Ecologic Institut Newsletter Nr. 283 – April 2026
Aktuelles zum Nationalen Wiederherstellungsplan für die Natur in Deutschland
- Ecologic Institut Newsletter
Öffentlichkeitsbeteiligung im Frühjahr 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
mit dem Inkrafttreten der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur ist der Umgang mit degradierten Ökosystemen zu einer zentralen Aufgabe der europäischen Umweltpolitik geworden. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, bis September 2026 erste Entwürfe des nationalen Wiederherstellungsplans (National Restoration Plan, NRP) vorzulegen. In Deutschland erreicht dieser Prozess derzeit einen wichtigen Meilenstein.
Vom 25. April bis zum 25. Juni 2026 sind Bürger:innen, Institutionen und Verbände eingeladen, den Entwurf des NRP zu kommentieren und so die Umsetzung der EU-Ziele aktiv mitzugestalten. Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist dabei weit mehr als eine formale Anforderung. Sie ist eine Voraussetzung für tragfähige Lösungen und eine erfolgreiche Umsetzung. Denn die Wiederherstellung von Ökosystemen betrifft unterschiedliche Nutzungen und Interessen – von Land-, Forst- und Wasserwirtschaft bis hin zu urbanen Räumen.
Das Ecologic Institut unterstützt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) bei der Entwicklung des ersten NRP und erarbeitet gemeinsam mit Partnern zentrale fachliche Grundlagen. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung einer systematischen Maßnahmenliste für terrestrische Ökosysteme, eine Arbeitshilfe zur Ermittlung von Potenzialflächen sowie die Aufbereitung und Analyse relevanter Datengrundlagen, Materialien und Textentwürfe für den NRP.
Darüber hinaus befassen wir uns mit Fragen der Umsetzung und Bewertung von Wiederherstellungsmaßnahmen. Aktuell entwickeln wir beispielsweise ein Evaluationskonzept zur Bewertung der Wirksamkeit von Wiederherstellungsmaßnahmen.
Ergänzend gestalten wir den europäischen Austausch zu zentralen Umsetzungsfragen aktiv mit, unter anderem durch die Förderung des Wissensaustauschs zwischen zentralen Akteurinnen und Akteuren im Bereich Stadtnatur sowie zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Alpenraum.
Die kommenden Wochen bieten eine wichtige Gelegenheit, die Ausgestaltung der Wiederherstellungspolitik in Deutschland mitzugestalten. Wir laden Sie ein, sich an der Konsultation zu beteiligen und die in diesem Newsletter vorgestellten Arbeiten, Veröffentlichungen und Veranstaltungen zu entdecken.
Viel Freude bei der Lektüre,
Dr. Benjamin Kupilas
Coordinator Biodiversity
Europas Weg zur klimaneutralen Industrie – Clean Industrial Transition Monitor
Der Clean Industrial Transition Monitor von ECNO bewertet anhand von mehr als 50 Indikatoren die Fortschritte hin zu einer klimaneutralen und wettbewerbsfähigen Industrie in Europa. Trotz eines umfassenden politischen Rahmens durch den Clean Industrial Deal bleiben Hürden bestehen: geringe Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten, Finanzierungslücken und unzureichende Infrastruktur. Der Bericht macht deutlich, dass stabile CO₂-Preise, verlässliche politische Signale und gezielte Maßnahmen zur Stärkung der Nachfrage die Transformation beschleunigen.
Europäische Energiesicherheit oder Fügsamkeit? – Analyse
Diese Arbeit unterzieht eine intransparente Gemeinsame Erklärung (JS) zur Gasversorgungssicherheit einer kritischen Analyse, die am 24. Februar 2026 in Washington, D. C., vom Vorsitzenden des US-amerikanischen „National Energy Dominance Council“ gemeinsam mit Minister:innen aus zwölf mittel- und osteuropäischen Ländern unterzeichnet wurde. Indem sie zentrale europäische Interessen wie Klimasicherheit, den Ausbau erneuerbarer Energien und eine echte Diversifizierung der Versorgung ausblendet, droht sie, die Abhängigkeit von Europas neuem dominanten Gaslieferanten, den USA, zu verfestigen.
Wiederherstellung von Küstenfeuchtgebieten in Europa – Umsetzungsfahrplan
Europas Küstenfeuchtgebiete sind wertvolle natürliche Ökosysteme: Sie speichern Kohlenstoff, schützen die Biodiversität und stärken die Resilienz gegenüber den Folgen des Klimawandels. Der im RESTORE4Cs-Projekt entwickelte Umsetzungsfahrplan unterstützt nationale Behörden dabei, die Wiederherstellung von Küstenfeuchtgebieten gezielt zu planen und umzusetzen. Er beschreibt konkrete Schritte, um Maßnahmen an nationale Rahmenbedingungen anzupassen und gleichzeitig aktuelle Instrumente und Erkenntnisse zu nutzen. Zwei Pilotfahrpläne für Portugal und Rumänien zeigen, wie sich die Ansätze in unterschiedlichen Verwaltungskontexten anwenden lassen.
