© Ecologic Institute, 2026
Stadtnatur
Europäischer Vernetzungsworkshop
- Veranstaltung
- Datum
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- Ort
- Bonn, Deutschland
- Aktive Rolle
Der europäische Vernetzungsworkshop zur Stadtnatur, organisiert vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Unterstützung des Ecologic Instituts, fand am 5. und 6. Mai 2026 in Bonn statt. Die Veranstaltung mit begrenztem Teilnehmerkreis brachte zentrale Akteure aus ganz Europa zusammen, die im Bereich Stadtnatur und Biodiversität tätig sind. Vertreten waren sowohl EU- als auch Nicht-EU-Perspektiven sowie nationale Behörden und Fachagenturen, Städte, die Wissenschaft, EU-Institutionen und einschlägige Netzwerke. Das interaktive und stark teilnehmerorientierte Format förderte den fachlichen Austausch zu gemeinsamen Herausforderungen und praxisnahen Lösungsansätzen in den Bereichen Planung, Umsetzung, Governance, Finanzierung, Monitoring und Kapazitätsaufbau der Stadtnatur auf verschiedenen Verwaltungsebenen. Zugleich stärkte der Workshop die Vernetzung zwischen Akteuren, die sich für die Förderung urbaner Biodiversität und die Wiederherstellung von Natur einsetzen. Die Moderation der Veranstaltung übernahm McKenna Davis vom Ecologic Institut, unterstützt von Teresa Spantzel und Fenja Kroos.
Ein zentrales Thema des Workshops war die Umsetzung von Artikel 8 der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (Nature Restoration Regulation, NRR), der sich auf die Wiederherstellung urbaner Ökosysteme sowie die Ausweitung städtischer Grünflächen und Baumkronenbedeckung konzentriert. Die Diskussionen beleuchteten sowohl Chancen als auch Herausforderungen bei der Umsetzung der Verordnung auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene. Darüber hinaus wurden grundsätzliche Fragen zur Qualität der Stadtnatur, zur Mehrebenen-Governance sowie zu praktischen Umsetzungsaspekten erörtert.
Zu den zentralen Themen des zweitägigen Workshops gehörten:
- Umsetzung von Artikel 8 der Nature Restoration Regulation: Im Mittelpunkt standen Herausforderungen bei der Abgrenzung urbaner Ökosystemflächen, der Definition „zufriedenstellender Niveaus“ städtischer Grünflächen sowie das Spannungsfeld zwischen EU-weiter Vergleichbarkeit und nationaler beziehungsweise lokaler Flexibilität.
- Daten, Monitoring und Indikatoren: Die Teilnehmenden tauschten Erfahrungen mit unterschiedlichen Datensätzen und Monitoringansätzen aus und thematisierten unter anderem uneinheitliche Definitionen urbaner Räume, begrenzte GIS-Kapazitäten sowie Zielkonflikte zwischen Genauigkeit, Vergleichbarkeit und praktischer Umsetzbarkeit auf kommunaler Ebene.
- Qualität versus Quantität bei der Wiederherstellung urbaner Ökosysteme: Die Diskussionen unterstrichen die Notwendigkeit, Bewertungsrahmen für Stadtnatur nicht ausschließlich auf quantitative Indikatoren zu stützen, sondern verstärkt qualitative Aspekte wie Biodiversitätsqualität, ökologische Konnektivität, Zugänglichkeit, Ökosystemfunktionen und menschliches Wohlbefinden zu integrieren.
- Planungsinstrumente und rechtliche Rahmenbedingungen: Beispiele aus Polen, Litauen, Italien, Deutschland, Schweden und dem Vereinigten Königreich zeigten, wie räumliche Planung, kommunale Entwicklungspläne und Urban Nature Plans Biodiversitätsaspekte stärker in Entscheidungen zu Wohnungsbau, Infrastruktur und Flächennutzung integrieren können.
- Governance und Mehrebenenkoordination: Erörtert wurde, wie Zuständigkeiten zwischen nationaler, regionaler und kommunaler Ebene verteilt sind. Regionale Akteure wurden dabei als wichtige Vermittlungsinstanzen hervorgehoben, während lokale Verantwortung als entscheidender Erfolgsfaktor für die Umsetzung galt. Zudem wurde die sogenannte „Berichtslücke“ zwischen kommunalem Handeln und dessen Abbildung in nationalen Berichten an internationale Gremien als zentrales Problem identifiziert.
- Finanzierung und Anreizsysteme für Stadtnatur: Die Teilnehmenden diskutierten nationale Förderprogramme, kommunale Anreizsysteme, Ansätze zum Biodiversity Net Gain, kombinierte öffentlich-private Finanzierungsmodelle sowie die Bedeutung niedrigschwelliger Förderinstrumente für Kommunen.
- Kapazitätsaufbau und Umsetzungsunterstützung: Wiederholt angesprochen wurden begrenzte administrative, finanzielle und technische Kapazitäten vieler Städte und Gemeinden – insbesondere kleinerer Kommunen – sowie der Bedarf an Leitlinien, Schulungen und Möglichkeiten zum kollegialen Lernen. Als mögliche Lösungsansätze wurden langfristige Unterstützungsstrukturen durch Wissensnetzwerke und stärker regional ausgerichtete Unterstützungsangebote genannt.
- Bürgerbeteiligung und Kommunikation: Die Diskussionen unterstrichen die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit, Beteiligungsprozessen und sichtbaren Pilotprojekten, um Akzeptanz für Maßnahmen zur Entwicklung der Stadtnatur zu schaffen. Hervorgehoben wurde insbesondere das Potenzial einer verbesserten Kommunikation der positiven Wirkungen von Natur auf Gesundheit, Klimaanpassung und Lebensqualität sowie die stärkere Verankerung von Biodiversität in unterschiedlichen Politik- und Handlungsfeldern.
Der Workshop bot außerdem Gelegenheit zum Austausch darüber, wie urbane Biodiversität und die Rolle von Städten in internationalen Biodiversitätsprozessen im Vorfeld der CBD-COP17 stärker berücksichtigt werden können. Diskutiert wurden unter anderem eine größere Anerkennung internationaler Städtenetzwerke, die stärkere Integration kommunaler Berichterstattung in nationale Berichtsprozesse gegenüber internationalen Foren sowie die systematische Berücksichtigung urbaner Räume in mehreren Zielsetzungen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD).