Zeitzeug:innen im Gespräch: Die Geschichte der wissenschaftlichen Umweltpolitikberatung in Deutschland
Videoserie
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Ecologic Institut (2013–2014): Die Geschichte der wissenschaftlichen Umweltpolitikberatung in Deutschland. Zeitzeugeninterviews im Rahmen des Projekts „Vom ‚blauen Himmel über der Ruhr‘ zur Energiewende“. Videoserie. Berlin: Ecologic Institut. YouTube. Verfügbar unter: https://www.youtube.com/playlist?list=PLRCS6sCRjnO0aiZYxmLA8h4_AJAySY5d_.
Wie entstand die wissenschaftliche Umweltpolitikberatung in Deutschland und welche Rolle spielten unabhängige Forschungsinstitute, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft bei ihrer Entwicklung? Die im Projekt „Vom ‚blauen Himmel über der Ruhr‘ zur Energiewende“ entstandene Videoserie lässt 19 Zeitzeug:innen und Wegbereiter:innen der deutschen Umweltpolitikforschung zu Wort kommen.
In den Interviews berichten Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Umweltverbänden und Forschungsinstituten aus erster Hand über die Entstehung und Professionalisierung der Umweltpolitikberatung in Deutschland. Die Gespräche beleuchten die Gründung und Entwicklung wichtiger Institutionen und Forschungsrichtungen und zeichnen zugleich nach, wie sich das Verhältnis zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft über mehrere Jahrzehnte verändert hat.
Dabei wird deutlich, wie eng die Entwicklung der Umweltpolitikforschung mit gesellschaftlichen und politischen Veränderungen verbunden ist. Die Interviews zeigen, wie aus Umweltbewegung und kritischer Wissenschaft neue Formen unabhängiger Forschung entstanden, wie sich nicht-staatliche Umweltforschungsinstitute etablierten und wie wissenschaftliche Expertise zunehmend Eingang in politische Entscheidungsprozesse fand.
Die Gespräche eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf prägende Etappen dieser Entwicklung: von den Anfängen der deutschen Umweltgesetzgebung und der Anti-Atomkraft-Bewegung über die Gründung unabhängiger Forschungsinstitute und die Herausbildung neuer Ansätze der Umweltpolitikanalyse bis hin zur Europäisierung der Umweltpolitik und zur zunehmenden Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und unabhängiger Forschung.
19 Perspektiven auf die Geschichte der Umweltpolitikberatung
- Prof. Dr. Edda Müller – Das Primat der Politik und die Rolle der Wissenschaft
Die ehemalige Ministerin für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein spricht mit Doris Knoblauch über das Primat der Politik und die nachgelagerte Rolle der Wissenschaft für den Umweltschutz. - Dr. Hans-Joachim Ziesing – Umweltpolitik zwischen Forschung und Politik
Der Energieexperte erläutert im Gespräch mit Matthias Duwe das Zusammenspiel von Politik und Forschung sowie die Rolle des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in der wissenschaftsbasierten Umweltpolitikberatung. - Prof. Dr. Meinhard Schulz-Baldes – Gründung und Entwicklung des WBGU
Der ehemalige Generalsekretär des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) zeichnet im Gespräch mit Susanne Langsdorf dessen Gründungsgeschichte und weitere Entwicklung nach. - Prof. Dr. Angelika Zahrnt – Umweltbewegung und alternative Umweltforschung
Die Ehrenvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht mit Doris Knoblauch über inhaltliche Lücken in der frühen Umweltpolitikberatung und darüber, wie die Etablierung ehemals „alternativer“ Umweltinstitute die Umweltforschung verändert hat. - Dr. Christian Hey – Der SRU und die deutsche Umweltforschungslandschaft
Der damalige Generalsekretär des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) spricht mit Susanne Langsdorf über die Geschichte des SRU und die besonderen Bedingungen, die zum Erfolg der deutschen Umweltforschungsinstitute beitrugen. - Prof. em. Dr. Eckard Rehbinder – Umweltgesetzgebung und Sachverständigenrat für Umweltfragen
Der ehemalige langjährige Vorsitzende und Angehörige des SRU erläutert im Gespräch mit Doris Knoblauch die Entwicklung der deutschen Umweltgesetzgebung, den Entstehungskontext des Sachverständigenrats sowie die Entwicklung der europäischen Umweltgesetzgebung. - Dr. Hans-Jürgen Nantke – Das Umweltbundesamt und die Umweltforschungsinstitute
Der damalige Leiter der Deutschen Emissionshandelsstelle beschreibt im Gespräch mit Benjamin Görlach die Anfänge und frühen Aufgaben des Umweltbundesamtes, dessen Beitrag zur Entstehung und Entwicklung der Umweltinstitute sowie seine heutige Rolle. - Dr. Thomas Jahn – Die Entwicklung der sozial-ökologischen Forschung
Der Mitbegründer des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) spricht mit Benjamin Görlach über die Geschichte des Instituts und die Entwicklung der sozial-ökologischen Forschung. - PD Dr. Helmut Weidner – Die Berliner Schule für Umweltpolitikanalyse