Bewertung der grünen Architektur der GAP-Strategiepläne – Leitlinien
Die „grüne Architektur“ der strategischen GAP-Pläne vereint zentrale Instrumente zur Erreichung von Umwelt- und Klimazielen. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch davon ab, wie effektiv diese Maßnahmen zusammenwirken. Neue Leitlinien der Europäischen Kommission erläutern, wie sich Wirksamkeit, Kohärenz und Effizienz der grünen Architektur als Gesamtsystem bewerten lassen. Das Ecologic Institut wirkte an der Kohärenzbewertung mit und identifizierte Synergien sowie Zielkonflikte zwischen den Instrumenten. Die Leitlinien zeigen, wie sich die Umwelt- und Klimawirkung der GAP systematisch bewerten und verbessern lässt.
Nutzung der GAP zur Verringerung der Pestizidabhängigkeit – Policy Brief
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist ein wichtiger Hebel bei der Verringerung der Pestizidabhängigkeit in der europäischen Landwirtschaft. Ein Policy Brief aus dem Horizont-2020-Projekt SPRINT kommt zu dem Ergebnis, dass ihr Potenzial bislang nicht ausgeschöpft wird. Viele Instrumente der „grünen Architektur“ setzen noch zu geringe Anreize für grundlegende Veränderungen. Um den Übergang zu nachhaltigeren Pflanzenschutzsystemen zu beschleunigen, braucht es ambitioniertere Mindeststandards, gezielter ausgestaltete Fördermaßnahmen sowie eine bessere Verzahnung der Instrumente innerhalb der GAP-Strategiepläne.
Wege aus der Pestizidabhängigkeit – Politische Handlungsempfehlungen für die EU
In diesem SPRINT-Policy-Brief wird die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels in den europäischen Agrarsystemen in Bezug auf den Pestizideinsatz aufgezeigt. Anstatt sich auf die Optimierung der Produktionsmittel zu konzentrieren, muss ein erfolgreicher Wandel systemische Fehlentwicklungen in den Bereichen Governance, Beratungs- und Wissenssysteme, Agronomie und Märkte angehen. Der Brief formuliert konkrete politische Maßnahmen, die aus einem fünfjährigen partizipativen Forschungsprozess in zehn europäischen Ländern hervorgegangen sind.
Klimafitte Meeresschutzgebiete – Studie
Mit zunehmendem Klimawandel hängt die Wirksamkeit von Meeresschutzgebieten immer stärker davon ab, wie konsequent Klima- und Anpassungsaspekte in Planung, Management und Governance integriert werden. Diese Studie auf Basis strukturierter Expert:innen-Workshops in Europa identifiziert die wissenschaftlichen, governance-bezogenen und sozioökonomischen Voraussetzungen. Klimafitte Meeresschutzgebiete müssen ökologisch robust, sozial inklusiv und durch kohärente Governance-Strukturen getragen sein – und zugleich flexibel genug, um sich an veränderte Bedingungen in den Meeren anzupassen.
Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren – Gutachten
Lässt sich Plastikmüll effizient aus Gewässern zurückholen, bevor er im Meer landet? Welche Technologien sind dafür geeignet und wo kommen sie am effektivsten zum Einsatz? In einem aktuellen Gutachten des Ecologic Instituts wurden verschiedene Ansätze zur Entfernung von Kunststoffabfällen aus Abwässern, Flüssen, Häfen, Küstengebieten und dem offenen Meer untersucht. Das Gutachten analysiert ökologische Risiken, Effizienz und mögliche Einsatzszenarien der Technologien und formuliert Empfehlungen an die Politik. Es wurde im Auftrag des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) erstellt.
Ecologic Institut auf dem 3. Europäischen Carbon Farming Summit 2026
Podiumsdiskussion und Vorträge: Hugh McDonald, Aaron Scheid, Jonathan Gardiner
Auf dem European Carbon Farming Summit 2026 in Padua diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Forschung, Privatsektor und Praxis die nächste Phase des Carbon Farming. Die Beiträge des Ecologic Instituts zeigten, dass neben glaubwürdigen Zertifizierungsstandards vor allem Nachfrage, politische Klarheit, wie die Zertifikate in Zukunft genutzt werden können, und innovative Finanzierungsmodelle ausschlaggebend für die Skalierung von Carbon Farming sind.
