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Eine "grüne Revolution" auf dem Finanzmarkt?

Eine "grüne Revolution" auf dem Finanzmarkt?

Timeloc
11. Juli 2018
Berlin
Deutschland

Am 11. Juli 2018 diskutierte ein Climate Talk am Ecologic Institut, ob sich gerade eine "grüne Revolution" am Finanzmarkt anbahnt, und was der EU-Aktionsplan für Nachhaltige Finanzen für den Klimaschutz bedeutet. Knapp 40 Teilnehmer beteiligten sich an der regen Diskussion. Als Impulsgeber leiteten Sabine Pex (ISS-Oekom), und Eva Kracht (BMU) sowie Karsten Löffler (Frankfurt School of Finance & Management) die Diskussion ein.

Im März 2018 hat die EU Kommission mit dem Aktionsplan für Nachhaltige Finanzen eine Blaupause für den Umbau des Finanzsystems Richtung Nachhaltigkeit vorgestellt. Im Mai folgten konkrete Vorschläge für die legislative Umsetzung. Dazu gehört ein Kriterienkatalog (Taxonomie), um nachhaltige ökonomischen Tätigkeiten zu klassifizieren, Vorgaben zu Transparenz von Anlagemöglichkeiten sowie zur Bewertung nachhaltiger Anlagen. Zudem sollen Finanz- und Versicherungsunternehmen in Zukunft ihre Kunden nach einer Präferenz für nachhaltige Produkte fragen. Mit dem Aktionsplan greift die Kommission Empfehlungen auf, die eine hochrangige Expertengruppe in den vergangenen Jahren erarbeitet hatte. Der weitere Zeitplan ist ambitioniert: bis Mai 2019 sollen nun das europäische Parlament und der europäische Rat zu einer Einigung kommen, damit die Gesetzgebungsvorschläge noch in der laufenden EU-Legislaturperiode umgesetzt werden können.

Die Diskussion drehte sich u.a. um folgende Fragen: Sind die Kommissionsvorschläge tatsächlich geeignet, um nachhaltige Finanzierung in den finanzwirtschaftlichen Mainstream zu bringen, oder bewegen wir uns immer noch in der grünen Nische? Wo steht Deutschland in dieser Debatte – droht Frankfurt gerade den Anschluss zu verlieren an Paris und London, wo die Finanzwirtschaft – mit starker politischer Unterstützung – das Thema deutlich entschlossener angeht? Wie kann die Bundesregierung nachhaltige Finanzen besser fördern – und was davon sollte auf nationaler Ebene, auf EU-Ebene oder innerhalb der G20 geschehen?

Im Fokus der Debatte um Sustainable Finance in der Kommission stehen Finanzmarktstabilität und der Beitrag des Finanzsektors zur Erreichung des Ziels des Pariser Abkommens. Die Vorschläge der Kommission sind jedoch sprachlich nicht eindeutig, auf welche Geschäftsaktivitäten die Regulierung angewendet werden soll. Dies kritisierten Teilnehmer des Climate Talk, da durch die ungenaue Formulierung eine Interpretationsmöglichkeit besteht, dass die Regulierung sich auf Geschäftsaktivitäten bezieht, die nachhaltige Produkte/Dienstleistungen anbieten, aber nicht auf sonstige Geschäftsaktivitäten. Somit ergäbe sich eine erhöhte Berichtspflicht für Anbieter nachhaltiger Geldanlagen, derzeit etwa 3% des Marktanteils, während für konventionelle Anbieter keine zusätzliche Transparenz erreicht wird. Somit bliebe die Regulierung eine Nischenregulierung und würde den Mainstream nicht betreffen.

Die Rolle der Finanzindustrie in Deutschland ist sehr heterogen. Einige Akteure sind klare Vorreiter, währen andere deutlich zurückhaltender auftreten. Im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass die deutsche Finanzindustrie keine treibende innovative Kraft in der Debatte ist. Besonders Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont, wie beispielsweise Pensionsfonds und andere institutionelle Anleger, sollten sich aktiver einbringen. Immerhin sind Experten deutscher Finanzhäuser in der kürzlich gegründeten Technical Expert Group zur Umsetzung der Legislativvorschläge stärker vertreten als dies etwa in der High-Level Expert Group oder auch in der TCFD der Fall war.

Die Bundesregierung hat bislang noch keine Position zu den Legislativvorschlägen. Der Stellenwert des Themas ist gleichwohl erkannt – nicht zuletzt seitdem die Umleitung der Finanzflüsse als drittes Ziel (nach Minderung und Anpassung) im Pariser Abkommen definiert wurde. Der gestiegene Stellenwert schlägt sich auch darin nieder, dass das Thema innerhalb des BMU aufgewertet wird. Stärker in den Mittelpunkt rücken sollten die wirtschaftlichen Chancen, die sich aus diesem Prozess ergeben, und die eine Reihe von Studien immer wieder betont haben.