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Wie bekommen wir das Plastikproblem in den Griff?

Wie bekommen wir das Plastikproblem in den Griff?

Doris Knoblauch live zu Gast bei der WDR5 Radio Sendung Quarks

Präsentation
Datum
Interview

Plastik findet sich heute praktisch überall in der Umwelt – auch in unseren Flüssen. Doch woher kommt der Müll eigentlich, obwohl Deutschland über ein vergleichsweise gut funktionierendes Abfall- und Recyclingsystem verfügt? Und was muss sich ändern, damit weniger Plastik in Flüsse und schließlich in die Meere gelangt? Darüber sprach Doris Knoblauch, Direktorin des Ressourcenprogramms am Ecologic Institut, bei „WDR 5 Quarks – Wissenschaft und mehr“.

Wie Plastik und Mikroplastik in unsere Flüsse gelangen

Die Ursachen sind vielfältiger, als der Blick auf weggeworfene Flaschen oder Verpackungen zunächst vermuten lässt. Neben solchem sichtbaren Müll gelangt auch Mikroplastik auf zahlreichen Wegen in die Umwelt. Reifenabrieb wird beispielsweise mit Regenwasser weitergetragen, Zigarettenfilter enthalten Kunststofffasern, und auch aus Landwirtschaft und Alltagsprodukten können Kunststoffe freigesetzt werden. Über Regenwasser, Kanalisation und andere Eintragspfade erreichen sie schließlich Bäche und Flüsse und von dort häufig das Meer.

Plastic Pirates: Zehn Jahre Citizen Science gegen Plastikverschmutzung

Wie lange Plastik in der Umwelt verbleibt, zeigen auch die Daten der Plastic Pirates. Die Citizen-Science-Aktion feiert 2026 ihr zehnjähriges Bestehen in Deutschland. Schülerinnen, Schüler und Jugendgruppen untersuchen dabei Flüsse und Küsten und erfassen nach wissenschaftlichen Methoden, welchen Müll sie dort finden. Obwohl bestimmte Einwegkunststoffprodukte in der EU bereits seit mehreren Jahren verboten sind, ist bei den entsprechenden Funden bislang noch kein deutlicher Rückgang zu erkennen. Plastik, das einmal in die Umwelt gelangt ist, bleibt dort oft über lange Zeit erhalten.

Plastik vermeiden: Warum Clean-ups allein nicht ausreichen

Gerade deshalb reicht es nicht, Plastik erst dann einzusammeln, wenn es bereits am Flussufer oder im Wasser liegt. Clean-up-Aktionen seien wichtig und schafften zugleich Aufmerksamkeit für das Problem, erklärte Knoblauch. Entscheidend sei aber, früher anzusetzen und Abfälle möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Das betrifft nicht nur Verbraucher:innen. Auch Unternehmen und Handel können dazu beitragen – etwa durch Mehrwegsysteme und weniger Einwegverpackungen entlang der Lieferketten. Gleichzeitig hilft es, Produkte länger zu nutzen und den hohen Verbrauch insgesamt zu hinterfragen.

Bildung und Citizen Science schaffen Bewusstsein für Plastikmüll

Dabei spielen auch Aufklärung und Bildung eine wichtige Rolle. Bei den Plastic Pirates erleben junge Menschen unmittelbar, wie groß das Problem an Gewässern tatsächlich ist. Aus dieser Erfahrung entstehen Fragen, die über das eigene Verhalten hinausgehen: Was müsste sich an bestehenden Systemen ändern? Was können Unternehmen tun – und welche politischen Rahmenbedingungen braucht es? Für Doris Knoblauch ist ein kritisches Bewusstsein deshalb ein wichtiger Hebel im Umgang mit Plastikverschmutzung.

Globales Plastikabkommen: Der gesamte Lebenszyklus von Kunststoffen im Blick

Von den Flussufern führt die Debatte damit unmittelbar auf die politische und internationale Ebene. Bei den Verhandlungen über ein globales Plastikabkommen, die Knoblauch als Beobachterin begleitet hat, steht eine grundlegende Frage im Zentrum: Soll sich die internationale Gemeinschaft vor allem darauf konzentrieren, Abfälle besser zu sammeln, zu sortieren und zu recyceln – oder muss bereits bei der Produktion von Kunststoff angesetzt und sein gesamter Lebenszyklus betrachtet werden? Die Positionen der Staaten liegen weiterhin weit auseinander. Knoblauch betonte zugleich, dass die Verhandlungen nicht gescheitert seien: Alle Beteiligten säßen weiterhin am Verhandlungstisch und suchten nach möglichen Kompromissen.

Das Gespräch bei WDR 5 machte deutlich, wie viele Ebenen beim Kampf gegen Plastikverschmutzung zusammenspielen: vom Wissen darüber, wie Plastik überhaupt in unsere Gewässer gelangt, über Bildung, Mehrweg und Veränderungen in Lieferketten bis hin zu internationalen Regeln für den Umgang mit Kunststoffen.

Plastikverschmutzung lässt sich nicht allein durch Aufräumen lösen. Entscheidend ist, Plastikmüll von vornherein zu vermeiden – durch wirksame politische Rahmenbedingungen auf europäischer und globaler Ebene.

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