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Geschichte der Umweltpolitikforschung – ein Zeitstrahl von den 1960er Jahren bis zur Energiewende

 
Zeitstrahl zur Geschichte der Umweltpolitikforschung in Deutschland von 1960 bis 1978. Dargestellt sind wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse, internationale Umweltkonferenzen sowie die Gründung zentraler Institutionen der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung.

© Ecologic Institute, 2014

Geschichte der Umweltpolitikforschung – ein Zeitstrahl von den 1960er Jahren bis zur Energiewende

Interaktiver Zeitstrahl

Publikation
Zitiervorschlag

Ecologic Institut (2014): Geschichte der Umweltpolitikforschung – ein Zeitstrahl von den 1960er Jahren bis zur Energiewende. Interaktiver Zeitstrahl. Berlin: Ecologic Institut.

Wie haben sich Umweltpolitik, Umweltforschung und wissenschaftsbasierte Politikberatung in Deutschland entwickelt – und welche politischen, gesellschaftlichen und institutionellen Ereignisse haben diesen Weg geprägt? Der im Projekt „Vom ‚blauen Himmel über der Ruhr‘ zur Energiewende“ entwickelte Zeitstrahl macht mehr als fünf Jahrzehnte deutscher Umweltpolitikgeschichte auf einen Blick sichtbar.

Von den frühen Debatten der 1960er Jahre bis zur Energiewende führt die Visualisierung politische Entwicklungen, gesellschaftliche Konflikte, internationale Meilensteine und die Entstehung zentraler Institutionen der Umweltforschung zusammen. Dadurch wird deutlich, dass sich wissenschaftsbasierte Umweltpolitikforschung nicht unabhängig von ihrem gesellschaftlichen und politischen Umfeld entwickelte. Vielmehr entstand sie im Zusammenspiel von staatlicher Umweltpolitik, kritischer Wissenschaft, Umweltbewegung, internationalen Impulsen und neuen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Umweltpolitikgeschichte in ihrem zeitlichen Zusammenhang

Der Zeitstrahl beginnt in den 1960er Jahren – einer Phase, in der Umweltfragen allmählich zu einem eigenständigen politischen Handlungsfeld wurden. Willy Brandts Forderung, der „Himmel über dem Ruhrgebiet“ müsse wieder blau werden, steht dabei sinnbildlich für den beginnenden politischen Wandel. Die Darstellung verknüpft diesen Wandel mit internationalen Entwicklungen wie der Stockholmer UN-Umweltkonferenz von 1972, dem Bericht Grenzen des Wachstums des Club of Rome und der Gründung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Gleichzeitig zeigt sie die Institutionalisierung der deutschen Umweltpolitik und die Entstehung neuer Forschungs- und Beratungseinrichtungen. So werden unter anderem die Gründungen und Entwicklungen des Umweltbundesamtes, des Sachverständigenrats für Umweltfragen, des Öko-Instituts, des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu), des Internationalen Instituts für Umwelt und Gesellschaft, des Instituts für Europäische Umweltpolitik und zahlreicher weiterer Einrichtungen in den historischen Kontext eingeordnet.

Von der Umweltbewegung zur etablierten Forschungslandschaft

Für die 1970er und 1980er Jahre zeigt der Zeitstrahl besonders anschaulich, wie gesellschaftliche Auseinandersetzungen und Umweltkrisen die Entwicklung von Umweltpolitik und Forschung beeinflussten. Der Konflikt um das Kernkraftwerk Wyhl, die Ölkrisen, die Anti-Atomkraft-Bewegung und die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl stehen neben der Gründung neuer Forschungsinstitute, dem Aufbau des Bundesumweltministeriums und der zunehmenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Umwelt- und Energiefragen. Auch die Entwicklung in Ostdeutschland wird sichtbar gemacht. Die Gründung der Gesellschaft für Natur und Umwelt in der DDR, die Ostberliner Umwelt-Bibliothek, die Dokumentation Bitteres aus Bitterfeld und schließlich die Entstehung des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) verweisen auf die besondere Rolle der Umweltbewegung und kritischen Umweltforschung in der DDR. Zugleich zeigt die Darstellung, wie sich aus zunächst kleinen und teilweise bewusst „alternativen“ Forschungseinrichtungen eine zunehmend professionelle und institutionalisierte Umweltforschungslandschaft entwickelte.

