© S. Kreibich, 2026
Naturnahe Klimaanpassung
Vortrag vor den Arbeitsgruppen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
- Präsentation
- Datum
-
- Ort
- online and Berlin, Deutschland
- Vortrag
Am 8. Juni 2026 waren Jenny Tröltzsch und McKenna Davis vom Ecologic Institut eingeladen, zentrale Erkenntnisse zur naturnahen Klimaanpassung in der Arbeitsgruppe der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen (WSBK) vorzustellen. An dem Austausch nahmen außerdem Mitglieder der Arbeitsgruppe des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (UKN) teil. Die hybride Sitzung fand im Deutschen Bundestag statt und widmete sich den Ergebnissen sowie den daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen des Projekts „Natürlich Klimaanpassung!“.
Naturnahe Lösungen für die kommunale Klimaanpassung
Jenny Tröltzsch, Senior Fellow und Koordinatorin Klimaanpassung, sowie McKenna Davis, Senior Fellow und Koordinatorin für naturbasierte Lösungen, stellten die zentralen Ergebnisse des Projekts „Natürlich Klimaanpassung!“ vor. Das von Jenny Tröltzsch koordinierte Vorhaben wurde vom Umweltbundesamt initiiert und gefördert und vom Ecologic Institut gemeinsam mit Birgit Georgi umgesetzt.
Im Mittelpunkt des Projekts stand die Frage, wie Kommunen bei der Planung und Umsetzung naturbasierter Lösungen zur Klimaanpassung wirksam unterstützt werden können. Aufbauend auf einer umfassenden Literaturauswertung, Interviews sowie dem Austausch mit kommunalen Akteur:innen, Planungsbüros und Verbänden wurde deutlich, dass naturbasierte Lösungen zwar ein hohes Potenzial für eine wirksame Klimaanpassung besitzen, ihre Umsetzung jedoch weiterhin durch strukturelle Hemmnisse erschwert wird. Dazu zählen insbesondere rechtliche Rahmenbedingungen, begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten, personelle Engpässe sowie der Bedarf an einer stärkeren ressort- und sektorübergreifenden Zusammenarbeit.
Die Referentinnen erläuterten, welchen Beitrag naturbasierte Lösungen zur Anpassung von Kommunen an die Folgen des Klimawandels leisten können, welche Hindernisse ihrer breiten Umsetzung derzeit entgegenstehen und welche politischen Maßnahmen ihre Verbreitung in den kommenden Jahren beschleunigen könnten. Dabei wurde hervorgehoben, dass geeignete kommunale Verwaltungsstrukturen, etablierte Kooperationsformate und belastbare Netzwerke wesentliche Voraussetzungen dafür sind, Klimaanpassung systematisch in Stadtentwicklung, Wasserwirtschaft, Biodiversitätsschutz und die Gestaltung öffentlicher Räume zu integrieren.
Finanzierung, Instrumente und Kommunikation als zentrale Hebel der Umsetzung
Im anschließenden Austausch wurden verschiedene Fragen der parlamentarischen Arbeitsgruppen aufgegriffen. Diskutiert wurde unter anderem:
- welche naturbasierten Maßnahmen von Kommunen derzeit besonders häufig nachgefragt werden,
- welche besonders wirksamen Maßnahmen bislang noch zu selten umgesetzt werden und
- wo die größten Hemmnisse liegen – bei der Finanzierung, den personellen Kapazitäten, den rechtlichen Rahmenbedingungen oder der politischen Prioritätensetzung.
Jenny Tröltzsch und McKenna Davis stellten zudem praxisorientierte Unterstützungsinstrumente vor, die im Rahmen des Projekts entwickelt wurden. Dazu gehört insbesondere eine kommunale Instrumenten-Toolbox für die naturbasierte Klimaanpassung, die Kommunen den Zugang zu bestehenden Planungs- und Umsetzungshilfen erleichtert. Rund 30 Instrumente und Leitfäden wurden in das Deutsche Klimavorsorgeportal (KLiVO) integriert und über die Themenseite des Umweltbundesamtes bereitgestellt.
Darüber hinaus wurden Finanzierungsmöglichkeiten vorgestellt, die über klassische öffentliche Förderprogramme hinausgehen. Die im Projekt erarbeitete Finanzierungsbroschüre beleuchtet unter anderem differenzierte Niederschlagswassergebühren, kommunales Crowdfunding, Sponsoring, Business Improvement Districts (BIDs), kommunale Green Bonds, grüne Kommunalkredite sowie revolvierende Fonds. Diese Instrumente können Kommunen sowohl bei der Finanzierung von Investitionen als auch bei der langfristigen Pflege und Unterhaltung naturbasierter Lösungen unterstützen. Ihre Eignung hängt jedoch von der Größe der Kommune, ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit und den jeweiligen Projektanforderungen ab.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Kommunikation. Die Referentinnen machten deutlich, dass Öffentlichkeitsarbeit kein ergänzendes Element, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor für die naturbasierte Klimaanpassung ist. Eine verständliche Kommunikation, zielgruppengerechte Beteiligungsformate und die frühzeitige Einbindung relevanter Akteur:innen stärken die gesellschaftliche Akzeptanz, die politische Unterstützung und die langfristige Wirksamkeit entsprechender Maßnahmen.
Handlungsempfehlungen zur Beschleunigung der Umsetzung
Abschließend wurde erörtert, welchen Beitrag der Deutsche Bundestag leisten kann, um die naturbasierte Klimaanpassung in den kommenden fünf Jahren wirksam voranzubringen. Auf Grundlage der Projektergebnisse sowie des Urban Governance Atlas wurden drei zentrale Handlungsfelder hervorgehoben:
- Kommunen benötigen verlässliche und langfristig angelegte Finanzierungsinstrumente, die neben Investitionen auch die dauerhafte Pflege, das Monitoring und ausreichende Verwaltungskapazitäten absichern und sich nicht auf Pilotvorhaben beschränken.
- Rechtliche und planerische Rahmenbedingungen sollten so weiterentwickelt werden, dass naturbasierte Lösungen einfacher in reguläre kommunale Planungs-, Vergabe- und Stadtentwicklungsprozesse integriert werden können.
- Die Bundespolitik sollte den Wissenstransfer, praxisorientierte Unterstützungsangebote und die ressortübergreifende Zusammenarbeit gezielt stärken, damit Kommunen von einzelnen Modellprojekten zu einer systematischen und flächendeckenden Umsetzung naturbasierter Klimaanpassung gelangen können.