische Glaubwürdigkeit der EU untergraben.

Rumäniens Entwurf eines Sanktionssystems zur EU-Methanverordnung – Bericht

Die Sanktionsregelungen für Verstöße gegen die EU-Methanverordnung (EUMR) müssen von den Mitgliedstaaten im Einklang mit Artikel 33 EUMR erlassen werden. Dieser Bericht untersucht die Sanktionsbestimmungen des im April 2026 von der rumänischen Regierung vorgeschlagenen Entwurfs einer Notverordnung. Dabei werden wesentliche Elemente der Nichtkonformität identifiziert. Zu den Hauptproblemen gehören das Risiko, dass für eine unbegrenzte Anzahl von Verstößen innerhalb desselben Öl- und Gasfeldes lediglich eine einzige Sanktion verhängt werden kann, dass Sanktionen für Verstöße an großen Anlagen dem ministeriellen Ermessen unterliegen, dass die Sanktionshöhen sehr niedrig sind und keine abschreckende Wirkung entfalten, dass der Entwurf erhebliche Schlupflöcher enthält und dass die spezifischen Anforderungen des Artikels 33 der EU-Methanverordnung nicht umgesetzt werden. 

Stärkung des Bodenschutzes und der Altlastensanierung durch Überarbeitung des Bodenschutzrechts – Bericht

Die Anforderungen an den Bodenschutz haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich verändert. Die Studie legt einen vollständig ausformulierten Entwurf für eine Novelle des Bundes-Bodenschutzgesetzes vor und formuliert Vorschläge für einen stärkeren vorsorgenden Bodenschutz. Dazu gehören Ziele und Kriterien für einen guten Bodenzustand, neue Instrumente zur Begrenzung von Flächenverbrauch sowie Regelungen zum Schutz kohlenstoffreicher Böden. Zudem werden Anforderungen an Bodenmonitoring, Datenaustausch und Vollzug konkretisiert. Der Bericht bietet damit eine fachliche Grundlage und einen konkreten Gesetzestext für die Weiterentwicklung des Bodenschutzrechts in Deutschland.

Effizienter Vollzug der Sanktionen im Emissionshandelsrecht – Bericht

Mit zunehmender Ausweitung des EU-Emissionshandels steigen die Anforderungen an ein wirksames Sanktionsregime. Der Bericht analysiert die geltenden Sanktionsregelungen im Emissionshandelsrecht und formuliert Vorschläge für deren Weiterentwicklung. Im Mittelpunkt stehen Fragen des Ordnungswidrigkeitenrechts, darunter die Unternehmensverantwortung bei Aufgabendelegation, die Einführung eines Bußgeldkatalogs oder Fälle mit Auslandsbezug.  Die Empfehlungen zielen sowohl auf den Vollzug bestehender Vorschriften als auch auf Gesetzesänderungen.

Meeresentlastung und Resilienzstärkung – MEER:STARK-Bericht

Das MEER:STARK-Projekt hat seine Ergebnisse zur Stärkung von Klimaanpassung und Meeresschutz in Nord- und Ostsee veröffentlicht. Die Studie identifiziert ökologische Renaturierung, adaptive Raumplanung und eine abgestimmte Governance als zentrale Erfolgsfaktoren für resiliente Meeresökosysteme. Zudem betont sie die Bedeutung einer verbesserten Umsetzung bestehender Maßnahmen gegen Eutrophierung sowie eines stärkeren naturbasierten Küstenschutzes. Die Handlungsempfehlungen bieten eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für eine nachhaltige und klimaresiliente Meerespolitik.

Naturbasierte Anpassung stärkt tropische Küsten gegen Klimarisiken – Diskussionspapier

Tropische Küstenregionen sind besonders stark von Meeresspiegelanstieg und Extremwetter betroffen. Das Diskussionspapier beschreibt, wie Mangrovenwälder und Korallenriffe Küstenerosion, Sturmfluten und Überflutungen mindern und zugleich Biodiversität sowie lokale Einkommen unterstützen. Anhand internationaler Fallbeispiele bewertet es Erfolgsfaktoren und Finanzierungsinstrumente für naturbasierte Anpassungsmaßnahmen und formuliert Empfehlungen für deren langfristige Verankerung in Küsten- und Anpassungsstrategien.