Der ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) spricht mit Susanne Langsdorf über die Entwicklung des dort ehemals angesiedelten Internationalen Instituts für Umwelt und Gesellschaft und die Herausbildung der „Berliner Schule für Umweltpolitikanalyse“. - Prof. Dr. Rolf Kreibich – Die Gründung ökologisch ausgerichteter Forschungsinstitute
Der Gründer des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung und ehemalige Präsident der Freien Universität Berlin beleuchtet im Gespräch mit Camilla Bausch die Hintergründe der Gründung ökologisch ausgerichteter Institute in Deutschland. - Dr. Hendrik Vygen – Staat und unabhängige Umweltforschung
Der ehemalige Ministerialdirektor spricht mit Camilla Bausch über das Zusammenspiel von Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt und unabhängigen Umweltforschungsinstituten. - R. Andreas Kraemer – Unabhängige Forschungs- und Beratungsinstitute
Der Direktor des Ecologic Instituts spricht mit Susanne Langsdorf über die Bedeutung unabhängiger Forschungs- und Beratungsinstitute für die Umweltpolitik sowie über die Geschichte des Instituts für Europäische Umweltpolitik und des Ecologic Instituts. - Michael Sailer – Vom alternativen Institut zum etablierten Akteur: das Öko-Institut
Der Sprecher und langjährige Mitarbeiter des Öko-Instituts zeichnet dessen Entwicklung von einer alternativen Quelle wissenschaftlicher Informationen zu einem festen Bestandteil der deutschen Umweltforschungslandschaft nach. - Dr. Volker Hauff – Die Rolle des Staates bei der Entstehung unabhängiger Umweltforschung
Der ehemalige Bundesminister für Forschung und Technologie und Bundesminister für Verkehr spricht mit R. Andreas Kraemer über die Rolle des Staates. Als Forschungsminister hatte Hauff einige der ersten Forschungsaufträge für unabhängige Umweltforschungsinstitute angestoßen. - Dr. Ulrich Höpfner – Gründung und Entwicklung des ifeu
Das Interview zeichnet die Entstehung des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) aus dem „Tutorium Umweltschutz“ der Universität Heidelberg nach und beleuchtet die Widerstände, mit denen die jungen Wissenschaftler seitens der damals etablierten Wissenschaft und staatlicher Institutionen konfrontiert waren. - Prof. Dr. Martin Jänicke – Kritische Umweltforschung und die Berliner Schule
Das Interview beleuchtet die Benachteiligungen kritischer Umweltforscher in den Anfängen der unabhängigen Umweltforschung, die besondere Rolle der Berliner Schule für Umweltpolitik, die Bedeutung der Nähe zur Politik in Berlin und die Entwicklung des Forschungszentrums für Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin. - Dr. Michael Zschiesche – Umweltforschung und Umweltbewegung in der DDR
Der Vertreter des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) spricht über die Geschichte der wissenschaftlichen Umweltpolitikberatung in Deutschland, die besondere Rolle des UfU, die Umweltbewegung in der DDR, die begrenzten Möglichkeiten kritischer Umweltwissenschaft sowie die Neuorientierung der ostdeutschen Umweltbewegung nach der Wiedervereinigung. - Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker – Institut für Europäische Umweltpolitik und Wuppertal Institut
Das Interview über die Geschichte der wissenschaftlichen Umweltpolitikberatung in Deutschland richtet besonderes Augenmerk auf die Entwicklung des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEUP) und des Wuppertal Instituts. - Prof. Dr. Dr. h. c. Udo E. Simonis – Das WZB und die deutsche Politikberatung
Der Umweltwissenschaftler spricht über die Geschichte der wissenschaftlichen Umweltpolitikberatung in Deutschland und die besondere Rolle des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung für die deutsche Politikberatungslandschaft.
Von persönlichen Erinnerungen zur Geschichte der Umweltpolitikberatung
Die Zeitzeugeninterviews bilden eine wichtige empirische Grundlage des Projekts „Vom ‚blauen Himmel über der Ruhr‘ zur Energiewende“. Gemeinsam vermitteln sie ein facettenreiches Bild davon, wie sich wissenschaftsbasierte Umweltpolitikberatung in Deutschland herausgebildet, ausdifferenziert und professionalisiert hat. Die persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen der Interviewpartner:innen ergänzen die im Projekt entstandenen Diskussionspapiere um unterschiedliche Perspektiven auf institutionelle Entwicklungen sowie auf die politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen ihrer Zeit.
Als Videoserie dokumentieren die Gespräche damit nicht nur die Geschichte einzelner Institutionen und Persönlichkeiten. In ihrer Gesamtschau machen sie sichtbar, wie sich das Verhältnis zwischen Umweltbewegung, unabhängiger Forschung, staatlichen Institutionen und Politik über mehrere Jahrzehnte verändert hat – von kritischer Distanz und dem Geist des „Gegengutachtens“ bis hin zur Etablierung wissenschaftsbasierter Umweltpolitikberatung und einer zunehmend engen Zusammenarbeit zwischen Forschung und Politik.