Globale Umweltfragen verändern Forschung und Politik

Mit den 1990er Jahren rücken globale Umweltprobleme und internationale Nachhaltigkeitspolitik immer stärker in den Vordergrund. Die UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, die Arbeit des Weltklimarats IPCC, die Gründung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) und die stärkere Verankerung sozial-ökologischer Forschung markieren diesen Wandel. Der Zeitstrahl verfolgt diese Entwicklung bis in die 2000er und frühen 2010er Jahre. Er verbindet das Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie und die Gründung neuer Forschungsinstitutionen mit gesellschaftlichen und politischen Debatten über Klimaschutz, Transformation und Energiewende. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima und die anschließende Mobilisierung für und gegen die Energiewende markieren einen weiteren Einschnitt. Auf diese Weise wird nachvollziehbar, wie sich der Schwerpunkt der Umweltpolitik über Jahrzehnte erweitert hat: vom Umgang mit unmittelbar sichtbaren Umweltbelastungen hin zu komplexen Fragen globaler Umweltveränderungen, nachhaltiger Entwicklung und gesellschaftlicher Transformation.

Ein früher interaktiver Zugang zu Umweltpolitikgeschichte

Der Zeitstrahl entstand 2013 und 2014 als Bestandteil der digitalen Aufbereitung des Projekts „Vom ‚blauen Himmel über der Ruhr‘ zur Energiewende“. Für die damalige Zeit setzte die Darstellung auf einen vergleichsweise innovativen Ansatz: Statt die Geschichte der Umweltpolitikforschung ausschließlich in Textform aufzubereiten, wurden politische Ereignisse, gesellschaftliche Entwicklungen, Persönlichkeiten, Forschungsinstitutionen und internationale Meilensteine auf einer interaktiv navigierbaren Zeitleiste miteinander verknüpft.

Damit ergänzte der Zeitstrahl die wissenschaftlichen Diskussionspapiere und Zeitzeugeninterviews des Projekts um eine visuelle Perspektive. Er ermöglicht es, zeitliche Zusammenhänge unmittelbar zu erkennen und beispielsweise nachzuvollziehen, wie Umweltkrisen, politische Entscheidungen, zivilgesellschaftliche Mobilisierung und die Gründung neuer Forschungsinstitutionen aufeinander folgten und sich gegenseitig beeinflussten.

Auch heute bietet die Darstellung damit einen kompakten historischen Zugang zu einer Frage, die im Zentrum des gesamten Projekts stand: Wie entstand in Deutschland eine eigenständige Landschaft wissenschaftsbasierter Umweltpolitikforschung – und wie wurde sie zu einem festen Bestandteil moderner Umweltpolitik?

Der Zeitstrahl zeichnet fünf Jahrzehnte deutscher Umweltpolitikforschung im Zusammenspiel von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft nach.

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Sprache
Deutsch
Finanzierung
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Projekt
Projekt-ID
Schlüsselwörter
Geschichte der Umweltpolitik, Geschichte der Umweltforschung, Umweltpolitikforschung, wissenschaftsbasierte Umweltpolitik, Umweltpolitikberatung, deutsche Umweltpolitikgeschichte, Umweltbewegung, Umweltforschungsinstitute, Umweltgovernance, Wissenschaft und Politik, Wissenschaft-Politik-Schnittstelle, Entwicklung der Umweltpolitik, Anti-Atomkraft-Bewegung, Energiewende, sozial-ökologische Forschung, Nachhaltigkeitspolitik, Umweltgesetzgebung, Umweltgeschichte, Umweltinstitutionen, Klimapolitikgeschichte
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