Wer entscheidet über naturbasierte Lösungen – und wer bleibt außen vor? – Roundtable

Naturbasierte Lösungen werden eingesetzt, um Umwelt- und Klimaprobleme zu bewältigen. Viele betroffene Gruppen haben jedoch weiterhin wenig Einfluss auf Entscheidungen. Ein Roundtable von The Nature of Cities diskutiert mit 29 Autor:innen aus aller Welt, wie Beteiligung und Umweltgerechtigkeit besser umgesetzt werden können. Die Beiträge benennen Hindernisse für eine faire Mitgestaltung und zeigen Ansätze, um Betroffene frühzeitig und wirksam in Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Rückblick: Veranstaltungen und Präsentationen

Ecologic Institut unterstützt Europäische Kommission bei Fachdialog zu permanenten CO₂-Entnahmen

Moderation: Hugh McDonald

Bei den CRCF Days 2026 unterstützte Hugh McDonald die Europäische Kommission bei der Konzeption des ersten Veranstaltungstags zu permanenten CO₂-Entnahmen und moderierte die Eröffnungssitzung. Die Diskussionen behandelten die Steigerung der freiwilligen Nachfrage durch einen „EU Buyers Club“, das Nachfragepotenzial durch die Integration in das Emissionshandelssystem sowie die Voraussetzungen für Investitionen und Infrastruktur. Der Aufbau eines europäischen Marktes für dauerhafte Kohlenstoffentfernungen erfordert nicht nur technologischen Fortschritt, sondern auch verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine ausreichende Nachfrage.

Lokaler Meeresschutz – global wirksam – Parlamentarisches Frühstück

Beim parlamentarischen Meeresfrühstück am 9. Juni 2026 im Deutschen Bundestag diskutierten Vertreter aus Politik, Entwicklungszusammenarbeit und Naturschutz, wie Deutschland lokale Meeresschutzansätze langfristig unterstützen kann. Am Beispiel Mosambiks standen Erfahrungen aus dem gemeindebasierten Meeresschutz sowie Herausforderungen durch Klimawandel und Biodiversitätsverlust im Mittelpunkt. Die Diskussion zeigte, wie lokale Gemeinschaften und internationale Partnerschaften naturbasierte Schutzmaßnahmen stärken können. Dr. Grit Martinez brachte dabei Erfahrungen aus dem Projekt TROPICAL ADAPT ein.

Auf dem Weg zu naturpositiven Finanzströmen – Biodiversa+-Expertenworkshop

Beim Biodiversa+-Workshop „Toward Nature-Positive Finance: Scientific Foundations for Action“ organisierte das Ecologic Institut am 10. Juni 2026 eine Sitzung zur EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur mit. Dabei brachte das Institut seine Expertise zu langfristigen Finanzierungsmechanismen für die Wiederherstellung von Ökosystemen ein. Zudem wurde ein neuer Biodiversa+-Policy Brief zu öffentlich-privaten Partnerschaften für die Wiederherstellung der Natur vorgestellt.

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Roadmap für eine naturpositive Wirtschaft in Europa – Stakeholder-Konsultation

Am 24. Juni 2026 laden das Ecologic Institut, das Trinity College Dublin und WWF Schweden zu einer Online-Konsultation zur Weiterentwicklung einer Roadmap für eine naturpositive Wirtschaft in Europa ein. Die Veranstaltung diskutiert Chancen, Hemmnisse und politische Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Wandel. Teilnehmende können die weitere Ausarbeitung der Roadmap mit ihren Erfahrungen und Einschätzungen unterstützen. Zudem werden erste Ergebnisse des Horizont-Europa-Projekts GoNaturePositive! vorgestellt. 

Logistik für regionale Bio-Produkte in Brandenburg – Marktinformationsgespräch

Am 8. Juli 2026 diskutieren Fachleute aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Vermarktung über Logistiklösungen für regionale Bio-Produkte in Brandenburg. Die Veranstaltung stellt Praxisbeispiele zu Transport, Bündelung und Zwischenlagerung vor und beleuchtet digitale Werkzeuge sowie Kooperationsmodelle. Gemeinsam bewerten die Teilnehmenden erfolgreiche Ansätze, bestehende Engpässe und Möglichkeiten, regionale Bio-Wertschöpfungsketten besser zu vernetzen.

Kohlenstoffspeicherung in Seegrasökosystemen – Workshop

Am 12. und 13. Oktober 2026 diskutieren Fachleute in Berlin, wie sich die Kohlenstoffspeicherung in Seegrasökosystemen der Nord- und Ostsee besser bewerten lässt. Der Workshop vergleicht Modellierungsansätze und untersucht den Einfluss von Eutrophierung auf Kohlenstoffdynamiken und die Wirksamkeit von Maßnahmen. Die Ergebnisse fließen in gemeinsame Empfehlungen für Politik und Praxis sowie in einen geplanten Policy Brief ein. Beiträge können bis zum 30. August 2026 eingereicht werden.