Bewertung der Kohärenz grüner Architektur
Vortrag: Dr. Josselin Rouillard
Beim Workshop des EU-GAP-Netzwerks zu bewährten Verfahren in Larnaca stellte Dr. Josselin Rouillard Ansätze zur Kohärenzbewertung der „grünen Architektur” der strategischen GAP-Pläne der Mitgliedstaaten vor. Die Diskussion zeigte, dass „grüne“ Instrumente im Rahmen der GAP als Teil eines umfassenderen Systems von Maßnahmen und politischen Anreizen bewertet werden sollten. Dazu gehört die Berücksichtigung von Wechselwirkungen innerhalb der GAP (z. B. zwischen „grünen“ Instrumenten wie Ökosystemen und „nicht-grünen“ Instrumenten wie Einkommensstützung) sowie zwischen der GAP und externen Politikbereichen wie Flussgebietsmanagementplänen, priorisierten Aktionsrahmen und Aktionsplänen für den ökologischen Landbau. Der Workshop stellte Methoden vor, mit denen sich Synergien, Zielkonflikte und Lücken systematisch analysieren lassen.
Plastik und Umwelt
Vorlesung: Doris Knoblauch
Am 24. März 2026 hielt Doris Knoblauch eine Vorlesung zu Strategien gegen Plastikverschmutzung und zum aktuellen, kritischen Stand der Verhandlungen für ein globales Plastikabkommen. Die Veranstaltung war Teil des 49. UNEP/UNESCO/BMUKN International Postgraduate Course on Environmental Management, dessen Teilnehmende das Ecologic Institut besuchten. Die Vorlesung behandelte globale Herausforderungen, den Textilsektor und zentrale Handlungsoptionen.
Co-Produktion von Klimadienstleistungen: Von der Politik zur praktischen Umsetzung
Vortrag: Dr. Grit Martinez
Beim fünften Climateurope2-Webstival brachte Dr. Grit Martinez Perspektiven aus Wissenschaft und Politik zusammen, um die Rolle von Co-Produktion für die Weiterentwicklung von Klimadienstleistungen in Europa zu analysieren. Ihr Beitrag verdeutlichte, dass Co-Produktion ein zentraler Hebel ist, um Klimawissen besser an reale Entscheidungsprozesse anzupassen und die Lücke zwischen Wissen und praktischem Handeln zu schließen.
Zirkuläre Textilien – Statuskonferenz
Die Statuskonferenz „Zirkuläre Textilien“ vom 15. bis 17. Juni 2026 in Augsburg bringt erstmals die (Zwischen-)Ergebnisse von 16 Verbundprojekten zusammen, die an Lösungen für eine zirkuläre Textilwirtschaft arbeiten. Neben Projektpräsentationen stehen Austausch und Diskussion im Mittelpunkt, unter anderem in thematischen Workshops zu zentralen Querschnittsfragen. Die Veranstaltung ermöglicht zudem Vernetzung innerhalb der CirTex-Community sowie Einblicke in die textile Geschichte des Standorts Augsburg. Eine Anmeldung ist bis zum 26. Mai 2026 möglich.
Gemeinsamer DMCSEE und C3S Workshop mit der südosteuropäischen Nutzergemeinschaft
Der Copernicus Climate Change Service (C3S) lädt gemeinsam mit dem Drought Management Centre for Southeastern Europe (DMCSEE) am 10. Juni 2026 zu einem Online-Workshop zur Nutzung von Klimadaten für das Dürremonitoring in Südosteuropa ein. Der Workshop stellt C3S-Produkte vor, zeigt Anwendungsbeispiele und ermöglicht den Austausch zu Nutzerbedarfen. Er unterstützt Fachanwender:innen dabei, Klimadaten gezielt für das Dürremonitoring einzusetzen.
Inhalte
- Veröffentlichungen
- Europas Weg zur klimaneutralen Industrie – Clean Industrial Transition Monitor
- Europäische Energiesicherheit oder Fügsamkeit? – Analyse
- Wiederherstellung von Küstenfeuchtgebieten in Europa – Umsetzungsfahrplan
- Bewertung der grünen Architektur der GAP-Strategiepläne – Leitlinien
- Nutzung der GAP zur Verringerung der Pestizidabhängigkeit – Policy Brief
- Wege aus der Pestizidabhängigkeit – Politische Handlungsempfehlungen für die EU
- Klimafitte Meeresschutzgebiete – Studie
- Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren – Gutachten
- Rückblick: Präsentationen
- Ecologic Institut auf dem 3. Europäischen Carbon Farming Summit 2026
- Bewertung der Kohärenz grüner Architektur
- Plastik und Umwelt
- Co-Produktion von Klimadienstleistungen: Von der Politik zur praktischen Umsetzung
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- Zirkuläre Textilien – Statuskonferenz
- Gemeinsamer DMCSEE und C3S Workshop mit der südosteuropäischen Nutzergemeinschaft